Mein Auslandsaufenthalt in Costa Rica 2011/2012

Mein Auslandsjahr fuehrte mich im Juli 2011 nach Mittelamerika in das bluehende Land Costa Rica. Nachdem ich nun mehrere Monate hier verbracht und mich eingewoehnt habe, moechte ich von meinen bisherigen Erfahrungen berichten.
Ich lebe im Dorf Santa Ana, welches etwa 25 Autominuten von der Hauptstadt San Jose entfernt liegt. Durch die zentrale Lage sind umliegende Orte und San Jose mit den regelmaessig verkehrenden Bussen gut zu erreichen. Es gibt mehrere Schulen, Internetcafes und zahlreiche Supermaerkte.

Ich wohne in einem „Condominium“, eine Art Reihenhaussiedlung. Dieses wird rund um die Uhr von einer Security - Firma überwacht und ist deshalb sehr sicher. Ausserdem gibt es in der Wohnanlage zw.ei Pools mit überdachter Gemeinschaftsterrasse sowie Spielplaetze, die von allen Mietern genutzt werden koennen. Jedes Haus hat zwei Stockwerke. Im Erdgeschoss befinden sich eine Kueche, ein Bad, eine Terrasse sowie ein Wohn,-und Essbereich. Die weiteren drei Zimmer und zwei Baeder liegen im Obergeschoss.
Ich lebe hier gemeinsam mit meiner venezuelanischen Gastfamilie. Meine Gastmutter ist sehr nett und freundlich und durch ihre Warmherzigkeit fuehle ich mich von Anfang an gut aufgenommen. Auch bei Problemen und in schwierigen Situationen steht sie mir zur Seite. Mit meinen Gastschwestern verstehe ich mich im Grossen und Ganzen, doch aufgrund der unterschiedlichen Interessen verbringen wir neben Familienausfluegen, Besuchen bei Freunden und an Festtagen nicht sehr viel Zeit miteinander. Die Familie hat einen grossen Bekannten und Freundeskreis. Man besucht sich regelmässig und ich geniesse jedes Mal die offene und herzliche Atmosphaere.

In den ersten vier Monaten (August - November 2011) besuchte ich die gleiche Schule (Saint Nicholas of Flue School) wie meine Gastschwestern, die ueber eine Stunde entfernt lag. Der Transport (Hin- und Rückfahrt) erfolgte mit dem Schulbus. Dieser kostete monatlich 120 US Dollar (ca. 84 Euro). Auch für die Sommerferien wird der halbe Preis bezahlt.

Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform bestehend aus Hose, Schuhen, Socken und T-Shirt. Die Farben sind festgelegt und hinzu kommt eine Sportuniform. Beides wird von den Schülern käuflich erworben. (ca. 50-60 US Dollar, ca. 45 Euro). In der Regel werden Austauschschueler einer niederen Klassenstufe zugeordnet, um Sprachbarrieren zu überwinden sowie das Verstaendnis im Unterricht zu erleichtern. Der Unterricht beginnt 8.00 Uhr und endet 15.00Uhr. Es gibt Unterrichtsbloecke von je 90 Minuten.
Diese Schule lehrt, wie viele in Costa Rica, zweisprachig (Englisch und Spanisch). Das Fach Englisch, wird in drei Unterrichtsbloecke pro Woche aufgeteilt: Hoeren, Lesen und Grammatik.

Der einheitliche Stundenplan beinhaltet die Faecher Englisch, Spanisch, Sozialkunde, Geschichte, Geographie, Politikwissenschaften, Sport und Physik. Zusaetzlich wird das Fach Naturwissenschaften in der 7.-9. Klasse auf Englisch unterrichtet. Ab der 10. Klasse werden alle Faecher auf Spanisch (Muttersprache) unterrichtet. Das Fach Sport wird nach Klassenstufen gemischt einen ganzen Schultag gelehrt und haengt von der Wahl aus verschiedenen Aktivitaeten ab. (z.B.: Fussball, Volleyball, Fitness.) Zusaetzlich wird an dieser Schule ein musikalisch-kuenstlerisches Fach belegt, wobei Tanzen, Handarbeit, Gitarren-oder Blechblaesergruppe zur Auswahl stehen. Es wird normal zensiert und eine Unterrichtseinheit dauert ebenfalls 90 Minuten.

Die Leistungen werden nach Prozenten bewertet, das heisst, das die Note „100“ (%) einem „sehr gut“ und „0“ einem „ungenuegend“ entspricht. Eine Leistung gilt bis Note „75“ (%) als bestanden. Also ähnlich wie in Deutschland.

Nach den 8-10 woechigen Sommerferien wechselte ich auf eine oekologisch betonte Schule (Colegio Biligue Ecologico San Martin) in meinem Wohnort, die ich nun in etwa 25 Minuten mit dem oeffentlichen Bus erreiche. Dort wird besonders auf Umweltschutz und Muelltrennung geachtet und es werden monatlich interessante Aktivitaeten zum Thema Naturschutz durchgefuehrt. Ich besuche jetzt die Abschlussklasse 11.

Der Unterricht dauert ebenfalls von 8.00Uhr bis 15.00Uhr und eine Einheit dauert 90 bis 100 Minuten. Der Stundenplan beinhaltet alle oben genannten Faecher mit Ausnahme der kuenstlerischen Aktivitaeten. Stattdessen gibt es einen Block Ethik pro Woche, in welchem Menschen aus verschiedenen Berufen eingeladen werden und ihre Arbeit mithilfe einer Praesentation vorstellen. Diese Schule ist verhaeltnismaessig klein mit nur etwa 75 Schuelern. (Abschlussklasse 11: 9 Schueler). Insgesamt wurde ich sowohl von Mitschuelern als auch von den Lehrern sehr herzlich aufgenommen, die gerne bereit sind zu helfen. Sie sind sehr an anderen Kulturen interessiert.

In der Freizeit gibt es viele Moeglichkeiten an ausserschulischen Aktivitateten teilzunehmen. Ich mache seit meiner Ankunft in Costa Rica einen Fitnesskuss („Zumba-Fitness“), eine Mischung aus Aerobic und Tanzen dreimal die Woche, gehe einmal woechentlich zum Geigenunterricht und besuche regelmaessig die Orchesterprobe der nahegelegenen Kunst-Musikschule.

Mit anderen Austauschschuelern der Organisation unternahmen wir Ende Oktober 2011 einen Wochenendtrip nach Tortuguero, dem bekannten Ort der Meeresschildkroeten. (Kosten 160 US Dollar plus Taschengeld). Sommerferien in Costa Rica sind von Dezember bis Januar bzw. Anfang Februar (8-10 Wochen). In dieser Zeit wurde von der Organisation (Betreuung vor Ort) eine 10- tägige Freiwilligenarbeit im Nationalpark an der Karibikkueste angboten. Diese kostete ca. 400 US Dollar (ca. 315 Euro). Einzelheiten kann ich nicht berichten, da ich an diesem Projekt nicht teilgenommen habe.
Alternativ fuhr ich mit meinen Gastschwestern eine Woche (5 Tage) ins Jugendlager, was mir sehr gut gefallen hat und die Zeit leider viel zu kurz war. Dort habe ich nette und interessante Leute kennengelernt.

An den Wochenenden treffe ich mich mit Freunden und Bekannten und vereinzelt unternehmen wir als Familie einiges, wie ins Kino gehen, Inlineskaten, Shoppen, ins Theater oder Museum gehen. Es werden viele Besuche bei befreundeten Familien und Gegenbesuche gemacht. Besonders an den Feiertagen zu Weihnachten, Neujahr und Ostern sowie an Geburtstagen ist man gesellig und stets in großer Runde.
Mit der Gastfamilie unternahmen wir dreitägige Ausflüge an die Pazifik (Samara) – und Karibikküste (Limon) sowie zu den Vulkanen („Turrialba“ und „ Arenal“) im Landesinneren. Meine Kosten waren stets anteilig plus Taschengeld.
Zusammenfassend denke ich, dass man sich die Ferienfreizeit umfangreich gestalten sollte, da diese 8 Wochen wirklich sehr lang sind.

In Costa Rica wird im Allgemeinen viel Wert auf englische Sprachkenntnisse gelegt, sodass vor allem Jugendliche Englisch sprechen, wobei das Srachniveau stark variiert. Ich hatte keine Spanischkenntnisse zu Beginn des Auslandsjahres und die Verstaendigung war nicht immer einfach. Es kam auch des öfteren zu Missverstaendnissen, wobei die Costaricaner sehr hilfsbereit sind und mich beim Erlernen der Sprache unterstützten. Einige Grundkenntnisse sind daher empfehlenswert, um die Kommunikation am Anfang zu erleichtern. Nach etwa zwei Monaten hatte ich ein gutes Sprachverstaendnis und war in der Lage, ein kurzes Gespraech zu führen. Hinzu kam die staendige Praxis in der Schule und im Alltag (Lesen von Tagezeitungen, Filme schauen). Dies verbesserte meine Sprachkenntnisse sehr. Schnell und umfassend. Mittlerweile verstehe ich so gut wie alles, denke auch teilweise in der neuen Sprache und empfinde Spanisch fast als eine zweite Muttersprache. Ich denke, dass es wichtig ist, so viel wie moeglich zu reden, wenngleich viele Fehler gemacht werden. Hilfreich ist es auch, wenn man den Gespraechspartner um sofortige Korrektur bittet.

Wie bereits erwaehnt, kann man viel unternehmen, sollte aber die anfallenden Kosten dafuer einplanen. Dinge wie Taschengeld sind natuerlich immer individuell, da es von persoenlichen Vorlieben und Aktivitaeten abhaengt.

In meinem Fall kaufe ich mein Wasser, Joghurt und Obst selbst, da ich auf meine persoenlichen Gewohnheiten nicht verzichten möchte (Im Allgemeinen sind einige Lebensmittel deutlich teurer als in Deutschland). Hinzu kommen vereinzelt Kosmetika und Kleinigkeiten, wie Geschenke zum Geburtstag usw.. Des Weiteren gebe ich einiges an Taxigeld aus, da einige Wege so sicherer sind und meine Gastmutter mich nicht ueberall hinbringen und abholen kann. Auch meine Zumbakurse und privaten Geigenunterricht habe ich selbst gezahlt.

Nun geniesse ich noch die verbleibende Zeit, ca. 7 Wochen und ich denke oft an meine baldige Rueckkehr. Meine Gefuehle sind gemischt, einerseits die gespannte Erwartung – was kommt dann und andererseits empfinde ich ein wenig Traurigkeit.
Ich habe in Costa Rica dann 11 Monate gelebt und erinnere mich gern an viele positive Erlebnisse. Nicht verschweigen möchte ich, dass es auch manches Mal nicht so gut lief und es phasenweise für mich emotional sehr schwer war, da ich meine Familie besonders an Feiertagen und Geburtstagen vermisst habe.

Ich habe in diesen 11 Monaten viel Neues gelernt und nehme einiges an Lebenserfahrung mit. Deshalb moechte ich die Erfahrung des Auslandsjahres niemals missen und bin sehr dankbar dafuer, diese Moeglichkeit bekommen zu haben.

Ein großer Dank gilt auch meiner herzensguten Gastmutter!!!

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Experiment Austauschschülerin bei der Schokoladenherstellung im Kakaomuseum in Costa Rica