Hallo aus Kanada!

Ich bin seit dem 30. August 2019 hier und hatte bis jetzt wirklich eine unglaublich tolle Zeit. Alle meine Erwartungen wurden ├╝bertroffen: Ich habe viele sehr enge Freundschaften geschlossen, den School-Spirit miterlebt, bin an viele verschiedene Orte gereist und habe eine zweite Familie gefunden.

In Kanada wohne ich in Belleville, in der Provinz Ontario. Belleville ist eine Kleinstadt mit ca. 50.000 Einwohnern, die aber alle Faktoren einer Gro├čstadt hat und nicht weit von Toronto, Ottawa, Kingston und anderen sch├Ânen St├Ądten entfernt ist.

Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter Liz, meinem Gastvater Tom und meinem Gastbruder Tyler (11 Jahre alt). Ich verstehe mich sehr gut mit ihnen und es ist hier wirklich wie mein zweites Zuhause geworden.

Schulalltag und der Corona-Schock

Ich gehe auf eine ├Âffentliche Highschool, die Centennial Secondary School.

Dort gef├Ąllt es mir sehr gut und es ist tats├Ąchlich so, wie man es aus den amerikanischen Filmen kennt.

Ich werde jeden Tag von einem dieser typischen gelben Schulbusse abgeholt und wenn z. B. das Football-Team der Schule ein Spiel hat, werden alle Sch├╝ler vom Unterricht befreit und schauen zu und feuern das eigene Team an.

Es finden auch sogenannte ÔÇ×Spirit WeeksÔÇť mit t├Ąglich wechselnden Themen wie z. B. Pyjama Day statt, zu denen sich die Sch├╝ler dann entsprechend anziehen sollen.

Insgesamt ist der School Spirit hier sehr wichtig. Beispielsweise ist die ganze Schule in den Farben der Schule angemalt und im Schulshop gibt es von Schl├╝sselanh├Ąngern bis zu Pullis und Jacken alles mit dem Schullogo darauf.

Ansonsten l├Ąuft der Unterricht komplett anders ab als ich das aus Deutschland gewohnt bin. Man belegt immer nur vier F├Ącher pro Halbjahr, in denen man dann t├Ąglich unterrichtet wird.

Die Lehrer sind hier oft auch mit den Sch├╝lern befreundet und es ist insgesamt eine etwas gelassenere Atmosph├Ąre. Generell finde ich das kanadische Schulsystem leichter als in Deutschland, aber das kommt auch auf das jeweilige Fach an und h├Ąngt davon ab, welches Niveau und welche Klassenstufe man belegt.

Aktuell besuche ich einen Englischkurs der 12. Klasse sowie einen Chemie-, einen Fotografie- und einen Computerkurs, alle aus der 11. Klasse.

Mein letzter Schultag hier war der 13. M├Ąrz 2020, da die Schule aufgrund der Corona-Krise vorerst geschlossen wurde. F├╝r mich v├Âllig ├╝berraschend musste ich mich in h├Ąusliche Quarant├Ąne begeben und habe seitdem meine Freunde leider nicht mehr treffen k├Ânnen.

Anf├Ąnglich sollten die Schulen nur zwei Wochen nach den Ferien geschlossen bleiben, was aber inzwischen bis zum 4. Mai verl├Ąngert wurde. In vielen anderen Provinzen Kanadas bleiben die Schulen sogar bis zum September geschlossen.

Ich hoffe wirklich sehr, dass das f├╝r Ontario nicht beschlossen wird und ich in ein paar Wochen wieder zur Schule gehen kann.

Bis jetzt habe ich nur die Arbeitsauftr├Ąge f├╝r die Schule erledigt, die wir vor den Ferien schon bekommen hatten. Seit neuestem gibt es jetzt aber auch neue Homeschooling-Varianten, die aber bei jedem Lehrer anders sind. Meine Chemielehrerin zum Beispiel l├Ądt jetzt ├Âfter Videos hoch, auf denen sie eine Slideshow zeigt und sie nebenbei erkl├Ąrt.

Einige reisen schon aus Kanada ab: Gew├Âhnung an das “Neue Normal”

Mein Leben hat sich durch das Coronavirus schon sehr ver├Ąndert, denn sonst war ich viel unterwegs mit Freunden und jetzt habe ich sie schon seit 3 Wochen nicht mehr gesehen.

Sehr viele von meinen internationalen Freunden mussten leider auch schon fr├╝hzeitig nach Hause gehen und ich konnte mich von den meisten gar nicht richtig verabschieden.

Eine meiner besten Freundinnen aus Spanien konnte ich nur an der Haust├╝re mit einem zwei Meter Abstand verabschieden. Wir konnten uns nicht umarmen.

Dekorationsgrafik: Gruppenfoto aus KanadaAktuell verbringe ich sehr viel Zeit mit meinem Gastbruder Tyler. Wir spielen Fu├čball im Garten, backen gemeinsam und schauen zusammen Filme.

Meine Gasteltern m├╝ssen beide noch arbeiten, trotzdem machen wir aber noch Ausfl├╝ge an den Bay of Quinte oder einen Strand hier in der N├Ąhe und manchmal gehen wir auch einfach f├╝r einen “Drive” durch die Stadt.

Durch die h├Ąusliche Quarant├Ąne ist das Verh├Ąltnis zu meiner Gastfamilie noch einmal deutlich enger geworden, weil wir jetzt nat├╝rlich noch mehr Zeit miteinander verbringen als die Monate zuvor.

Das ist ein sehr sch├Âner Nebeneffekt der aktuellen Situation. Ansonsten facetime ich mit meinen Freunden, weil wir uns gerade ja leider nicht treffen k├Ânnen, oder ich lerne f├╝r die Schule oder schaue Netflix. Ich habe jetzt auch angefangen zu malen und zu n├Ąhen, weil meine Gastmom ganz viele Handarbeitssachen hat.

Ich finde meine Gastfamilie geht sehr gut mit der Situation um, denn wir achten sehr auf Hygiene, schauen auch oft Nachrichten und machen, was empfohlen wird.

Ich hoffe sehr, dass ich bis zum geplanten Ende, dem 30. Juni, bleiben kann, bevor ich aus Kanada zur├╝ckkehre. Der Gedanke bzw. die Hoffnung, am 4. Mai wieder zur Schule gehen und meine Freunde treffen zu k├Ânnen, motiviert mich f├╝r die jetzt noch anstehenden 4 Wochen h├Ąuslicher Quarant├Ąne.

Ich bin auch sehr froh, dass meine leiblichen Eltern mich bislang noch nicht nach Deutschland zur├╝ckgeholt haben, denn auch wenn ich noch einen Monat oder vielleicht sogar l├Ąnger in Quarant├Ąne sein muss, aber daf├╝r die M├Âglichkeit auf noch tolle letzte Wochen hier habe, dann m├Âchte ich auf jeden Fall bleiben.

Herzliche Gr├╝├če aus Kanada

Eure Emma

 

Du interessierst Dich auch f├╝r einen Sch├╝leraustausch in Kanada? Dann informiere Dich jetzt hier ├╝ber Deine M├Âglichkeiten und starte in Dein Austauschabenteuer!

Kennst Du schon Austauschzeit, unseren Podcast aus der Welt? Folge uns au├čerdem auf Instagram┬áund TikTok, um nichts zu verpassen!