Mein Auslandsjahr in Norwegen
Ein Auslandsjahr in Norwegen, ein Jahr im Ausland. Aber was ist das eigentlich? Ein Jahr, in dem man in einem anderen Land lebt, eine neue Sprache lernt, neue Freund*innen findet, in einer Gastfamilie lebt und ein neues Schulsystem kennenlernt. All das macht ein Auslandsjahr aus, aber es ist so viel mehrâŚ
Mein Auslandsjahr in Norwegen – die ersten 3 Monate

Nach acht Tagen konnte ich dann endlich das Quarantänehotel verlassen und bin von Oslo eine Stunde nach Molde geflogen, dort wurde ich von meiner Gastschwester abgeholt. AuĂer meiner 18-jährigen Gastschwester besteht meine Gastfamilie noch aus meiner Gastmutter. Mit ihnen verstehe ich mich sehr gut, auch wenn unser Familienalltag total anders ist, als ich ihn aus Deutschland gewohnt bin. Meine Gastmutter ist sehr spontan, so passiert es nicht selten, dass wir um 18 Uhr nochmal kurz wandern gehen oder Schlittenfahren. Das hat aber definitiv auch seine Vorteile und es ist immer lustig mit ihr.
Digitales Lernen in Norwegen
In meinem Auslandsjahr in Norwegen gehe ich auf eine ungdomsskole, diese Schule geht von der achten bis zur zehnten Klasse. Dort besuche ich mit Gleichaltrigen die zehnte Klasse. Am Anfang war es etwas schwer fĂźr mich, in der Schule anzukommen, auch wenn ich von mehreren Leuten sehr nett empfangen wurde. Ich habe aber schnell gute Freund*innen gefunden und freue mich jetzt auch fast jeden Tag zur Schule zu kommen und mir macht die Schule hier definitiv mehr SpaĂ als in Deutschland.
Das Verhältnis zwischen Schßler*innen und Lehrer*innen hier ist sehr entspannt und man nennt die Lehrer*innen auch beim Vornamen und duzt sie. Alle Schßler*innen haben hier ihre eigenen Laptops, den sie kostenlos von der Schule geliehen bekommen und auch die Schulbßcher- und Hefte stehen kostenlos zur Verfßgung. Allgemein ist die Schule hier sehr viel digitaler, so werden zum Beispiel Klassenarbeiten oder Vokabeltests teilweise auf dem Laptop geschrieben. Generell habe ich auch das Gefßhl, dass hier nicht so ein Leistungsdruck herrscht wie in Deutschland.
Dem Klischee, dass Norweger*innen schßchtern und zurßckhaltend sind, kann ich auf jeden Fall zustimmen: Auch nach drei Monaten habe ich noch nicht mit allen aus meiner Klasse gesprochen und viele trauen sich auch nicht, Englisch zu sprechen. Ich hoffe, dass sich das im Laufe von meinem Auslandsjahr in Norwegen noch ändern wird.
Die lehrreichsten Monate meines Lebens
Dadurch, dass ich noch nicht so viel Norwegisch kann, kann ich viele Sachen im Unterricht nicht mitmachen, aber es wird immer besser. Denn als ich fĂźr mein Auslandsjahr in Norwegen hergekommen bin, konnte ich eigentlich kein Wort Norwegisch und habe in der ersten Zeit kein Wort verstanden. Nach drei Monaten kann ich aber sagen, dass ich das Meiste verstehe. Sprechen fällt mir, auch wegen der Aussprache, noch etwas schwer. Aber das, was ich sagen kann, sage ich meistens auch auf Norwegisch. Meine Gastfamilie und Freund*innen haben ungefähr nach zwei Monaten angefangen, nur noch mit mir Norwegisch zu sprechen. Das war am Anfang zwar oft sehr verwirrend und ich musste oft nachfragen, aber das ist der effektivste Weg, eine Sprache zu lernen. Ich konnte mir am Anfang nicht richtig vorstellen, wie man eine Sprache lernen kann, nur dadurch, dass man sie die ganze Zeit um sich hat, aber es funktioniert wirklich, wenn man es will â man muss natĂźrlich auch lernen wollen.
Ich kann jetzt schon sagen, dass diese drei Monate von meinem Auslandsjahr in Norwegen bisher zu den lehrreichsten in meinem ganzen Leben zählen. Ich habe so viel gelernt, Ăźber andere, aber vor allem Ăźber mich selbst. Ich habe so oft meine Komfortzone verlassen und bin oft an meine Grenzen gekommen. Ich hatte GefĂźhle, dich ich vorher noch nie hatte und einige davon kann ich nicht einmal beschreiben. Ich habe mein Leben in Deutschland schätzen gelernt, aber genauso weiĂ ich, dass ich mein Leben jetzt und hier in sieben Monaten sehr vermissen werde und von hier weggehen zu mĂźssen, will ich mir nicht einmal vorstellen. Es ist wie ein Kartenhaus, was man Ăźber zehn Monate mĂźhsam zusammenbaut und dann wird es einfach zerstĂśrt. NatĂźrlich kann ich, und das werde ich auch, meine Gastfamilie und Freund*innen hier in Norwegen besuchen kommen, aber ich weiĂ, dass es nie wieder so sein wird wie jetzt. Ich werde nie wieder hier zur Schule gehen und an dem Familienalltag meiner Gastfamilie teilnehmen. Aber all das nehme ich in Kauf, denn die Dinge, die ich hier erlebe, werden mich mein ganzes Leben lang prägen und niemand kann mir diese Erfahrung nehmen.
Alana
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