Helena erzählt Dir hier von ihrem Schüleraustausch in den USA und zeigt, wie ein typischer Tag dort aussehen kann.

Schüleraustausch in den USAWie sieht mein typischer Tagesablauf aus?

Mein Name ist Helena und ich lebe mittlerweile seit 6 Monaten in den USA, in einem sehr nördlichen Staat der Vereinigten Staaten, in dem die Temperaturen im Winter auch mal bis auf -25 Grad Celsius fallen  – Minnesota.

So lebe ich hier

Ich lebe zusammen mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater, meiner 18-jährigen Gastschwester, meinem Hund Gemma, meinem Kater Homie und unseren elf Hühnern in einem großen Haus. Sie haben ein sehr grünes Grundstück am Wald und es liegt neben einem kleinen See. Ich fühle mich hier unglaublich wohl und meine Gastfamilie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich weiß jetzt schon, dass es mir schwerfallen wird, alles hinter mir zu lassen, wenn es Zeit ist zu gehen. Ich habe mich schon sehr eingelebt, was sich auch in meinem Zimmer zeigt.

Mein Zimmer ist gleich neben dem von meiner Gastschwester. Die Wände habe ich mit Bildern von meinen Freund*innen und mir sowie Postkarten dekoriert. Oft quatschen meine Gastschwester und ich abends noch oder schauen einfach ab und zu mal bei der anderen vorbei. Wir gehen zwar nicht an dieselbe Schule, aber dafür freuen wir uns umso mehr, wenn wir ein bisschen Zeit zusammen haben, um beispielsweise zu Target oder Chipotle zu fahren.

Schulalltag

Mein Unterricht fängt jeden Morgen um 8:30 Uhr an und geht bis 15:20 Uhr.

Nachdem ich mich fertig gemacht und gefrühstückt habe (unter der Voraussetzung, dass ich auch pünktlich genug aufgestanden bin), holt mich der typisch gelbe amerikanische Schulbus, der gleich vor meiner Einfahrt hält, ab. 10 Minuten fahre ich bis zu meiner High School, wo ich mich mit meinen Freund*innen vor dem Unterricht treffe.

Manchmal holen wir uns dort auch noch Frühstück in der Cafeteria, was an unserer Schule für jede*n gratis ist.

Meine erste Unterrichtsstunde ist Töpfern. In den USA sind viele Lehrer*innen sehr lieb und viel freundschaftlicher im Umgang mit ihren Schüler*innen, was mir besonders gefällt. Als Nächstes geht es für mich ins Musikzimmer, wo meine Gitarre auf mich wartet. Tatsächlich habe ich das Glück, dass an meiner Schule Gruppen-Gitarrenunterricht angeboten wird, weshalb ich nun ein neues Instrument lerne!

Da mein Schuljahr in Quartale aufgeteilt ist, habe ich schon viel ausprobiert, darunter Statistik, Kinderpsychologie, Outdoorsport, Finanzen und Gewichtheben.

In meiner vierten Stunde lerne ich über aktuelle Probleme in den Vereinigten Staaten, so ähnlich wie im Politikunterricht, was ich sehr spannend finde. Dort sitze ich mit einer ganz tollen Gruppe von Freund*innen, was den Unterricht sehr spaßig macht.

Um 12:30 gibt es dann endlich Lunch in der Cafeteria. Dort esse ich zusammen mit einer meiner ersten Freundinnen. Wir haben keine Fächer zusammen, weshalb wir froh sind, uns dort ausgiebig austauschen zu können. In den USA ist es sehr gewöhnlich, dass die Pausen zwischen dem Unterricht nur fünf Minuten lang sind. Anfangs war das ein bisschen komisch, daran gewöhnt man sich mit der Zeit aber auch.

Ich persönlich finde es immer spannend, wenn die Quartale oder Trimester wechseln, weil somit neue Fächer und neue Leute den Alltag füllen und man nochmal neue Menschen kennenlernt.

Clubs

Gerade ist bei mir Spring Season, also Frühlingssaison, in der man an meiner Schule entweder Track & Field, Lacrosse, Softball, Baseball, Tennis oder Flag Football spielen kann. Wer lieber Theater spielt oder stricken lernen will, findet auch seinen Platz an der Schule, in den sogenannten “Clubs”.

Ich wollte gerne Tennis ausprobieren, nachdem ich im Herbst Volleyballspielen gelernt hatte. Es ist gar kein Problem, wenn du in deinem Sport noch keine Erfahrung hast. Ich hatte bis vor zwei Wochen noch nie einen Tennisschläger in der Hand und trotzdem macht es großen Spaß, sich mit anderen ein bis zwei Stunden nach der Schule gemeinsam zu bewegen, egal ob man super spielen kann oder noch viel zu lernen hat.

Probiere Dich aus!

Ich würde absolut jedem*r empfehlen, alles Mögliche, was einen anspricht, auszuprobieren. Ich bin mir sicher, Du wirst etwas Neues lernen, neue Menschen treffen, manche werden enge Freund*innen, andere bleiben nur Mitspieler*innen. Du wirst dich blamieren und lachen und ganz viel neues Selbstbewusstsein und -vertrauen gewinnen und tausend Erinnerungen schaffen.

Es ist nicht immer alles perfekt

Natürlich ist nicht alles perfekt, manchmal hat man Meinungsverschiedenheiten mit der Gastfamilie, oder man vermisst Freund*innen, Familie oder das Lieblingsrestaurant von zu Hause.

Vielleicht fällt es dir auch schwer, sofort mit Leuten, aber solange man Geduld hat und auf andere zugeht und oft “Ja” sagt, selbst wenn es außerhalb der Komfortzone liegt, dann findet jede*r irgendwann seine “Partner*innen in Crime”.

Mir hat es für längere Zeit zugesetzt, dass es in den USA selten die Möglichkeit gibt, einfach mal zum nächsten Laden oder zum*r Freund*in zu laufen, weil alles sehr weit voneinander entfernt ist.

Ich habe für mich entdeckt, mit oder auch ohne Hund jeden Tag für eine halbe Stunde spazierenzugehen und so frische Luft zu schnappen.

Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis man herausfindet, was man braucht und was nicht.

Abend

Abends essen wir zusammen Abendbrot, manchmal helfe ich beim Kochen. Dabei lerne ich neue Rezepte kennen und habe Zeit, mich mit meinen Gasteltern auszutauschen. Ich habe schon so viele neue Aktivitäten, Essen, Menschen und Orte hier entdeckt, die mir Freude bringen.

Besondere Erfahrungen

All diese Erfahrungen, die für viele hier so selbstverständlich sind, machen meinen Alltag zu etwas ganz Besonderem.

Ich bin dankbar für alles, was ich bisher erleben konnte, und freue mich auf alles, was noch kommt.

 

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