weltwärts Benin: Uli berichtet über seinen Besuch vor Ort
Experiment-Mitarbeiter Hans-Ulrich Krause, kurz Uli, war im März 2026 bei einem weltwärts-Partnerbesuch in Benin. In seinem Reisebericht erzählt er, was er alles erlebt hat, und gibt Einblicke in den weltwärts Freiwilligendienst Benin.
Benin ist nicht Berlin!
Preisfrage: Wo liegt Benin? Natürlich war mir, als für das kleine westafrikanische Land zuständiger weltwärts-Programmmanager, die Antwort bekannt, als es Anfang des Jahres darum ging, meine ca.10-tägige Besuchsreise dorthin zu planen. Doch anstatt „Benin“ schien mein Umfeld immer nur „Berlin“ zu verstehen, wenn ich ihm davon erzählte, und konnte auch sonst kaum etwas damit anfangen.
Die Fakten über Benin
Tatsächlich kommt Benin etwas unscheinbarer daher, da es sich im Schatten der großen touristischen Anziehungspunkte des Kontinents recht demokratisch und stabil entwickelt und daher auch kaum Schlagzeilen verursacht. Seine ca. 14 Mio. Menschen ernähren sich hauptsächlich von Landwirtschaft, so wird z.B. einiges an Baumwolle produziert.
Dennoch zählt Benin zu den ärmsten Ländern der Welt. Knapp die Hälfte seiner Bevölkerung lebt nach Weltbank-Definition in absoluter Armut, d.h. von weniger als 1,90 US-Dollar am Tag. Als ein besonders trauriges Kapitel in seiner Vergangenheit sei noch der Sklavenhandel erwähnt, welcher hier einst einen besonders großen Umschlagplatz hatte.
Ulis Partnerbesuch wird vorbereitet
Kein Wunder also, dass Benin als Zielland für den weltwärts-Freiwilligendienst eine Menge Sinn macht. Und so kam es also, dass ich dort unserer Partnerorganisation einen Besuch abstatten und deren einzelne Projekte besuchen wollte. Die Vorbereitungen dafür liefen glatt und überschaubar – zumal Benin in Sachen Visumbeantragung fast ein „Selbstläufer“ für uns ist, zumindest im Vergleich zu sonst oft monatelangen Antragsprozeduren für andere Länder.
Der Partnerbesuch geht los: Auf nach Benin!
Kurz vor Mitternacht am 4. März 2026 war es soweit: Ankunft in Cotonou, wo ich sehr herzlich von Barnabé Bonon, dem Koordinator von SYTO, also „Student and Youth Travel Organization“ Benin, in Empfang genommen wurde. Ein bald darauf einsetzender Regenschauer kann, so bin ich mir heute sicher, eigentlich nur eine Fata Morgana gewesen sein. Denn ich traf genau pünktlich zum Ende der Trockenzeit ein, und damit auch für den Rest meiner Zeit in größter anzunehmender Hitze.
Tag 1 in Benin: Uli erlebt ein Orientierungsseminar für weltwärts-Freiwillige
Gleich am nächsten Morgen begann mein dichtgepacktes Besuchs- und Anschauungsprogramm, und zwar mit dem Hospitieren beim letzten Tag des Orientierungsseminars für zwei frisch eingetroffene Freiwillige. Diese landesspezifische Vorbereitung entspricht den weltwärts-Vorgaben und soll gezielt mit den kulturellen, sprachlichen und auch sicherheitsrelevanten Feinheiten eines Landes vertraut machen; den „Dos and Don‘ts“ also.
Barnabé selbst führte auf unterhaltsame Weise z.B. in die lokale Kleideretikette ein oder verwies auf den Stellenwert nicht nur von Projekt und Gastfamilie, sondern – erkennbar anders als bei uns – auch auf den der unmittelbaren Nachbarschaft. Denn jede*r kennt jede*n in so einem meist noch recht dörflich geprägten Mikrokosmos,.
Spannend ebenfalls, noch immer an meinem ersten Tag: ein Höflichkeitsbesuch bei Paulette Atto, der mittlerweile betagten Vorstandsvorsitzenden von SYTO, die mir anschaulich von der Entstehung der Organisation erzählte.
Tag 2: Besuch des Projekts mit den Freiwilligen
Auch der nächste Tag hielt einen sehr besonderen Moment für mich bereit. Ich durfte mit unseren beiden neuen Freiwilligen Meret und Lena, zum allerersten Mal an ihrem Projektplatz „Bergerie de Dieux“ in Abomey-Calavi. Dies ist eine Kombination aus Schule und Waisenhaus, und entsprechend lebhaft fiel der Empfang aus: Viele kleine Kinder krakeelten um uns, wuselten aufgeregt herum und versuchten, wenigstens einzelne Finger von uns zu erhaschen, wenn der Rest der Hand schon von anderen „belegt“ war.
Bald darauf wurden wir vom Lehr- und Sozialarbeiterinnenteam in einen schattenspendenden Pavillon gebeten und mit einigen einstudierten Liedern und Vorführungen willkommen geheißen.
Die nächsten Tage waren voller Projekt- und Partnerbesuche
Danach begannen weitere aus Besuchen in zum größten Teil bereits langjährig bestehenden Projekten. Viele davon an weiteren Schulen und Kindereinrichtungen, aber z.B. auch im Bereich Women Empowerment oder nachhaltige Landwirtschaft.
Der Direktor der Schule „Complexe Scolaire Bethleem“, Noèl Dassou, begrüßte mich auf Deutsch. Was für unsereins vielleicht überraschend klingen mag, ist an der Schule jedoch schon beinahe „normal“: Denn an ihr wird Deutsch sogar als Unterrichtsfach angeboten.
Auch unsere anderen, bereits im September nach Benin ausgereisten 11 Freiwilligen bekam ich allesamt zu sehen, was mir wichtig war. Diese freuten sich ebenfalls über den Besuch und den persönlichen Kontakt. Mit großer Freude nahmen sie, sozusagen in offizieller Mission, auch ein paar Kleinig- und Süßigkeiten entgegen, die ich für ihre Zielgruppen (meist aus Kindern bestehend) aus Deutschland mitgebracht hatte.
Mein geschätzter Projektpartner Barnabé hatte vor, zusammen mit seiner ebenfalls sehr herzlichen SYTO-Kollegin Irénée, mich allen bestehenden Gastfamilien vorzustellen. Hierfür hätte ich aber wahrscheinlich noch ein paar Tage länger bleiben müssen. Die allermeisten aber bekam ich zu sehen! Es war schön zu sehen, dass unsere Freiwilligen durchgehend gut und sicher untergebracht werden.
Raus aus der Comfort Zone: Uli erlebt den Unterschied zu Deutschland
Während meines Besuchs wurde mir wieder bewusst, wie unterschiedlich Kulturen heutzutage immer noch sein können: Sprache, Klima, Essen, „Dos and Don’ts“, die Art der Fortbewegung und z.B. auch der Umgang der Geschlechter miteinander. So ziemlich alles ist anders in einem westafrikanischen Land im Vergleich zur von zuhause gewohnten „Comfort-Zone“.
Entwicklungspolitische Fragestellungen, Themen wie Rassismus und (Neo-)Kolonialismus kann man noch so intensiv während der weltwärts-Vorbereitung in Deutschland vermitteln, aber der Realitätscheck vor Ort ist eine ganz „andere Nummer“. Noch ein sehr praktisches Beispiel dafür: Auch das leider in vielen unserer weltwärts-Länder die körperliche Züchtigung von Kindern noch immer um einiges mehr als „normal“ angesehen wird als bei uns, erfordert angemessene und keine belehrenden Reaktionen darauf.
Aufregende Tage in Benin gehen zu Ende
Und so ging mein Beninbesuch, prall gefüllt mit vielen neuen Denkanstößen, intensiven Eindrücken und neuen Kontakten, langsam seinem Ende entgegen. Dies aber nicht, bevor ich noch ein paar freie Tage am besonders schönen Strand von Grand Popo zum Durchschnaufen und Verarbeiten von all dem nutzen konnte.
An meinem letzten Nachmittag in Cotonou, und kurz bevor ich dann nachts wieder die Heimreise antrat, kam ich nochmal mit Irénée und Barnabé zusammen. Dabei brachten sie zum Ausdruck, wie sehr sie sich durch meinen offiziellen Besuch als Projektpartner bestätigt und geschätzt fühlten.
Wir aßen zusammen, hielten Rückschau und merkten, dass wir selbst, über unsere eigenen kulturellen Unterschiede hinweg, die gemeinsame Arbeit als sehr spannend empfanden – aufgrund der vielen einblickreichen und oft auch lustigen Momente, die das Zusammenbringen junger deutscher Freiwilliger mit dem echten, brodelnden und ungeschönten Leben in Afrika mit sich bringen.
Geförderter Freiwilligendienst in Benin – Jetzt bewerben!
Wenn Du auch Lust bekommen hast, eins der Projekte zu unterstützen, die Uli in Benin besucht hat, dann kannst Du Dich ab dem 15.07. auf einen geförderten Freiwilligendienst mit weltwärts und Experiment bewerben. Weitere Informationen zur Bewerbung und Deinen Möglichkeiten gibt es auch hier unter https://www.experiment-ev.de/freiwilligendienst-weltwaerts/ (Klick!).

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