Gastfamilie zu werden, ist für manche Familien eine ganz bewusste Entscheidung. Für andere wächst der Wunsch aus einer eigenen Austauscherfahrung. In unserem Interview erzählt Gastmutter Conny, wie sie ihre Zeit als Demi Pair geprägt hat und warum sie heute mit ihrer eigenen Familie eine Austauschschülerin aufnimmt.

Was hat Sie motiviert, Gastfamilie zu werden?

Als ich im Jahr 2004/2005 mit Experiment als Demi Pair für 9 Monate nach Neuseeland gegangen bin und dort eine großartige Zeit in einer Familie verbringen durfte, hatte ich für mich beschlossen, dass ich diese Erfahrung irgendwann, wenn ich selbst Familie haben würde, gerne zurückgeben wollte.

Nun war es so weit: Ich habe eine eigene Familie mit zwei wunderbaren Kindern und einem wunderbaren Mann, wir haben Platz in unserem Haus, und es kam die Email-Anfrage von Experiment: kurzfristig Gastfamilie gesucht! Mein Mann und ich haben 3 Tage überlegt und uns dann entschieden: Wir machen das!

GastfamilieInwiefern hat Ihre eigene Austauscherfahrung Sie beeinflusst, sich selbst als Gastfamilie zu engagieren?

Sehr! Denn bereits damals ist die Idee entstanden, selbst einmal Gastfamilie zu sein.

Warum sollte man Ihrer Meinung nach mindestens einmal Gastfamilie gewesen sein?

Es ist eine wertvolle Erfahrung, jemanden Fremden so nah am eigenen Leben teilhaben zu lassen und die kulturellen Unterschiede zu entdecken. Es fördert Toleranz, einen Perspektivenwechsel und intensiven, menschlichen Austausch – was besonders in der heutigen Zeit so wichtig ist!

Wenn Sie an Ihre Zeit als Gastfamilie denken, gibt es da einen besonders schönen Moment, den Sie mit Ihrem Gastkind erlebt haben? Wie war es bei Ihrer eigenen Austauscherfahrung?

Besonders schön habe ich den Moment empfunden, als meine Kinder, die in der Regel sehr zurückhaltend und eher schüchtern sind, unser Gastkind in den Arm genommen haben und das Gastkind diese Geste erwidert hat. Es freut mich sehr, dass unser Gastkind sich so gut in unsere Familie integriert und es für meine eigenen Kinder mittlerweile die „große Schwester“ geworden ist.

Bei meiner eigenen Austauscherfahrung hat mich die Herzlichkeit, mit der ich dort empfangen wurde, einfach überwältigt. Die Kinder meiner damaligen Gastfamilie kamen schon bei meiner Ankunft am Flughafen auf mich zugerannt und haben mich umarmt. Ich war überwältigt!

Wie hat Sie das Leben als Gastfamilie bzw. mit Ihrem Gastkind geprägt?

Ein Gastkind lenkt ab von kleinen Problemchen, die man im Alltag so hat, die sich aber als Nichtigkeiten herausstellen, weil die Themen rund um das Gastkind den Schwerpunkt und Fokus verschieben. Das tut gut!

Auch die Erkenntnis, dass alle Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können und die eigene Meinung nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein muss, öffnet einem die Augen.

Welchen ultimativen Tipp haben Sie für Eltern, die zum ersten Mal Gasteltern werden? Oder für Alumni, die darüber nachdenken, sich als Gasteltern zu engagieren?

Eine gute Portion Neugier, Offenheit und auch Entschlossenheit mitzubringen. Unser Umfeld fasst es sehr positiv auf, wir nehmen viel Interesse und Neugierde wahr und freuen uns, wenn wir andere Leute damit inspirieren können.

Es gibt aber auch immer wieder Situationen, die verwirren – hier helfen das direkte Gespräch und eine gute Gesprächsführung im Sinne der „gewaltfreien Kommunikation“ und meistens klären sich die Themen im Nu.

Haben Sie noch etwas, das Sie gerne zum Thema Gastfamilie sein hinzufügen möchten?

Am Anfang muss man sich ein wenig auf die Behördengänge und die Hilfe beim Ankommen in Deutschland einstellen, weil es Zeit in Anspruch nimmt (z.B. die Organisation mit der Schule, das Eröffnen eines Bankkontos, die Hilfe bei der Wahl des Handyanbieters oder beim Anmelden im Einwohnermeldeamt bzw. die Verlängerung des Aufenthalttitels in der Ausländerbehörde…).

Aber wenn das alles erledigt ist, kann man sich auf die eigentliche Sache konzentrieren. Wir haben einige Ausflüge in der Umgebung unternommen, um einfach auch zu zeigen, was wir hier zu bieten haben, und tauschen uns ständig über die kulturellen Unterschiede aus, z. B. wie Feste gefeiert werden.

Für uns persönlich ist es auch eine interessante Erfahrung mit einem 18-jährigen Gastkind, weil unsere eigenen Kinder noch klein sind und wir noch keine Erfahrung damit haben, wie es ist, ein „erwachsenes“ Kind zu haben. Es bereitet uns also schon ein wenig darauf vor, was uns in ein paar Jahren selbst erwartet. 😉

 

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