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Paulina Teaching Assistant Turin

Teacher Assistant in Turin – zwischen Schulbank und dolce vita

Schon direkt nach meiner Ankunft in Turin war ich un po´innamorata (ein bisschen verliebt) in diese schöne Stadt mit ihren verwunschenen Gassen, vielen Cafés mit antiker Einrichtung, den Piazze und Bogengängen. Innerhalb dieses Vierteljahres bin ich oft durch die Straßen und am Ufer des Pos entlang geschlendert, habe mich mit anderen Programmteilnehmer*innen auf einen „aperitivo“ oder „bicerin“ getroffen und die weihnachtliche Atmosphäre in der beleuchteten Via Po genossen.  

Aber fangen wir von vorne an… Nach dem ersten Kennenlernen der Partnerorganisation WEP und der anderen Teilnehmer*innen wurde ich herzlich von meiner Gastfamilie in Empfang genommen. Durch ihre Offenheit, Neugier und warmherzige italienische Gastfreundlichkeit habe ich mich direkt willkommen gefühlt. Nach ein paar Tagen hatte ich auch die Gewohnheiten und den Alltag der Familie kennengelernt. Mit der Zeit habe ich mich so gut im Haus und besonders in der Küche zurechtgefunden, dass ich ein paar deutsche Köstlichkeiten nach den Rezepten meiner Oma gebacken habe. Zwei Gastfamilien zu haben ist übrigens kein Nachteil, sondern eine Chance noch ein anderes Lebensmodell kennenzulernen. Ich habe beide Familien ins Herz geschlossen und hoffe sie bald in meiner Heimatstadt begrüßen zu dürfen.

Herzlich und aufregend war auch die erste Begegnung mit den Schülern in der Scuola Media Norberto Bobbio. Die Euphorie und Neugier mich, meine Familie und Kultur kennenzulernen blieb auch bis zum Schluss ungebrochen – besonders bei den jüngeren Schüler*innen. Meine anfängliche Annahme mir würden anspruchsvollere Unterrichtsthemen mit den älteren Schülern mehr Spaß machen, hat sich nicht bestätigt. Denn genau die Mischung verschiedener Themen haben meinen Schulalltag abwechslungsreich gemacht. So hatten wir Stunden zur Geschichte Berlins und der Berliner Mauer, eine Stunde über deutsche Sprichwörter, die Entwicklung langobardischer Worte in der deutschen und italienischen Sprache, aber auch Stunden über meine persönlichen Hobbys, Weihnachtstraditionen in Deutschland oder deutsches Essen. Bei den Vorstellungen, Projekten und Ausflügen mit den Kindern sind mir die Klassen immer mehr ans Herz gewachsen.

Ich habe es durchaus als Vorteil empfunden, dass ich mich auch auf Italienisch verständigen konnte, weil dadurch eine flüssige Kommunikation und manchmal auch hilfreiche Erklärung auf Italienisch möglich waren. Ich denke, dass ich meine Sprachkenntnisse sehr gut vertiefen konnte. Dennoch habe ich natürlich vor allem im schulischen Kontext darauf geachtet meiner Aufgabe als Teacher Assistant gerecht zu werden und Deutsch zu sprechen.

Außerdem habe ich einen Tanzkurs in der Tanzschule des Viertels besucht. Es ist absolut empfehlenswert sich ein Hobby bzw. eine Freizeitaktivität zu suchen, durch die man einen schönen Ausgleich zum Schulalltag hat. So habe ich meinen Aufenthalt nicht nur als längeren Urlaub empfunden, sondern hatte regelmäßige Verabredungen mit neuen Kontakten.    

Im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmer*innen habe ich mich mit weiteren Reisen eher zurückgehalten und lieber die nähere Region entdeckt. Neben einem Besuch der Familie meiner Gastfamilie in Bergamo und einem Besuch einer anderen Teacher Assistant in Mailand ging´s aber auch für drei Tage nach Frankreich. Zwar gab es ziemliches Chaos aufgrund von Streik, aber das war schnell vergessen bei dem Blick auf das Meer, Monacos Hafen oder dem Sonnenuntergang über Nizza.  

Übrigens ein lohnenswerter Tipp für alle Museumsliebhaber: im Tourismusbüro an der Piazza Castello gibt es eine Museumskarte für alle staatlichen Museen Turins (und Umgebung) zum erschwinglichen Preis. So kann man auch bei Regenwetter vom Geschichtsmuseum über Kunstgalerien bis hin zum Kaffeemuseum Lavazza alles Mögliche erkunden.

In meiner Zeit in Turin habe ich die italienische Kultur hautnah und authentisch miterlebt und meine Freiheit genossen, die Stadt, Kunst und Kultur zu entdecken. Und natürlich mich darin geübt mich selbstständig zu orientieren und selbstbewusst auf Menschen zuzugehen. Ich habe das Gefühl, ich bin gewachsen und hatte die Gelegenheit mir über meine (berufliche) Zukunft Gedanken zu machen. Außerdem bin ich mir über meine Passion für Sprachen noch einmal richtig bewusst geworden. Mein Abschied ist mir wirklich schwergefallen, aber ich nehme viele positive, lehrreiche und bereichernde Erlebnisse und Erfahrungen mit nach Hause. Um es in den Worten meiner Schüler zu sagen: Es ist kein Abschied, sondern ein „Auf Wiedersehen!“

Eure Paulina