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Organic Centre

Rückblick auf meinen IJFD in Irland

„Und, wie war es so in Irland?“ Diese Frage habe ich schon so oft gehört seit meiner Rückkehr, und ich weiß immer noch nicht ganz, wie ich sie beantworten soll. Es ist schier unmöglich meine Zeit im Organic Centre in Leitrim, die Erlebnisse und Erinnerungen und Menschen, in eine kurze Antwort zu packen.

Fast zwei Wochen bin ich jetzt schon wieder zu Hause, und ich vermisse so vieles: Jeden Tag draußen zu sein, egal bei welchem Wetter, den täglichen Kontakt mit unglaublich netten Menschen und die wunderschöne Landschaft. Schwarzen Tee habe ich mir zum Glück mit nach Hause genommen, so kann ich wenigstens diesen irischen Brauch beibehalten.

Was ich etwas weniger vermisse ist das Wetter, denn das ist wirklich so wechselhaft wie man hört. Hagel, so viel Regen, dass der Fluss bei uns in Garrison über die Ufer trat und Sonnentage warm genug, um im T-Shirt am Strand zu liegen – ich habe glaube ich wirklich alles miterlebt, was Irland an Wetter kann. Ende Juli hatten wir sogar eine kleine Hitzewelle – für irische Verhältnisse zumindest. Zehn Tage lang war es sonnig und über 25°C, sehr ungewöhnlich für Leitrim. Was ich daraus gelernt habe? Immer eine Regenjacke und eine Sonnenbrille mitnehmen, und der Klimawandel macht selbst Irland zum Sonnenparadies.

In meinem letzten Monat kamen noch andere Freiwillige dazu. Einige aus Deutschland, aber auch aus Frankreich, Dänemark und den Niederlanden. Wir waren eine bunt gemischte Gruppe, aber wir verstanden uns alle super und hatten sehr viel Spaß. Wir aßen oft zusammen Abendbrot und machten kleine Ausflüge an den Wochenenden.

Es war auch gut, dass wir nun mehr Freiwillige waren, denn mit dem Ende des Sommers kam eine neue wichtige Aufgabe: Apfelsaft pressen! Und das in großen Mengen, denn das Centre bietet einen Apfelsaft-Press-Service an, das heißt, andere Leute können ihre Äpfel zum Centre bringen, und wir pressen, pasteurisieren und füllen den Saft in Flaschen ab. Obwohl es laut Phil, dem „Apfel-Experten“ des Centres, ein schlechtes Jahr für die Apfelernte war, brachten die Leute dennoch reichlich Kisten voller Äpfel, und auch der Obstgarten des Centres gab eine Menge Äpfel her.

Und dann rückte meine Abreise auch schon immer näher. So sehr ich mich darauf freute, meine Familie und Freund*innen zu Hause wiederzusehen, ich war doch ziemlich traurig, so bald schon wieder gehen zu müssen.

Mein letztes Wochenende war dann noch ereignisreich, denn am Sonntag war im Organic Centre Apple Day! Dank COVID war dies die erste größere Veranstaltung dort seit fast zwei Jahren, also war die Aufregung natürlich groß. Es gab Führungen durch das Centre und den Obstgarten, und es wurde „live“ Apfelsaft gepresst. Auf dem ganzen Gelände waren kleine Stände aufgebaut – von Kleidung über Kunst bis handgemachte Weidenkörbe wurde eigentlich alles verkauft.

Einer meiner Mitbewohner*innen leitete einen kleinen Workshop für Kinder, wo sie lustige Männchen aus Äpfeln basteln konnten, ein anderer Freiwilliger hatte eine Schatzsuche geplant. Es gab Kaffee, Tee und Kuchen – wir hatten vorher noch fleißig Apple Pie gebacken – und auch warmes Essen.

Leider ließ uns das Wetter etwas im Stich, denn bis auf ein paar Stunden morgens beim Aufbau schüttete es den Rest des Tages wie aus Eimern – typisch irisch halt. Aber trotz des schlechten Wetters kamen sehr viele Besucher*innen, und der Apple Day war ein voller Erfolg!

Es ist etwas komisch, zurückzudenken an meine Zeit in Leitrim. Es fühlt sich an, als wäre ich erst vor ein paar Wochen dort angekommen, unsicher, was mich erwartet und ob es mir gefallen würde. Nie im Leben hätte ich mir dieses glückliche Gefühl vorgestellt, dass ich jetzt bekomme, wann immer ich auf meine Erlebnisse dort zurückblicke. Die Herzlichkeit, mit der wir begrüßt wurden, die Aufgaben, die am Anfang so schwierig schienen und dann am Ende zu Routine geworden waren, unseren Weg zur Arbeit entlang des Ufers des Lough Melvin…

Ich habe so viel gelernt in diesen sechs Monaten, nicht nur im Bereich des nachhaltigen Anbaus, sondern auch im selbstständig und für mich selber verantwortlich Sein und im Umgang mit anderen Menschen. Ich bin sehr froh (und auch etwas stolz), dass ich diesen für mich doch ziemlich großen Schritt gewagt habe, und ich werde meine Zeit in Irland nicht so schnell vergessen.

Hannah

 

P.S.: Lest doch auch gerne meinen ersten Blogbeitrag über meinen Alltag im Organic Centre