“In the middle of nowhere, but in the big heart of America!”

Vor einem Jahr setzte ich mich voller Erwartungen in das Flugzeug, um eine neue Kultur, ein neues Land, neue Menschen kennenzulernen, um einmal auf sich allein gestellt zu sein, um die Sprachkenntnisse zu verbessern, um meinen Horizont zu erweitern. Dafür reiste ich letztes Jahr im August in die USA.

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Marietta mit Highschool-Freunden in den USA

Fünf Monate Schüleraustausch in Kansas

Mein Name ist Marietta und mit 15 Jahren ging ich für fünf Monate nach Winona, Kansas. Kansas liegt in der Mitte, im Herzen, der USA. Von der Landschaft stellt man sich es am besten so vor:

Eine Großlandschaft mit endlosen Feldern, weitem Himmel, wunderschönen Sonnenuntergängen, unzähligen Sternen und zwischendurch mal einer Farm im großen flachen Nichts.

Gewohnt habe ich bei der Familie B., die in dem klitze kleinen Dorf Winona (170 Einwohner) im Nordwesten von Kansas lebten. Wir unternahmen tolle Ausflüge, und dabei lernte ich sowohl die amerikanische Kultur als auch den Cowboy-Lifestyle kennen. Dazu gehörten unter anderem ein College Footballspiel mit 50.000 Besuchern, ein Rodeo wie aus den Filmen, oder herzliche Familientreffen an den Feiertagen.

Mein Gastvater war ebenfalls der Schulleiter meiner High School, sodass meine Gastfamilie immer mit großem Engagement bei Schulereignissen dabei war.

Kleine Highschool - große Gemeinschaft

Mein Schulleben in der “Triplains” High School, war besonders, denn wir waren insgesamt nur 22 Highschoolschüler. Von vielen wurde ich gefragt, wie es denn auf der Zwergenschule war, oder gar bemitleidet. Doch im Gegenteil war es zum Vorteil und ich fand schnell den Anschluss. Alle waren sehr offen und freundlich und ich wurde direkt in die Schulgemeinschaft aufgenommen. Im Gegensatz zu Deutschland ist das Verhältnis zu den Lehrern viel lockerer und fast schon familiär, was in meinem Falle vielleicht auch an der Größe der Highschool lag. Dies vermisse ich heute noch ein bisschen in meiner deutschen Schule. An einem typischen Schultag hatte ich von 8.00 bis 16.00 Uhr Unterricht und anschließend Volleyball- bzw. Basketballtraining bis 18.00Uhr.

Der tägliche Sport hatte mir besonders viel Spaß gemacht! Ich hatte vorher zwar weder Volleyball noch Basketball gespielt, doch so etwas ist in den USA egal. Teamgeist wird im Sport groß geschrieben. Es geht darum als Team zu gewinnen und nicht jeder für sich selbst. Dies schätzte ich sehr, und lehrte mir ein mir bisher unbekanntes Mannschaftsgefühl. Ich kann wirklich jedem empfehlen einen Sport in den USA zu machen! Abgesehen vom Spaß, findet man auch schnell neue Freunde dort.

Und ja, mit Überzeugung kann ich sagen, dass meine Erwartungen erfüllt worden sind. Die amerikanische Kultur begeisterte und verwunderte mich zugleich. Am Ende lebte ich sie in vollen Zügen mit! Ereignisse wie Homecoming oder Thanksgiving werde ich nie vergessen. Zufrieden denke ich an das schön fettige Essen oder Abende mit Freunden in der Scheune mit Tischtennis, Kartenspiel und Countrymusik zurück.

Zu den Menschen, die ich kennenlernte charakterisiere ich am besten mit diesem Spruch an: “In the middle of nowhere but in the big heart of America!”. Generell begegnen einem die Menschen in Kansas mit so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Gastfamilie, Freunde, Lehrer, Mitschüler oder ganz einfach Winona sind mir so sehr ans Herz gewachsen und ich vermisse sie sehr. Der Abschied war dann umso schwerer und es sind sehr viele Tränen geflossen. Aber gute Tränen, gute Tränen dadurch, dass ich am Ende mehr war als nur die Austauschschülern, nämlich ein Teil von meiner Gastfamilie, von “Triplains” High School, von Winona.

Ich hoffe, dass ich sie alle möglichst bald noch einmal besuchen kann. Kansas wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Neues Selbstvertrauen

Ich bin dankbar, dass ich diese mich heute prägenden Erfahrungen machen konnte. Ich danke meiner Gastfamilie, die mich so lieb aufgenommen und von Anfang an wie ein Teil ihrer Familie behandelt haben. Ich fühlte mich durch meine amerikanische Koordinatorin gut betreut und danke Experiment dafür, dass sie mich durch das Stipendium finanziell unterstützt haben. Ebenso bin ich meinen Eltern dankbar dafür, dass sie mich haben gehen lassen um meine bislang größte und gleichzeitig schönste Herausforderung zu meistern.

Dieses halbe Jahr hat mir nicht nur meine Lieblingshose (eine Cowboyjeans), fließende Englischkenntnisse, lebenslange Freundschaften und tausend schöne Erinnerungen beschert, sondern auch vor allem das Selbstvertrauen, in neue Kulturen eintauchen zu können.

Marietta verbrachte als Stipendiatin von Experiment e.V. ein Schulhalbjahr in den USA.