Europäischer Freiwilligendienst in Schweden

Unsere Teilnehmerin Johanna hat einen Europäischen Freiwilligendienst (EFD) in Schweden gemacht. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Im Mai letzten Jahres trat ich meinen neunmonatigen EFD in Schweden an. Das Projekt war ein bisschen ungewöhnlich, fand es doch auf einem abgelegenen Bauernhof an der Westküste statt und drehte sich um Organic Farming and EcoBuilding. Am Anfang hatte ich stark mit meinem Heimweh zu kämpfen, doch ich kann jedem nur raten abzuwarten und Tee zu trinken, denn nach ein paar Tagen war es wie verflogen und bald wollte ich nicht mehr weg. Mein anfänglich stockendes Schulenglisch verflüssigte sich zusehends zur gängigen Alltagssprache und ich verbesserte meine Sprachkenntnisse auf ganzer Linie.

Die Wohn- und Arbeitsgemeinschaft bestand aus den verschiedensten Nationalitäten; eine Österreicherin, eine Bulgarin, ein Franzose und zwei Französinnen, zwei Türkinnen, ein Spanier und zwei Schweden habe ich dort u.a. lieb gewonnen.

Ich kam also genau passend zum Start der Pflanzzeit und habe von der Aussaat über das Pflegen bis hin zur Ernte und Haltbarmachung der Feldfrüchte mitgeholfen und meine Liebe zum Gärtnern entdeckt, denn eine selbstgekochte Marmelade von selbstgesammelten wild wachsenden Brombeeren schmeckt einfach zehnmal besser.

Unser Hauptprojekt war der Bau eines umweltfreundlichen Gästehauses aus nachwachsenden Rohstoffen und ich muss sagen, dass es einen manchmal zur Verzweiflung gebracht hat. Nachdem das Holzgerüst stand und das Dach schon gedeckt war, haben wir die Wände, die aus Strohballen bestehen, mit Lehm verputzt. Und der musste erst Charge für Charge gemischt werden und dann in langwieriger Handarbeit angebracht werden. Zum Glück haben wir immer in Teamwork gearbeitet und dadurch viel Spaß gehabt, indem wir z.B. den Klang der jeweiligen Muttersprachen des anderen versucht haben wiederzugeben, oder die besten Schimpfwörter in den verschiedensten Sprachen gelernt haben; und ganz nebenbei ist das Haus fertig geworden, worauf ich stolz bin, denn wer kann schon sagen, dass er ein Haus gebaut hat?

Aber es hat sich nicht nur alles darum gedreht, sondern um noch viele andere Sachen: Wir haben dem Haupthaus einen neuen Anstrich in Schwedenrot verpasst, Fundamente für ein riesiges Gewächshaus gegossen oder z.B. Baumstämme, die wir selbst entrindet haben aus dem Wald getragen. Jeder hat da seinen Bereich gefunden; ich habe mich um die Tiere gekümmert und im Sommer zuckersüße Küken und Entlein großgezogen,- bin also im Großen und Ganzen für neun Monate in die Haut einer Bäuerin geschlüpft.

In meiner Freizeit bin ich viel in Schweden rumgekommen und habe mich in das Land und die Leute verliebt. Man sagt Schweden zu Recht nach, es sei die letzte Wildnis Europas, hat es doch endlos wunderschön grüne Wälder voller Wildtiere, in denen man wunderbar herumstreunen kann oder auch einfach campen kann. Man kann also das Kanu nehmen, setzt sich mit der neugewonnen Freundin aus Bulgarien hinein, paddelt zur nächsten Insel, schlägt dort sein Zelt auf, streichelt die dort lebenden Wildpferde, röstet sein Abendbrot am Lagerfeuer, übernachtet und paddelt am nächsten Tag zurück.

Am Ende angelangt, wollte ich eigentlich gar nicht mehr gehen, habe ich die Zeit dort doch so sehr genossen. Im Rückblick habe ich erkannt, wie viel ich dort gelernt habe und wie sehr ich doch gewachsen bin. Ich kann also nur jedem empfehlen, raus in die Welt zu gehen und Erfahrungen abseits der Touristenströme mit Land und Leuten zu sammeln, die nicht deiner Nationalität angehören. Du wirst erstaunt sein, zu welchen Erkenntnissen du gelangen wirst.