Berge, Sonne und Natur pur

Ökologisches und kulturelles Lernen – das sollte der zweiwöchige Kurzfreiwilligendienst in der Nähe der spanischen Kleinstadt Oropesa de Toledo uns fünf Experimenterinnen eröffnen. Über Teilstipendien ermöglichte uns Experiment e.V. zwei Wochen an dem Workcamp „Youth and Global Sustainability“ der spanischen Partnerorganisation AIPC Pandora teilzunehmen.

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Kurzzeit_Spanien_Freiwilligendienst_Sustainability

Organisiert wurde das Camp von der Fundacion Tomillo-Tiétar auf einer Farm am Fuß der Sierra de Gredos. Außer uns Experimenterinnen waren beim Camp weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 20 und 30 Jahren aus Spanien und Südkorea dabei. Wir sollten in den zwei Wochen Naturschutzarbeiten auf der Farm vornehmen und das Gelände für

kommende Projektgruppen verschönern. Neben dem internationalen Workcamp werden auf dem Gelände von der Fundación Tomillo-Tiétar während des Jahres unterschiedliche soziale Projekte durchgeführt.

Essen und Schlafen mit Blick auf die Berge und den Gemüsegarten: Untergebracht waren wir in einer Finca auf der Farm, die von dem Ehepaar Pilar und Alfonso bewirtschaftet wird. Für männliche und weibliche Teilnehmer gab es je einen großen Schlafraum, in dem wir auf bereitgestellten Matratzen übernachteten. Gegessen wurde gemeinsam auf der großen Terrasse am Haus.

Das Programm, eine ausgewogene Mischung aus Arbeit, Sport und Kultur: Vormittags arbeiteten wir in Gruppen an kleinen Projekten, konstruierten eine Brücke, hoben einen Teich aus, bauten Bänke oder einen Zaun, beschnitten Bäume oder reinigten die Flussufer. Nachmittags konnten wir im nahegelegenen Fluss schwimmen gehen, abends wurden von den Koordinatoren unterschiedliche Aktivitäten angeboten, etwa der Besuch der Burg von Oropesa de Toledo, eine Wanderung rund um Madrigal, ein Ausflug in die Kleinstadt Candeleda oder aber ein DIY-Workshop zum Seife-Machen. An einem Abend besuchten wir eine Flamenco-Darbietung – einer der kulturellen Höhepunkte. Bestandteil des Programms sind darüber hinaus verschiedene Aktivitäten zur Persönlichkeitsentwicklung, an denen jeder nach Interesse teilnehmen kann. Jeder musste außerdem abwechselnd Hausdienst übernehmen und beim Kochen und Putzen im Haus helfen.

Meistens arbeitete die Gruppe vormittags an zwei Teilprojekten zeitgleich, so dass sich jeder nach Interesse entscheiden konnte, wo er mitarbeiten und seine Fähigkeiten einbringen wollte. Vorkenntnisse wurden nicht erwartet, nur Begeisterung und Eigenmotivation, und so ermöglichten die unterschiedlichen Aufgaben, Neues auszuprobieren und ungeahnte (handwerkliche) Talente zu entdecken. Dass es zu dem ein oder anderen Missverständnis kommt, wenn Spanier, Deutsche und Koreaner ihre ganz eigenen Vorstellungen von einer Brücke oder einem Zaun in die Planung einbringen, ist natürlich zu erwarten. Mit Teamgeist und Kreativität konnten wir am Ende aber jedes statische, handwerkliche und kommunikative Problem lösen und waren stolz, unsere geplanten Teilprojekte am Ende des Workcamps gemeinsam abzuschließen.

Input zur Natur, den Pflanzen auf der Farm, den Anbaumethoden und dem Klima erhielten wir während der Arbeit oder nebenbei bei den Ausflügen ins Umland. Das Programm ist eher auf Anpacken und praktisches Lernen und weniger theoretisch ausgerichtet.

Wer viel arbeitet, ist sehr hungrig. Glücklicherweise waren wir das aber nie lange, denn das Essen – typisch spanisch, ausgewogen und mit viel frischem Gemüse – war immer reichlich. An allen Tagen wurden wir von Pilar und ihrer Tochter Jara bekocht, die auch für die Vegetarier in unserer Gruppe immer leckere Alternativen zauberten und uns mit der besten Gazpacho Spaniens (mindestens!) und frischgebackenem Kuchen verwöhnten.

Dass die Wochen auf der Farm von Tomillo-Tiétar so harmonisch verliefen und wertvolle interkulturelle Erfahrungen eröffneten, lag auch an der sehr persönlichen Betreuung vor Ort. Das Programm war zwar vorgeplant, die Koordinatoren waren aber jederzeit offen für unsere Vorschläge. Sie fragten oft nach Feedback und waren interessiert, die zwei Wochen für alle so wertvoll wie möglich zu gestalten, indem sie neben den geplanten Programmpunkten weitere Aktivitäten aufnahmen und uns freistellten, ob wir an den Nachmittags- oder Abendaktivitäten teilnahmen. Bei allen Ausflügen in die Region waren wir zwar darauf angewiesen, dass uns einer der Betreuerinnen und Betreuer mit dem Auto fuhr, aber auch das machten sie fast immer möglich. Darüber hinaus gab es einige Fahrräder, die wir für selbstorganisierte Trips leihen konnten.

Ein atemberaubendes Bergmassiv, Dauer-Sonnenschein, wild grasende Ziegen und Kühe, eine raue Flusslandschaft – wir erlebten zwei intensive Wochen in einer wunderschönen Gegend, die dem „gewöhnlichen“ Spanienurlauber eher verborgen bleibt. Darüber hinaus ermöglichte uns das Camp gemeinsames deutsch-spanisch-koreanisches Leben und Lernen und einige (Arbeits-)Erfahrungen im Sinne von „Expect the unexpected“.