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Spanien

Meine Austauschzeit in Spanien – geprägt durch Corona

Es gibt einige Orte, an denen ich mich so wohl fühle, dass ich sie sehr gerne „Zuhause-Orte“ nenne. Letztes Jahr ist ein weiterer Ort hinzugekommen: Veléz de Benaudalla. Dieses kleine 2.000 Einwohner*innen-Dorf in den Bergen zwischen Granada und dem Meer wird mich wohl nie wieder los. In dem weißen Haus mit Dachterrasse, unter dem das seltene Regenwasser durchfloss als stände man mitten im Fluss, wurde ich, als ob ich schon immer da gewesen wäre, aufgenommen. Meine Gastfamilie ist zu einer zweiten Familie geworden. Eine typische spanische Großfamilie, zu der dann auch noch die engsten Freund*innen der Familie dazugehören, hat mich in ihre Mitte aufgenommen.

So war es auch überhaupt keine Frage, ob ich früher nach Hause fahre, als Corona kam. Wir waren uns einig: Ich bleibe, und wenn ich nicht wie geplant ausreisen kann, bleibe ich halt länger, bis ich es wieder kann. Aber dazu kam es gar nicht, denn bekanntlich hat sich die Situation zum Sommer hin erstmal beruhigt. So kam es auch, dass ich trotz Corona oder vielleicht sogar gerade wegen Corona zum Ende meines Jahres die meisten Ausflüge gemacht habe. Meine Gastschwester und ich hatten keine Schule mehr und einen richtigen Distanz-Unterricht gab es auch noch nicht. Also haben wir erstmal viele Filme geschaut, haben auf der Dachterrasse übernachtet und sehr viel Uno gespielt. Trotz Hitze durften wir erst einmal für mehr als einen Monat das Haus nur zum Einkaufen und Gassi gehen verlassen. Besonders schlimm fand ich diesen doch auch anstrengenden Monat nicht, denn ich bin in dieser Zeit nochmal mehr als sowieso schon mit meiner Gastmutter und Gastschwester zusammengewachsen. Und ehrlich gesagt hab ich es auch einfach genossen, nicht in die Schule zu müssen, mittags in Ruhe kochen zu können (ich koche sehr gerne), viel zu lesen und zu malen.

Mein Tageshighlight war immer die Merienda-Zeit (auch schon vor Corona). Merienda ist der typische Nachmittagssnack nach der Siesta (Mittags… naja eher Nachmittagsschlaf).  Hierfür habe ich mich meistens mit meiner Gastmutter und je einem Kaffee (am liebsten con hielo (mit Eis)) vor das Haus in die Nachmittagssonne gesetzt. In den schmalen Gassen ist dann immer etwas los, das ganze Dorf wird wieder wach. Dann kommen Nachbar*innen vorbei, setzten sich dazu und es wird sich unterhalten. Zu Corona-Zeiten waren das dann zwar nur noch meine direkten Nachbar*innen, aber schön war es trotzdem. Irgendwann durften wir dann auch wieder mehr raus, dann habe ich den Fluss unterhalb des Dorfes sehr genossen: Der Weg des Flusses entlang war eine super Laufstrecke und toll für Spaziergänge!

Als nächstes ging es dann wieder aufs Campo (Feld). Meine Gastfamilie hat, so wie viele in der Umgebung, außerhalb des Dorfes ein Feld mit einem Cortijio, also einem Haus mit Küche und Platz zum Übernachten. Das Campo meiner Gastfamilie war gigantisch genauso wie die Vielfalt an Obstbäumen, die es dort gab. Ich habe Orangen, Mandarinen, Zitronen, Mangos, Pfirsiche, Avocados, Feigen, Asiofaifas, Nisporas, Granatäpfel und noch weitere Früchte geerntet aber vor allem gegessen!! Hehe. :) Im November habe ich sogar bei der Olivenernte geholfen, was auch sehr schön war. Als wir nach dem ersten Lockdown wieder aufs Feld durften, haben wir viele Wochenenden da verbracht, irgendwann dann auch wieder mit mehr Familie und Freund*innen.

Im Juni war es dann soweit und wir durften das Dorf verlassen und Richtung Meer zur Mutter meiner Gastmutter fahren. Da habe ich dann tatsächlich eine Woche bei meiner Gast-abuela verbracht und bin jeden Tag zum Strand runtergelaufen. Das war ein Traum!! Kurz danach war meine Zeit auch schon zu Ende..:( Meine Familie hat mich abgeholt und nach einer tollen Abschiedsfeier mit den engsten Freund*innen und Nachbar*innen, sehr vielen Aussagen wie „Hier hast du immer ein Zuhause.“ und „Wann kommst du wieder?“ und natürlich einem Telenovela-tränenreichen Abschied, saß ich, selbst mit Tränen in den Augen, einer Kamera voller Fotos, einem Tagebuch voller Erlebnisse, mal auch schlechteren aber meistens wunderschönen Momenten, und voller Liebe für einen neuen Zuhause-Ort und für meine zweite Familie, im Auto Richtung Deutschland.

Mittlerweile ist dieser Abschied schon fast ein Jahr her und ich bin immer noch im sehr intensiven und ständigem Kontakt mit meiner Gastfamilie, bei jedem Telefonat kommt die Frage auf, wann ich wieder komme und die Antwort ist: Sobald es Corona zulässt! Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich so froh bin, dass ich mich nach einem langem Hin und Her für Spanien entschieden habe. Ich kann meine Gastfamilie, und sie mich, ganz einfach besuchen. Außerdem habe ich Spanisch (naja eher Andalu, den Andalusischen Dialekt) gelernt, was ich vorher noch nicht sprechen konnte. Und ich hab nicht nur das gelernt, sondern zum Beispiel auch Flamenco zu tanzen, unter anderem Paella zu kochen und noch so viel mehr. Ich könnte wirklich ewig von diesem Jahr erzählen und schreiben, aber ich denke für hier reicht es erstmal. Aber wenn Du an mehr interessiert bist, kannst Du gerne in meinem Blog schauen: https://meinedotwelt.wordpress.com. Da kannst Du mich auch kontaktieren, wenn Du irgendwelche Fragen hast!

Falls Du ein Auslandsjahr planst, wünsche ich Dir eine wunderschöne Zeit – genieße es!