Ranchstay in Kanada – Merle über ihr spannendes Abenteuer
Im Ranchstay in Kanada können Teilnehmende ihren Pferdetraum ausleben und gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse vertiefen. In diesem Bericht erzählt Dir Merle von ihrem Abenteuer.
Vorbereitung und Anreise
Meinen Plan, nach Kanada zu gehen und auf einer Ranch zu arbeiten, schmiedete ich schon seit Jahren. 2025 konnte ich es endlich möglich machen und habe mich im Oktober für das „Ranchstay-Programm“ bei Experiment beworben.
Die Planung verlief reibungslos. Nachdem ich den Kontakt zu Experiment aufgenommen hatte, wurde ich schnell an die kanadische Organisation übergeben und bekam meine Koordinatorin, die mir ebenfalls vom Anfang bis zum Ende zur Seite stand. Bereits im Januar bekam ich eine Ranch zugewiesen. Ein älteres Ehepaar, das in der Provinz Alberta lebte, die nur etwa zwei Stunden entfernt von den Rocky Mountains war.
Nachdem ich mit meiner Gastmama telefoniert hatte, war recht schnell klar: It’s a match. Ich wusste also nun, mit wem ich es zu tun hatte, und so konnten die letzten Vorbereitungen getroffen werden. Flug buchen, Packliste schreiben und schlussendlich Koffer packen.
Nach einem schönen Abschlussgrillen im Rahmen meiner Familie, ging es also Anfang Mai um halb fünf Uhr morgens los. Natürlich nicht ohne ein paar Abschlusstränchen. Von meinem kleinen Flughafen in der nächstgelegenen Stadt ging es dann nach Frankfurt und von Frankfurt nach Montreal. Von dort ging es zum Zielflughafen: Calgary. Obwohl es mein erster Flug war, und das auch gleich alleine, war die Vorfreude so groß, dass ich das Gefühl hatte, alles meistern zu können.
Und so kamen mir nach etwa 17 Stunden Flug meine Gasteltern entgegengelaufen und schlossen mich herzlich in die Arme. Wir verstanden uns sofort. Mal abgesehen von der leichten Sprachbarriere, die sich aber bereits nach wenigen Tagen gelegt hatte, fühlte ich mich eigentlich direkt wie zu Hause. Es konnte also eigentlich nur gut werden.
Die ersten Tage auf der Ranch
Seit Tag eins schlief King in meinem Bett. Eine siamesische Katze, die „cross-eyed“ ist. Viel zu niedlich, um nicht jede Nacht mit ihm zu kuscheln.
Den ersten Tag durfte ich natürlich ausschlafen. Die acht Stunden Zeitverschiebung machten mir ordentlich zu schaffen, doch nachdem ich den Schlaf nachgeholt hatte, zog das gute Wetter mich nach draußen.
Die ersten Tage hatten wir eine „Clinic“ auf der Ranch, weswegen die große Arena von morgens bis abends besetzt war. Ein Trainer gab einen mehrtägigen Kurs in „Horsemanship“, was ich natürlich gerne beobachtet und selbst durchs Zuschauen, noch viel gelernt habe.
Seit Tag eins durfte ich außerdem reiten. Das angrenzende Ausreitgelände mit unendlichen Trails war perfekt, um bei jedem Wetter etwas Natur zu genießen, und mir wurde sogar ein Pferd zugeteilt, das ich für die drei Monate wie mein eigenes behandeln durfte.
Mein Alltag
Mein Alltag sah recht gleich aus. Aufstehen um 07:30 Uhr, frühstücken und dann zwischen 08:30 und 09:00 Uhr raus und Futter für die über 50 Pferde anmixen und anschließend mit der Schubkarre auf die Weiden fahren, um zu füttern. Danach war häufig erstmal etwas Freizeit, die ich zum Reiten nutzen konnte.
Manchmal standen aber auch andere Dinge an. Da meine Gasteltern auch Airbnb anboten, hatten wir häufig Gäste, die ausreiten wollten. Wir machten also manchmal bis zu 5 Pferde gleichzeitig fertig und ritten mit ihnen aus. Manchmal auch mehrfach am Tag, woran ich mich jedoch recht schnell gewöhnte.
Zwischen mit Gästen ausreiten, Zäune reparieren, das Airbnb mit meiner Gastmutter sauber machen, mit den Jungpferden arbeiten und mich um Champ, mein Projektpferd, kümmern, blieb also nicht unbedingt viel Freizeit, und abends fiel man todmüde ins Bett. Für mich war das aber das beste Gefühl von allen, nachdem man den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen war und sich körperlich betätigt hatte.
Meine neue Mitbewohnerin
Im Juni kam dann ein neues Mädchen. Eine Schweizerin, mit der ich mich ebenfalls von Sekunde eins an super verstanden habe. Bis zum letzten Tag haben wir alles miteinander gemacht, und der Abschied von ihr war, glaube ich, fast der härteste von allen.
Wir machten Lagerfeuer mit meinen Gasteltern, grillten S’mores und sangen Country-Lieder. Beinahe wie im Film.
Wie die Tage verfliegen
Schneller als ich realisieren konnte, näherten sich meine letzten Tage.
Plötzlich nahm ich alles noch bewusster wahr. Das gemeinsame Frühstück, das Lachen miteinander. Das Fell unter meinen Händen, wenn ich die Pferde streichelte, und der Duft des Waldes nach frischem Regen.
Bevor ich nach Hause flog, versuchte ich noch einmal alles zu reflektieren.
Meine Ankunft, den Ausritt in die Berge von Kananaskis, das Ponoka und Calgary Stampede, zu denen ich, obwohl sie eins meiner Highlights waren, gemischte Gefühle habe, Champs Entwicklung von einem ängstlichen Pferd, das gerade erst gestartet wurde, zu einem selbstsicheren Wallach mit viel Potenzial. Meinen Ausflug in den Saloon, in dem zu meiner Überraschung kein Fußball oder Eishockey im Fernsehen lief, sondern ein Rodeo in Texas.
All die lieben Menschen, die ihre Pferde auf unserer Ranch eingestellt hatten und mit denen ich jeden Tag die schönsten Gespräche geführt hatte.
Und dann war es irgendwie auch schon vorbei.
Mein Resumé
Ich habe mir vieles auf dem Flug nach Kanada ausgemalt. Ich habe gehofft, gewisse Dinge zu erleben, und versucht, nicht allzu viele Erwartungen zu haben, damit ich im Nachhinein nicht enttäuscht bin, wenn es nicht so ist, wie ich es mir erhofft habe. Aber die Sorge war gar nicht notwendig.
Vom Beisammensein mit meiner Gastfamilie über die Pferde und das Vertrauen, das sie im Umgang mit ihnen in mich gesetzt haben, bis hin zu meiner neu gewonnenen Freundin. Mein Englisch hat sich um Längen verbessert. Natürlich ist es nicht perfekt, aber Englisch sprechen zu müssen, hat mir die Angst genommen, und man hat es immer irgendwie geschafft, sich zu verständigen.
Natürlich war auch nicht alles perfekt. Falsche Bilder möchte ich auch nicht stellen. Wenn es zum Beispiel in Strömen geregnet hat, musste man trotzdem raus. Dann haben sich die Pferde auch manchmal tief in den Wäldern versteckt, und sie zu suchen, hat Ewigkeiten gedauert. Manchmal wurde es auch etwas stressig, das Airbnb zu reinigen, wenn manche Gäste erst spät gegangen und neue Gäste früh gekommen sind.
Aber das Negative war für mich persönlich vergessen, sobald ich wieder im Sattel saß und das Tor zum Wald hinter mir geschlossen hatte. Dann war alles wieder gut.
Alles in allem war der Aufenthalt etwas, das ich in meinem Leben nie vergessen werde und von dem ich meinen Kindern sehr wahrscheinlich noch erzählen werde. Es stimmt, wenn Leute sagen, dass Reisen den Horizont erweitert, und gerade wenn man jung ist und noch viel über die Welt lernen kann, ist es etwas, das jeder, wenn er die Möglichkeit dazu hat, tun sollte.
Es war eine unvergessliche Erfahrung mit neuen Bekanntschaften, neu erlerntem Wissen und Erinnerungen, die mich mein Leben lang begleiten werden.

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