Bei ihrem weltwärts Freiwilligendienst in Benin hat Charlotte neun Monate lang nicht nur ein neues Land und eine andere Kultur kennengelernt, sondern auch viele persönliche Erfahrungen gesammelt. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von ihrem Alltag in der Gastfamilie, ihrer Arbeit im Projekt und den Begegnungen, die ihre Zeit in Benin besonders geprägt haben.

weltwärts Freiwilligendienst in BeninBenin war die richtige Entscheidung

Ich habe die Zeit in Benin wirklich sehr genossen und würde mich immer wieder für einen Freiwilligendienst entscheiden. Benin und all die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, haben einen Platz in meinem Herzen.

Ich bin sehr froh, ausgerechnet Benin gewählt zu haben – ein Land, von dem ich vorher noch nie richtig gehört hatte und das neben seinem großen Nachbarn Nigeria eher unscheinbar wirkt. Da Benin zurzeit touristisch nur wenig erschlossen ist, wäre ich dort ansonsten vermutlich niemals hingekommen.

Was habe ich in der Zeit gelernt?

Aus den vergangenen neun Monaten nehme ich vieles mit. Zum Ersten war es eine unglaubliche Erfahrung, sich im Alter von 18 Jahren in einem mir bis dahin unbekannten Land mit einer mir unbekannten Kultur zurechtzufinden. Allein dadurch wächst man über sich hinaus und auch das Einleben in der Gastfamilie erfordert ein gewisses Maß an Offenheit, um den gegenseitigen Austausch in Schwung zu bringen. Ich denke, dass mir diese Fähigkeiten auch später noch weiterhelfen werden.

Gleichzeitig ist es ein unglaubliches Erfolgserlebnis, mit voranschreitender Zeit festzustellen, wie man Routinen entwickelt und Dinge, die einem am Anfang noch völlig rätselhaft waren, versteht. Nicht nur hat man jetzt Benin kennengelernt, sondern ist auch gewappnet, um sich in anderen Ländern mit anderen Kulturen zu orientieren.

Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut

Gerade gegen Ende der neun Monate wurde mir erst klar, dass ich mir wirklich ein Leben in Benin aufgebaut hatte. Denn dann wurde es Zeit, sich von allen Bekannten zu verabschieden, egal ob Zumbatrainerin, Freund*innen aus dem Viertel, Obstverkäuferin oder die Frau von der Tankstelle auf dem Weg zur Arbeit, die uns immer überschwänglich begrüßte, wenn wir vorbeikamen.

Man hat eben die Menschen in seiner Umgebung kennengelernt, hat Hobbies und kann seine Freizeit gestalten. Das ist ein sehr schönes Gefühl und macht mich sehr glücklich.

Sprache

Zum Zweiten habe ich auch in sprachlicher Hinsicht sehr von der Zeit in Benin profitiert. Zwar hatte ich bereits in der Schule Französisch gelernt, jedoch ist es nochmal etwas völlig anderes, diese Sprache plötzlich im Alltag anwenden zu müssen. In dieser Hinsicht hat mich auch überrascht, wie schnell man sich daran gewöhnt und sich auch neue Alltagsvokabeln und akzentspezifische Wörter und Phrasen einprägen kann.

Gastfamilie

Was die Unterbringung anbelangt, bin ich sehr zufrieden mit dem Konzept der Gastfamilie. Meiner Meinung nach ist dies die beste Art, eine neue Kultur kennenzulernen.

Sicherlich hätte ich auch die neun Monate genossen, wenn ich alleine oder mit anderen Freiwilligen in einer WG gelebt hätte, allerdings hätte ich dann nicht so einen umfassenden Einblick in die beninische Küche, Traditionen und die Mentalität bekommen. Dadurch hätte für mich ein entscheidender Teil des FWD gefehlt.

Natürlich birgt die Unterbringung in einer Gastfamilie durch das Zusammenleben auf engem Raum und bestehende kulturelle Differenzen auch einiges an Konfliktpotenzial, doch ich habe mit meiner Gastfamilie durchweg positive Erfahrungen gemacht. Wir sind mit der Zeit zusammengewachsen. Dementsprechend schwer fiel der Abschied, doch ich hoffe, dass wir auch in Zukunft Kontakt halten werden.

Projekt

Auch mit meiner Einsatzstelle bin ich sehr glücklich. Während ich am allerersten Tag im Projekt, als von allen Seiten an uns gezerrt wurde, damit wir doch bitte nochmal kurz hier und dorthin mitkommen, noch ziemlich überfordert war und nicht wusste, ob ich mich hier zurechtfinden kann und auch als Respektsperson wahrgenommen werde, hat sich dies schon nach kurzer Zeit geändert.

Sobald wir ein festes Programm etabliert hatten, war klar, für wen wir wann Ansprechpartner*innen sind. Die Mädchen haben uns respektiert und gleichzeitig als Freundinnen auf Augenhöhe wahrgenommen, mit denen man spielen, lachen und reden kann, die aber auch mal ein Machtwort sprechen dürfen, wenn Grenzen überschritten werden.

Dabei werden mir gerade die kleinen Momente im Gedächtnis bleiben, wenn wir bspw. gemeinsam gekocht haben und die Mädchen uns parallel einige Wörter auf Goun (ihrer lokalen Sprache) beigebracht haben und wir zusammen über unsere Aussprache gelacht haben. Gleichzeitig gab es auch berührende Momente, wenn die Mädchen uns ihr Vertrauen geschenkt und mit persönlichen Anliegen oder Sorgen zu uns gekommen sind. Dies habe ich immer wieder sehr geschätzt.

Obwohl auch vorher kein Zweifel für mich bestand, dass ich gerne mit Kindern zusammenarbeite, hat mir die Zeit im Projekt dies nochmal bestätigt. Es hat mir große Freude bereitet, zu sehen, wie sich wiederum die Mädchen über unsere Aktivitäten und die Abwechslung im Alltag gefreut haben.

Austausch mit anderen Freiwilligen

Prägend für meine Zeit in Benin war auch der Austausch mit den anderen Experiment-Freiwilligen. Im Rahmen der Seminare, unseres gemeinsamen Urlaubs in Togo und Ghana und der Wochenenden haben wir viel Zeit zusammen verbracht und gemeinsam Benin erkundet.

Zudem war es schön, mit Gleichaltrigen in einer ähnlichen Situation über neue Erfahrungen und Erlebnisse zu reflektieren und so neue Perspektiven gewinnen zu können. Auch wir werden in Deutschland den Kontakt halten und uns weiterhin austauschen, wie bspw. der Wiedereinstieg in Deutschland vorangeht.

Fazit

Insgesamt bin ich außerordentlich zufrieden mit meinem Freiwilligendienst, sowohl mit der Vorbereitung und Betreuung durch Experiment, als auch mit dem gesamten Ablauf und all den neuen tollen Erfahrungen, die ich machen durfte.

Gerade weil wir Freiwillige noch so jung sind und der FWD für uns zwischen Abitur und Studium oder Ausbildung fällt – eine Phase, die besonders prägend ist – denke ich, dass ich noch lange an die Zeit zurückdenken und auch davon profitieren werde, was unter anderem Weltoffenheit und Anpassungsfähigkeit angeht.

Außerdem kann ich festhalten, dass ich in vielerlei Hinsicht über mich hinausgewachsen bin und mich jetzt ein Stück erwachsener fühle.

 

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