Mein Name ist Marie, ich bin 17 Jahre alt, Sch├╝lerin aus Bayern und ein Ranchaufenthalt in den USA war ein riesiger Traum von mir. Als stolze Besitzerin eines Westernpferdes wollte ich schon immer den Wilden Westen f├╝r mich entdecken, durch die Pr├Ąrie reiten und den Cowboys/-girls unter die Arme greifen. Nachdem ich allerdings noch nicht vollj├Ąhrig bin, entpuppte sich die Suche nach einer passenden Organisation f├╝r mich als wahrer H├╝rdenlauf. Mit Experiment e.V. habe ich jedoch einen sehr guten Verein gefunden, der zudem auf meine W├╝nsche einging und mich durch ein Teilstipendium finanziell unterst├╝tzte. Meine Vorstellung von meiner Ranch war n├Ąmlich ziemlich speziell: Ich bevorzugte eine Working Ranch, auf der noch mit Pferden an den Rindern gearbeitet wird und man den Lifestyle des Wilden Westens voll und ganz zu sp├╝ren bekommt.

Einige Wochen vor meiner Abreise in die USA bekam ich die genauen Informationen zu meiner Gastfamilie und ich war durchwegs begeistert. Die Camatta Ranch existiert seit dem Jahr 1846 und verf├╝gt ├╝ber eine Fl├Ąche von 130 Quadratkilometern.Neben 400 Rindern und einigen Pferden, besitzt meine Gastfamilie Bisons, Hunde, Katzen und sogar exotische Tiere, wie Wasserb├╝ffel. Neben dem Working Ranch Alltag betreibt die Familie ein Programm, das Touristen erm├Âglicht, einen kurzen Einblick in das Leben in der Natur zu bekommen.

Mit diesem Wissen verabschiedete ich mich am fr├╝hen Morgen des 28.07.2016 von meiner Familie und mein dreiw├Âchiges Abenteuer in Kalifornien konnte beginnen. Meine amerikanische Betreuerin Jody hie├č mich in Sacramento herzlichst Willkommen und am n├Ąchsten Morgen machten wir uns auf die vierst├╝ndige Autofahrt nach Paso Robles, wo derzeit ein fair (=Cowboy Jahrmarkt) stattfand und meine Gastschwester Emilee ihre selbst gez├╝chteten und erzogenen K├╝he pr├Ąsentierte und verkaufte. Im dortigen Hotel wurde ich von meiner Gastfamilie liebevoll begr├╝├čt und ich f├╝hlte mich von Anfang an sehr wohl bei ihnen. Wir verblieben zwei N├Ąchte auf dem fair, bevor wir uns auf den Weg zur Ranch begaben. Der Jahrmarkt war ein wahres Highlight f├╝r mich und als Bayerin, kann ich es als amerikanische Wiesn bezeichnen. Ich bekam dort ein traditionelles Rodeo zu sehen, kaufte mir einen richtigen Cowboyhut und meine Gastschwester weihte mich in ihren Freundeskreis ein. W├Ąhrend wir unsere Tracht nur zu bestimmten Anl├Ąssen tragen, besteht deren t├Ągliches Outfit aus Jeans, Hemd, Cowboystiefel und Hut. Am Abend wurde mir sogar das Line und Swing Dance ÔÇ×beigebrachtÔÇť. Bereits jetzt f├╝hlte ich mich wie in einen Western Film verschlungen.

Reiten so lange ich wollte, wohin ich wollte

Auf der traumhaften Ranch angekommen zog ich in mein eigenes kleines H├Ąuschen ein, das mir die M├Âglichkeit gab, mich auch mal zur├╝ckziehen zu k├Ânnen. Da die Tiere auf riesigen Fl├Ąchen weideten, mussten die Stallungen nicht t├Ąglich sauber gemacht werden. Somit lag meine t├Ągliche Aufgabe darin, meiner lieben Gastmutter beim Kochen und Beziehen der G├Ąstebetten zu helfen und einem Pferd die t├Ągliche Medizin zu geben. Ich durfte jeden Tag reiten. So viele Pferde ich wollte, so lange ich wollte, wohin ich wollte. Also ritt ich eben jeden Tag mehrere Stunden durch die endlose Pr├Ąrie von Kalifornien.
Eines Tages wollte mir meine Gastfamilie ihr ÔÇ×Haus am SeeÔÇť zeigen. Erst als ich im Auto sa├č erfuhr ich, dass dieses Ferienhaus in der Sierra Nevada liegt und somit eine 9-st├╝ndige Autofahrt vor uns stand. Es ging durch den wundersch├Ânen Yosemite National Park zu dem kleinen Ort Bridgeport und somit unserem Ziel. Ich war mal wieder total ├╝berw├Ąltigt von der wundersch├Ânen Landschaft, die vor Hunderten von Jahren von vielen Indianern beheimatet war. Wir verbrachten vier unvergessliche Tage in Bridgeport, an denen ich Einzigartiges erlebte. Ich fand mit meinem Gastvater am Seeufer eine echte Pfeilspitze aus der Indianerzeit und mir wurde die am besten erhaltene Geisterstadt der USA (Bodie) gezeigt. Bei einer Fahrt mit meiner Gastfamilie durch die endlosen Weiten begegneten wir neben frischen B├Ąrenspuren einer gro├čen Klapperschlange (=Delikatesse bei der Ranchfamilie), die mein Gastvater mittels eines Taschenmessers t├Âtete und am Abend grillte.

Auf der Ranch angekommen wartete das n├Ąchste Abenteuer auf mich: Die mehrt├Ągige Rinderarbeit stand auf dem Programm. Die bestand darin, ca. 300 K├╝he ca. 40 Meilen zu unserer Ranch zu treiben, um sie dort zu sortieren und auf Krankheiten zu ├╝berpr├╝fen. Den Tag zuvor reisten drei weitere Cowboys in meinem Alter an, die uns bei der Arbeit halfen. Also machten wir uns am fr├╝hen Morgen (4:30 Uhr) des 8.08.2016 mit zwei gef├╝llten Pferdeanh├Ąngern auf den Weg zu den Rindern. Zun├Ąchst mussten wir alle K├╝he zusammentreiben, da diese sich wild auf der gesamten Fl├Ąche verteilt hatten. Jeder Reiter hatte eine unterschiedliche Aufgabe. Es ist durchaus nicht einfach, 300 Rindern zu sagen, wo es lang geht. Wollte eines umdrehen und einen anderen Weg w├Ąhlen, so musste man so schnell wie m├Âglich nachgaloppieren und das Tier in die richtige Richtung weisen. St├Ąndige Konzentration bei Reiter und Pferd war gefragt. Nur eine kleine Mittagspause mit Sandwiches und Wasser unterbrach den 8 st├╝ndigen Ritt. Nach dem abendlichen Lagerfeuer gab es noch leckere Burger, doch dann fiel ich todm├╝de in mein Bett. Auch in den n├Ąchsten Tagen stand Rindertrieb auf dem Programm und ich empfand dieses Erlebnis als eines der sch├Ânsten in meinem Leben.

Als wir eines Tages mit den Rindern die Ranch erreichten, ging die Arbeit weiter. W├Ąhrend die Ranchfamilie die jungen K├╝he beh├Ąlt, werden die jungen Stiere zum Verkauf angeboten. Also mussten wir die jungen Rinder mit unseren Pferden von deren M├╝ttern trennen, nach m├Ąnnlich und weiblich sortieren und letztendlich z├Ąhlen. Nun war ich dort angekommen, wo die Westernreitdisziplin ÔÇ×CuttingÔÇť seinen Ursprung hat. Inzwischen sind die K├Ąufer der Rinder bereits gekommen, boten meinem Gastvater einen guten Preis und verluden die Tiere in einen gro├čen Truck. Daraufhin sollten die ├Ąlteren K├╝he auf Schwangerschaft und Krankheiten gepr├╝ft und geimpft werden. Ca. 200 Tiere wurden nacheinander in ein Metallgitter getrieben und w├Ąhrend ich eine Impfspritze verabreichen durfte, ├╝berpr├╝fte der Tierarzt nach Schwangerschaft. Als ich erz├Ąhlte, auch einmal Tiermedizin studieren zu wollen, lies mich der Tierarzt auch einige Male nach dem K├Ąlbchen im Mutterleib f├╝hlen. Es war ein wirklich aufregender Tag.

Ranchalltag, Rodeo, Countrymusik & Ausfl├╝ge

Das Abenteuer hatte aber noch lange kein Ende, denn bereits am n├Ąchsten Abend kam eine Band zu unserer Ranch, um auf einer B├╝hne mit Country Music f├╝r noch mehr Westernfeeling zu sorgen. Es wurde getanzt, gegessen und meine Gastschwester Emilee und ich beobachteten noch bis tief in die Nacht, wie zahlreiche Sternschnuppen vom Himmel fielen.

Zum Alltag z├Ąhlte noch, mit meinen Ranchteenagerfreunden im Safari-Truck durch die Pr├Ąrie zu kurven oder mit ihnen in ein amerikanisches Kino zu gehen. Au├čerdem half ich meiner Gastmutter viel in ihrem riesigen Garten.

Neben dem t├Ąglichen Ranchalltag unternahm meine Gastfamilie unheimlich viel mit mir. So zeigte mir meine Gastmutter die wundersch├Âne Stadt Santa Barbara und den Pazifik. Au├čerdem half ich Emilee beim Auszug in ein Wohnheim am neuen College und verbrachte dort mir ihr die erste Nacht.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass diese drei Wochen ein unglaubliches Erlebnis f├╝r mich waren und ich diese Schilderung noch um sehr viele Seiten erweitern k├Ânnte. Nie h├Ątte ich mir so ein einzigartiges Erlebnis erwartet und umso gl├╝cklicher bin ich dar├╝ber, diesen Schritt gewagt zu haben. Ich habe nicht nur unheimlich viel Lebenserfahrung gesammelt und meine Englischkenntnisse verbessert, sondern auch Freunde f├╝rs Leben gefunden. Ich kann nur jedem, der die M├Âglichkeit dazu hat, empfehlen, die Chance zu nutzen und sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Aber reist nicht mit bestimmten Erwartungen an und seid nicht ├╝berrascht, wenn ihr dort einer komplett anderen Welt ausgesetzt seid, denn das ist das Sch├Ânste an allem.