Austauschsch├╝lerin Janine in Irland

  1. Zu welchem Zeitpunkt hast Du die Entscheidung gefasst, einen Sch├╝leraustausch zu machen?

Im Nachhinein ist es schwer, einen konkreten Zeitpunkt zu bestimmen, an dem ich mich dazu entschieden habe, diesen Schritt zu wagen. Es begann mehr als eine Idee, mit fragilem Gedankengut, von welchem ich anfangs nie erwartet h├Ątte, dass es eventuell Realit├Ąt werden k├Ânnte. Ich war mit meiner Bewerbung eher sp├Ąt dran. Viele Bekannten von mir hatten sich bereits auf ├Ąhnliche Programme beworben und ich bewunderte dies. Als mich dann meine Englischlehrerin auf die M├Âglichkeit eines Austausches ansprach, z├Âgerte ich dennoch zuerst. Schlie├člich befanden wir uns hier immer noch am ungewissen Anfang der Pandemie. Andere Austauschprogramme meiner Klassenkamerad*innen wurden schon abgesagt und die pandemiebedingte Situation weltweit war instabil. W├╝rde eine Bewerbung dann Sinn machen? Jedoch war mir auch bewusst, dass ich nur in diesem Schuljahr einen Sch├╝leraustausch durchf├╝hren k├Ânnte, da ich mich danach auf das Abitur fokussieren m├╝sste. Zudem lies mich die Idee einfach nicht mehr los. Ich f├╝hrte viele Gespr├Ąche mit meinen Eltern, besprach die Idee mit meiner Lehrerin und entschied mich schlussendlich, eine Bewerbung einzusenden.

  1. Wie ist Deine Entscheidung auf Irland gefallen? Was reizt Dich an dem Land?

Irland hat mich schon lange interessiert. Ein Land voller Tradition, Kultur und bekannt f├╝r seine ├╝beraus gastfreundlichen Bewohner*innen? Es klingt wie ein wahrgewordener Traum. Zudem besch├Ąftige ich mich sehr h├Ąufig mit dem Thema Geschichte, weshalb Irland f├╝r mich zu einer Art Faszination geworden ist. Seien es die gr├Â├čeren Merkmale, wie die vielen Burgruinen oder die kleineren Dinge, wie die typischen Steinmauern auf dem Lande ÔÇô das Land hat einen gewissen Charme, der mich nicht mehr loslie├č.

  1. Welche Tipps hast Du f├╝r interessierte Sch├╝ler*innen, um sich auf den Austausch vorzubereiten?

Mein erster Tipp w├Ąre, sich keine Furcht einzufl├Â├čen, auch wenn dies manchmal alles andere als einfach ist. Schlie├člich handelt es sich hier um einen gro├čen Schritt und es kann leicht zu Zweifeln kommen: Was wenn meine Sprachkenntnisse nicht gut genug sind? Was wenn ich keine Freund*innen finde? Was wenn meine Gastfamilie mich nicht mag? Solche Fragen haben auch mich zuvor besch├Ąftigt, doch sind sie oft unbegr├╝ndet. Wenn man eine Vokabel nicht wei├č (oder wie z.B. bei g├Ąlischen W├Ârtern nicht aussprechen kann), dann gibt es immer die M├Âglichkeit, eine andere Formulierung zu benutzen oder um Hilfe zu fragen. Es geht nicht darum, die Sprache sofort perfekt zu sprechen, sondern es geht darum, sich unterhalten zu k├Ânnen. Die Gastfamilien sind mehr als bereit zu helfen und kennen oft viele der ├ängste, die uns Austauschsch├╝ler*innen plagen. Trotzdem solltet ihr euch schon eine gewisse Zeit im Voraus ├╝ber Gastgeschenke und ├ähnliches Gedanken machen und euch das Profil eurer Gastfamilie, sobald ihr es bekommt, durchlesen und euch mit dieser in Kontakt setzen. Dies nimmt zudem, meiner Erfahrung nach, auch oft einen Gro├čteil der Angst vor dem ersten Kennenlernen im Gastland.

  1. Was war das Highlight Deiner Austauschzeit?

Da gab es sehr viele, jedoch sticht ein Tag doch heraus: mein Geburtstag. Ich hatte, um ehrlich zu sein, wegen der Pandemie nicht viel erwartet und mich auf einen ruhigen Tag eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mehrere Monate in Irland verbracht, mich eingelebt und meine Gastfamilie liebgewonnen. Nat├╝rlich hatte ich meinen Geburtstag zwischenzeitlich erw├Ąhnt, jedoch war ich doch ├╝berrascht, als ich morgens von meiner Gastmutter zum K├╝chentisch gef├╝hrt wurde und dort mehrere Geschenke und Karten vorfand. Da sie wusste, dass ich Geb├Ąck gerne mag, lag zudem eine warme Zimtschnecke auf meinem Teller. Ich war unendlich dankbar und dies war erst der Anfang. Am Nachmittag fuhren wir in einen Ort, wo ich mir mit ihr historische Denkm├Ąler ansah und am Strand spazieren ging. Danach wurde ich abends von einem mehrg├Ąngigen Dinner mit der ganzen Familie und einem Geburtstagskuchen ├╝berrascht. Wir dekorierten, sangen Karaoke und guckten einen Film, wobei ich als Geburtstagskind die Qual der Wahl hatte. Es war einer der sch├Ânsten Geburtstage, die ich jemals gefeiert habe. Es war ein sehr surreales Erlebnis, so weit von meiner Familie entfernt zu sein und mich doch so Zuhause zu f├╝hlen.

  1. Deine Austauschzeit war durch Corona sehr besonders ÔÇô wie lautet Dein Fazit?

F├╝r mich war es definitiv trotz Corona ein atemberaubendes Erlebnis. Ich habe Freundschaften geschlossen, meine wunderbare Gastfamilie und die Kultur Irlands kennengelernt. Jedoch kann man hier nicht f├╝r jede*n sprechen. Corona war trotzdem stets pr├Ąsent und ich kenne viele, die wegen der aktuellen Pandemie ihren Austausch vorzeitig abgebrochen haben. Auch ich habe st├Ąndig S├Ątze wie: ÔÇ×Es ist schon schade, dass du xy nicht machen kannst.ÔÇť oder ÔÇ×Das haben wir mit den letzten Austauschsch├╝ler*innen gemacht, jedoch geht das leider aktuell nicht.ÔÇť geh├Ârt. Ich habe Kraft aus meinem Optimismus und kleinen Dingen gesch├Âpft. Ja, meine Austauscherfahrung war definitiv anders und Corona ist nat├╝rlich nicht pl├Âtzlich einfach verschwunden, nur weil ich in Irland war. Doch diese Krise hat mir auch noch etwas anderes gezeigt. Sie hat mir gezeigt, wie Menschen auf der Welt zusammenkommen k├Ânnen, dass Themen wie z.B. Corona nicht auf Deutschland begrenzt sind und dass Menschen trotz unterschiedlichen Sprachen und Nationalit├Ąten doch oft die gleichen Probleme und W├╝nsche haben. Wir sind alle Menschen. Gerade in dunklen Zeiten wie diesen d├╝rfen wir dies nie vergessen und mein Austausch hat mir diese Lektion f├╝r immer eingesch├Ąrft.

Frau G├Ârlitz

  1. Wie war Ihre Reaktion, als Ihre Tochter Ihnen erz├Ąhlt hat, dass Sie einen Sch├╝leraustausch machen m├Âchte? Hatten Sie Bedenken?

Janine spielte schon vorher mit dem Gedanken, an einem Sch├╝leraustausch in der EF teilzunehmen, daher war ich nicht ganz ├╝berrascht von ihrem Wunsch. Nachdem sie mir allerdings von ihren schon ganz konkreten Pl├Ąnen erz├Ąhlt hat, wusste ich sofort, wie wichtig ihr dieser Sch├╝leraustausch war. Sie hatte sich intensiv damit besch├Ąftigt, wusste genau wohin, wie lange und mit welcher Organisation sie diesen Austausch machen wollte.

Auf der einen Seite wusste ich genau, ein Sch├╝leraustausch ist, obwohl es auch Probleme geben kann, eine intensive Erfahrung, die ihr die M├Âglichkeit bietet, fremde Kulturen im Alltag kennen zu lernen, selbst├Ąndiger zu werden, in eine neue Sprache abzutauchen und bleibende Erinnerungen zu schaffen. Auf der anderen Seite hatte ich als Mutter nat├╝rlich auch Bedenken, wird sie sich in der Gastfamilie wohlf├╝hlen und wird sie dort Freund*innen finden oder f├╝hlt sie sich doch irgendwann allein in der Fremde?

Diese Bedenken hatte ich jedoch nur kurz, da mir schnell klar wurde, wie stark ihr Wille war, zum Gelingen des Austausches beizutragen. Mich haben die R├╝ckmeldungen von Eltern und ehemaligen Austauschsch├╝ler*innen beruhigt und auch, dass sie im Rahmen des Sch├╝leraustausches von einer Gastfamilie und Betreuer*innen vor Ort begleitet werden w├╝rde, an die sie sich jederzeit bei Problemen wenden k├Ânnte.

  1. Welche positiven Aspekte sehen Sie als Mutter darin, dass Ihre Tochter an einem Sch├╝leraustausch teilnimmt?

Meine Tochter ist selbst├Ąndiger und selbstsicherer geworden. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sie auch in einer fremden Kultur Kontakte kn├╝pfen kann, konnte kleinere Probleme selbst l├Âsen und sich auf ihre Gasteltern und die lokale Koordinatorin verlassen. Trotz der besonderen Situation durch die Corona-Pandemie hat sie f├╝r sich einen Weg gefunden, durch die kleinen allt├Ąglichen Dinge eine neue Kultur intensiv kennenzulernen und das Beste aus der Situation zu machen.

Daher war der Sch├╝leraustausch f├╝r sie eine durchweg positive Erfahrung, die sie in ihrem weiteren Leben f├╝r neue Aufgaben st├Ąrken wird.

  1. Welche Tipps haben Sie f├╝r Eltern, um sich auf die Zeit, in der das Kind weg ist, vorzubereiten?

Ich glaube, jede*r Jugendliche ist anders, daher ist es wichtig, vorher schon einiges anzusprechen. Der*die eine Austauschsch├╝ler*in braucht z.B. den regelm├Ą├čigen kurzen Kontakt zu den Eltern, der*die andere m├Âchte sich eher auf die Gastfamilie und die neuen Freund*innen konzentrieren und meldet sich daher weniger h├Ąufig. Vorherige Absprachen erleichtern dann zu Hause die Wartezeit auf Neuigkeiten. Die Vorbereitungsseminare f├╝r die Jugendlichen und auch die Informationsveranstaltung f├╝r die Eltern geben da viele Anregungen.

Als Eltern braucht man etwas Gelassenheit und Vertrauen in sein Kind und die Gastfamilie, da man nat├╝rlich weniger vom Alltag des Kindes erf├Ąhrt und auch weniger Einfluss nehmen kann. Best├Ąrken Sie Ihr Kind darin, den Kontakt zu und das Gespr├Ąch mit der Gastfamilie zu suchen. Auch diese ist interessiert an den Austauschsch├╝ler*innen und ihrer Kultur und hilft gerne bei Problemen und Unklarheiten, damit der Austausch f├╝r beide Seiten erfolgreich gelingt.

  1. Welche H├Âhen und Tiefen haben Sie w├Ąhrend der Austauschzeit erlebt?

Am Anfang war es schwer, nicht mehr t├Ąglich am Alltag meiner Tochter teilzunehmen und nicht zu wissen, was gerade in ihrem Leben passiert. Zu dieser Zeit habe ich auf jedes Foto, jede Zeile und jedes Telefonat gewartet, nur um zu wissen, dass sie sich wohlf├╝hlt und gut in der Familie aufgenommen wurde. Nach den ersten positiven R├╝ckmeldungen von ihr wurde ich gelassener. Ihr 16. Geburtstag war dann nochmal ein Einschnitt, an dem wir uns in der Heimat etwas ablenken mussten, bis abends ein langes Telefonat mit einer ├╝beraus gl├╝cklichen Tochter in der Ferne erfolgte. Kurz vor dem R├╝ckflug begannen dann die Gedanken um das Wiederankommen zu Hause. Kann sie sich wieder an den Alltag zu Hause gew├Âhnen, fehlen jetzt vielleicht liebgewonnene Rituale aus Irland? Die Bedenken waren grundlos, Janine war schnell wieder hier zu Hause und hat viele weitere Erlebnisse, Freundschaften und Erfahrungen mitgebracht, die ihren Horizont erweitern.