Erfahrungsberichte

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29. Februar 2016
"Weihnachten ohne Austauschstudenten ist langweilig!"

Wieder einmal liegt ein Weihnachten der Extra-Klasse hinter uns. Weihnachten ohne Austauschstudenten ist schon fast gar nicht mehr möglich. Es wäre sonst ziemlich langweilig!

Auch in diesem Jahr wohnten gleich zwei Mädchen aus China bei uns. Beide Seiten – wir als Familie und die beiden Mädchen – waren sehr nervös, als sie vom Bahnhof abgeholt wurden. Ein bisschen hatten wir uns vorher schon kennengelernt – per Whatsapp. Es ging schon eine ganze Zeit im Vorfeld zwischen uns hin und her und wir haben dann eine Gruppe eingerichtet, was vieles vereinfacht hat.

Die Deutschkenntnisse der Mädchen waren sehr gut, so hatten wir gar keine Probleme. Das Eis war auch vor Ort sehr schnell gebrochen. Wir haben gemeinsam Kekse gebacken und Weihnachtsmärkte besucht. Die Mädchen waren auf alles neugierig. Sie haben auch gerne alles probiert. Besonders gerne haben sie Mutzen mit belgischer Vollmilchschokolade gegessen.

Auch unsere vielen Haustiere waren für sie kein Problem. Die Liebe beruhte auf beiden Seiten und die Hunde und Katzen wurden verwöhnt. Nur die Pferde waren ihnen zu groß! Wir haben fast jeden Abend Gesellschaftsspiele gespielt und nur zweimal eine DVD angesehen: „3 Nüsse für Aschenbrödel“ – wie es sich in der Weihnachtszeit gehört. Der Kommentar der Mädchen: Oh, ist das romantisch! Wir kamen auch in den Genuss eines mega-leckeren chinesischen Essens und auch kleine Leckereien aus China. Wir hatten wieder einmal eine wunderschöne Zeit miteinander und auch im Nachhinein schreiben wir uns über Whatsapp.

Genauso wie wir mit unserer Oster-Studentin schon rege über Whatsapp kommunizieren. Wir freuen uns schon wieder und sind ganz gespannt, was sie dann zu erzählen hat!

Familie Horstmann aus Bad Segeberg

23. November 2015
„Er ist wie mein zweiter Sohn.“ – Zwei Wochen zu Weihnachten waren erst der Anfang

Familie Heuser berichtet von ihrer Erfahrung mit einem internationalen Studenten, der über Weihnachten ihr Gast war:

Yiyan aus China war über Weihnachten und Neujahr 2013/2014 als Gaststudent bei uns. Im März 2014 besuchte er uns wieder zum Geburtstag von meinem Sohn. Im Sommer 2014 hat er sein Studienjahr in Deutschland abgeschlossen. Seine Eltern und ein befreundetes Ehepaar mit Tochter haben ihn hier in Europa abgeholt und waren auch zwei Tage hier in Bottrop. So haben wir auch seine Eltern kennengelernt. Für Yiyan war es immer klar, seinen Master in Deutschland zu absolvieren. Nun lebt er wieder bei uns, besucht die Sprachschule auf C1 und will dann hier im Ruhrgebiet studieren. Wir sind sehr glücklich, dass er wieder bei uns ist, er ist wie mein zweiter Sohn.
Wir hoffen, dass dieser Beitrag auch andere Leute dazu inspiriert, einen Gaststudenten aufzunehmen.

2. November 2015
"Für uns als Familie war es eine Bereicherung" – Besuch aus Madagaskar in Braunschweig
Familie Wermes mit Hari-Manda auf der Sommerrodelbahn.

Familie Wermes berichtet von ihrer ersten Erfahrung als Gastfamilie:

Ende September haben wir das erste Mal für zwei Wochen eine afrikanische Deutschlehrerin bei uns empfangen. Hari-Manda kommt aus Madagaskar und betonte stets, dass sie keine Afrikanerin sei, denn Madagaskar gehöre den Madagassen nach nicht zu Afrika.

Sie wurde schnell in unsere Familie integriert. Da sie ein ähnliches Alter wie wir hatte, war das Zusammenleben recht unkompliziert. Sie war stets hilfsbereit und hat auch ohne Aufforderung im Haushalt mitgeholfen. Die Kinder haben sie schnell als „Tante“ ins Herz geschlossen. Sie wurden von ihr in den Kindergarten und zur Grundschule begleitet. Außerdem hat sie eine weiterführende Schule besucht und so den deutschen Schulunterricht kennengelernt.

Dadurch, dass sie recht gut Deutsch konnte, war die Verständigung in der Familie einfach. So erzählte sie uns Sachen aus Madagaskar, die sie mit den deutschen Verhältnissen verglich. Wir erfuhren, wie sich die Lebensweise von unserer unterscheidet. All die alltäglichen Geräte, mit denen wir in unserem Haushalt hantieren (Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Staubsauger), gibt es dort in einem Privathaushalt kaum. Der Strom wird regelmäßig zweimal am Tag abgestellt. Wäsche und Teppiche werden den Waschfrauen gegeben. Warmes Wasser aus der Leitung und Heizkörper gibt es in Madagaskar zwar auch, sie werden aber überwiegend nur in Hotels benutzt. Dort können die Madagassen auch Eis essen gehen. Neu für Hari-Manda war neben der korrekten Mülltrennung auch die Müllabfuhr. So haben die Madagassen selbst dafür zu sorgen, dass der Abfall weggebracht wird.

Die Madagassen kennen nur zwei Jahreszeiten: Sommer und die Regenzeit. Schnee kennt Hari-Manda nur aus Filmen und wollte es bei uns auch nicht kennen lernen. Der goldene Herbst, der Ende September/Anfang Oktober in Norddeutschland herrschte, war ihr schon kalt genug.

Wir lernten einige kulinarische Köstlichkeiten kennen und stellten dabei fest, dass unsere deutsche Küche nicht all die vielen Gewürze bereithält, wie sie in Madagaskar benutzt werden.

Gemeinsam machten wir Ausflüge in die nähere Umgebung. So waren wir u.a. im Harz und fuhren mit der Seilbahn und Sommerrodelbahn.
Für uns als Familie war es eine Bereicherung, Hari-Manda zu Besuch zu haben. So konnten wir, und insbesondere die Kinder, einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis kennen und schätzen lernen.

25. September 2015
Zwei Wochen Besuch von einem syrischen Studenten
Familie Hühne holte ihren Gast Abdul am Bahnhof ab.

Familie Hühne berichtet von ihrer Zeit mit Abdul aus Syrien:

Wir hatten in den letzten zwei Wochen Abdul, zu Besuch, einen 26-jährigen syrischen Studenten aus Damaskus, der jetzt in Stuttgart studiert. Diese Wochen haben uns bestätigt, dass man als Gastfamilie viel gewinnen kann, wenn man sein Haus öffnet.

Abdul kommt aus einer eher traditionellen muslimischen Familie und hat uns sehr viel über seine Kultur und sein Land erzählt. Die Abende auf der Terrasse fühlten sich an wie Urlaub, obwohl wir tagsüber arbeiten mussten. Es war interessant, von Syrien zu hören, ohne dass der Krieg immer im Vordergrund stand. Wir lernten auch das Land vor den Krieg kennen und können nun umso mehr nachvollziehen, was durch den Krieg kaputt geht und wie schwer es den Flüchtlingen fallen muss, dieses schöne Land und ihre Familien zu verlassen.

Abdul hat Glück gehabt, dass er als Flüchtling anerkannt wurde und auch Bafög erhält, allerdings ist es für ihn sehr schwierig, Deutsch zu lernen, da die Uni in Stuttgart keine vertiefenden Kurse anbietet und die Angebote der Volkshochschule für ihn sehr teuer sind. Er ist unser erster ausländische Gast, der besser spricht als er schreibt, aber die deutsche Grammatik lässt sich aus unserer Sicht nicht nur über das Sprechen erlernen, insbesondere wenn man aus einem Sprachbereich kommt, der einen ganz anderen Aufbau hat. Wenn Sie uns hier eventuell einen Tipp geben könnten, an wen sich Abdul wenden könnte, würden wir uns sehr freuen. Er muss wahrscheinlich noch länger in Deutschland bleiben, und um hier eine Arbeit zu finden, sind gute Deutschkenntnisse für ihn so wichtig.

Außer den Erzählungen und Bildern aus Syrien haben wir auch die syrische Küche kennen gelernt. Abdul hat drei Mal für uns gekocht. Die Küche ist in Syrien nicht unbedingt der Aufenthaltsort für Männer , aber hat er seine Sache sehr gut gemacht und wir werden einige Gerichte in unseren Speiseplan übernehmen.

So kann sich innerhalb von kurzer Zeit ein besseres Verständnis für eine andere Kultur entwickeln und eine intensive Beziehung entstehen, insbesondere, wenn man einen so aufgeschlossenen und mitteilsamen Gast hat, wie wir in diesem Jahr.

23. Juli 2015
Das ist Lorna - ein Wiedersehen
Mechthild Rausch mit Lorna Okoko im Juli 2015.

Im August 2007 kam Lorna Okoko aus Nairobi / Kenia im Rahmen in unsere Familie. Sie nahm damals an einer Fortbildung des Goethe-Instituts in München teil und verbrachte 2 Wochen, vermittelt von Experiment e.V., in unserer Familie. Dies war für uns alle eine besondere, eine bereichernde Zeit.

In Nairobi arbeitete Lorna zur damaligen Zeit an der Technischen Hochschule in Nairobi , wo sie Deutsch unterrichtete.

Seit ihrem Besuch bei uns stehen wir mit Lorna in engem Kontakt.

Dieses Jahr nun kam Lorna wieder zu uns.

Seit 2007 hatte sich in ihrem Leben sehr viel verändert und weiter entwickelt.
Weil dies so spannend ist, möchten wir durch diesen Artikel alle daran teilhaben lassen.

Und blicken zunächst einmal zurück auf die Schulzeit von Lorna.
Lorna hatte 1990 als 16-jährige Schülerin an einem Wettbewerb des pädagogischen Austauschdienstes (PAD) teilgenommen. Sie gewann den 1. Preis, nämlich einen 4-wöchigen Aufenthalt in Deutschland. Sie kam nach Berlin, nach München und nach Mönchengladbach. Dort nahm sie an einem 14-tägigen Familienaufenthalt teil.

Dieser Aufenthalt weckte ihr Interesse an der deutschen Sprache und an dem fremden Land, das sie 4 Wochen kenngelernt hatte.
Sie entschloss sich, nach dem Abitur im Jahr 1992 als Au-Pair nach Deutschland zu gehen. Ihre Deutschlehrerin hatte sie zu diesem Aufenthalt motiviert.
Lorna organisierte diesen Aufenthalt selbst. Sie war 1 Jahr bei einer Familie in St. Augustin bei Bonn. Bis auf den heutigen Tag steht sie mit dieser Familie in freundschaftlichem Kontakt.

Lorna erwarb beim Goethe-Institut in Nairobi und in Deutschland das aus 2 Teilen bestehende Deutschlehrerdiplom.
2009 nahm sie an einem Seminar des DAAD teil, das sich mit der Fortbildung von Deutschdozenten in den Ländern der Südsahara befasste.

Schon während ihres Studiums 2007 und der Tätigkeit beim Goethe-Institut entschloss sie sich zu promovieren. Sie wollte sich um ein Stipendium beim DAAD bewerben. Jedoch hatte sie die in den Vergaberichtlinien festgesetzte Altersgrenze schon überschritten.

Sie gab aber nicht auf. Vielmehr fand sie heraus, dass die Universität in Stellenbosch / Südafrika ein Stipendium im Rahmen eines Projekts der African Doctoral Academy vergab. Die Universität Stellenbosch gilt als world-class-university für das Studium in vielen Forschungsbereichen.
Lorna bewarb sich um dieses Stipendium und war überglücklich, es zu erhalten.
Sie zog von Nairobi nach Stellenbosch und lebte dort für 3 Jahre.

Das Thema ihrer Promotionsarbeit lautete:
Interkulturalität und das Afrikabild in der zeitgenössischen Jugendliteratur.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Afrika und die Afrikaner in der deutschsprachigen Jugendliteratur der Gegenwart dargestellt werden. In den Primärtexten wird der Umgang mit tradierten Bildern des Anderen untersucht und festgestellt, dass die Literatur dabei eine wesentliche Rolle bei der Dekonstruktion von alten Bildern und bei der Entideologisierung zu spielen hat. Laut der Studie befindet sich die Wahrnehmung und Repräsentation Afrikas im Wandel; einerseits werden alte stereotype Bilder, wenn auch unterschwellig, ,fortgeschrieben; andererseits ist eine positive Entwicklung zur realitätsnahen Darstellung Afrikas zu vermerken. In der heutigen globalisierten Welt ist die Frage der Darstellung Anderer nicht unwichtig, denn „durch die realistische Repräsentation fremder Kulturen, durch die Darstellung ihrer Andersartigkeit als positiv zu wertenden Ausdruck menschlicher Vielfalt, können sich Kinder und Jugendliche mit dem Fremden auseinandersetzen und dadurch lernen, mit anderen zu leben“ (Okoko 2014:3).

Nach anstrengenden Jahren in Stellenbosch, weit weg von ihrer großen Familie – Lorna hat 4 Kinder – graduierte sie mit viel Erfolg im Dezember 2014.
Das war für Lorna ein Höhepunkt in ihrem Leben.

Seit ihrer Rückkehr nach Nairobi ist sie Dozentin an der dortigen Kenyatta-Universität sowie zusätzlich als Honorarkraft am Goethe-Institut tätig.

Lorna hat im Laufe ihres Lebens sehr viel von Deutschland gesehen und erlebt, wobei Experiment e.V. dazu einen großen Beitrag geleistet hat. Lorna kennt bis ins Detail unsere Geschichte, unsere Sitten und Gebräuche und spricht unsere Sprache wie eine Einheimische, ohne jeglichen Akzent.
Sie vermittelt mit großem Elan die deutsche Sprache an der Uni und am Goethe-Institut und trägt auf diese Weise zur interkulturellen Verständigung zwischen Kenia und Deutschland in besonderer Weise bei.

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