Mit großer Trauer und tiefem Bedauern nehmen wir Abschied von unserem Ehrenmitglied Gisbert Matthias, der am 1. September 2026 von uns gegangen ist.

Gisbert Matthias war ein „Experimenter at heart“. Mehr als sechs Jahrzehnte lang war er unserem Verein eng verbunden und hat Experiment mit seinem Engagement, seiner Zeit, seiner Gastfreundschaft und vor allem mit seiner Überzeugung geprägt, dass Begegnung Menschen und Gesellschaft verändern kann.

Am 1. Juni 1965 trat Gisbert dem Verein bei. Seit den 1960er-Jahren war er auf vielfältige Weise für Experiment aktiv, seit den 1990er-Jahren auch im Vorstand und von 2000 bis 2001 als Vorsitzender von Experiment. 2014 wurde er dann zum Ehrenmitglied ernannt. Gemeinsam mit seiner Frau Pauline nahm er an zahlreichen Programmen teil und öffnete immer wieder sein Zuhause für junge Menschen aus aller Welt. Gisbert war Gastfamilie, Betreuer und Ansprechpartner für viele weitere Gastfamilien. Er fand neue Familien, begleitete sie während der Austauschzeit und war für viele Menschen über Jahre ein verlässlicher Ansprechpartner.

Wie lange und nachhaltig sein Engagement wirkte, zeigt eine Geschichte aus dem Jahr 1972: Damals betreute Gisbert die Familie von Uwe Meier, der zu dieser Zeit 18 Jahre alt war. Über Weihnachten war ein Forstwissenschaftsstudent aus Ecuador mit dem FAS-Programm für zwei Wochen in Preußisch Oldendorf zu Gast. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine langjährige Freundschaft zwischen Uwe und Vladi Quirola aus Ecuador.

Die damalige Geschäftsstelle von Experiment befand sich in Lübbecke, nur etwa fünf Kilometer von Gisberts Wohnung entfernt. Die Nähe zur Geschäftsstelle war sicherlich praktisch. Vor allem aber war Gisbert ganz einfach da, wenn er gebraucht wurde.

Durch seinen Einsatz konnten über viele Jahre zahlreiche internationale Gäste bei Familien in der Region aufgenommen werden. Während der Aufenthalte gehörten auch die Gastfamilientreffen bei Gisbert und Pauline zu Hause fest dazu. Es waren Begegnungen, auf die sich viele jedes Mal aufs Neue freuten. Ihr Zuhause wurde zu einem Ort des Austauschs, der Gemeinschaft und der Freundschaft.

Als Gisbert und Pauline irgendwann darum baten, ihre Tätigkeit als regionale Betreuer abgeben zu dürfen, hat das Ehepaar Uwe und Martina Meier (Uwe war der 18-jährige im Jahr 1972, dessen Familie von Gisbert betreut wurde) übernommen. Denn genau das entsprach Gisberts Haltung: Verantwortung übernehmen und nicht einfach aufhören, nur weil etwas offiziell zu Ende ist, sondern dafür sorgen, dass es weitergehen kann – auch ohne ihn.

Bei der Suche nach neuen Gastfamilien hatte Gisbert ein Motto, das bis heute in Erinnerung geblieben ist:

„Platz hat man nicht – Platz schafft man.“

Diesen Satz haben auch seine Nachfolger bei der Gastfamiliensuche oft und erfolgreich verwendet. Er beschreibt aber auch sehr gut Gisberts eigene Haltung: Gastfreundschaft entsteht nicht erst dann, wenn alles perfekt passt. Sie entsteht, wenn Menschen bereit sind, Raum zu schaffen – in ihrem Zuhause und in ihrem Leben.

Gisbert hat diesen Raum über viele Jahrzehnte geschaffen. Für junge Menschen aus aller Welt, für Gastfamilien, für Ehrenamtliche und für Experiment.

Wir verlieren mit ihm einen Menschen, der unseren Verein über Generationen hinweg begleitet und mitgestaltet hat. Einen Menschen, der nicht nur von internationalem Austausch gesprochen, sondern ihn gelebt hat. Und einen Menschen, dessen Engagement in den vielen Beziehungen und Freundschaften weiterwirken wird, die durch ihn entstanden sind.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Pauline, seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.

Wir werden Gisbert sehr vermissen und ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.