F├╝r mich ging es knapp 3 Monate als Teaching Assistant nach England. In dieser Zeit habe ich viele neue Erfahrungen gemacht und tolle Leute kennengelernt.

Anfangs war ich schon etwas nerv├Âs, f├╝r 10 Wochen bei einer Gastfamilie wohnen und an einer Schule als Teaching Assistant arbeiten ÔÇô ob mich die Gastmutter mag, ob ich mit den Kolleg*innen gut auskomme, ob ich mich in der Stadt und an der Schule zurechtfinde ÔÇô viele Fragen gingen mir durch den Kopf.

Aber all die Sorgen waren am Ende unbegr├╝ndet. Meine Zeit in Torbay war wundervoll. Ich war an der S├╝dk├╝ste, der so genannten English Riviera, der w├Ąrmsten Region Englands, wie man mir oft stolz mitteilte. Tats├Ąchlich war es die meiste Zeit warm, was eher untypisch f├╝r diese Zeit des Jahres ist.

Schon im Mai und Juni war es sehr sonnig und es regnete kaum.

Ich kam mit dem Flugzeug zun├Ąchst in London an, von dort aus ging es weiter nach Paignton mit einem National Express Bus. Von der Bushaltestelle holte mich meine Gastmutter Louise ab und sie hatte als Welcome sogar Traditional Sunday Roast gekocht, obwohl es ein Samstag war.

├ťber die gesamte Zeit hinweg hat Louise mich mit ihren Kochk├╝nsten verw├Âhnt, fast immer war alles sehr frisch und ausgewogen und vor allem lecker! Da soll nochmal jemand sagen, die Brit*innen k├Ânnten nicht kochen.

Nat├╝rlich gab es auch ab und an etwas Schnelles und auch mal Fertigpizza, ebenso die typischen baked beans waren oft vertreten, aber im Gro├čen und Ganzen war es total abwechslungsreich ├╝ber die vielen Wochen hinweg.

Was ich dann gleich feststellte und mich im ersten Moment verwundert hatte, war, dass alle Gesch├Ąfte auch sonntags ganz normal ge├Âffnet sind, nur einzelne L├Ąden haben geschlossen sowie B├╝ros und Schulen.

Insgesamt haben die Gesch├Ąfte aber nicht t├Ąglich so lange ge├Âffnet wie man es mancherorts in Deutschland gewohnt ist. Au├čer einzelnen Superm├Ąrkten schlie├čen die meisten L├Ąden um 16 bis 17 Uhr.

Dekorationsgrafik: Teaching Assistant mit Zertifikat Das Praktikum

Am Montag nach meiner Ankunft fand zun├Ąchst ein Welcome Meeting in Torquay bei der Partnerorganisation TTPL statt.

Dort wurden die neu angekommenen Teaching Assistants begr├╝├čt und es wurde ganz locker und mit Humor auch auf einige Stereotypen der Engl├Ąnder hingewiesen.

Unter anderem wurde auch erkl├Ąrt, wie wir uns an unserer Praktikumsstelle kleiden sollten. Was f├╝r mich bedeutete: business casual, keine Jeans, keine Turnschuhe, da dies an den Schulen nicht gern gesehen ist.

Zum ersten Arbeitstag wurde ich auch von einer Mitarbeiterin von TTPL abgeholt und an die Arbeitsstelle gefahren und kurz angemeldet. Ich durfte in meiner Praktikumszeit an der White Rock Primary School als Teaching Assistant bei vielem helfen und auch selbst unterrichten.

Ich arbeitete in meiner T├Ątigkeit als Teaching Assistant unter anderem mit Gruppen lernschwacher Sch├╝ler*innen zusammen, mit zwei autistischen Jungen mit unterschiedlichen Bed├╝rfnissen und Lerngeschwindigkeiten, mit einem M├Ądchen mit besonderer Lernbehinderung sowie einem polnischen Jungen, welcher erst seit einigen Monaten Englisch lernte.

Wir ├╝bten vor allem schreiben, lesen, rechnen und zweimal die Woche hielt ich Deutschunterricht. Anfangs war das gar nicht so leicht, vor allem die kompletten Stunden selbst zu planen und nicht nur die helfende Hand zu sein war eine Herausforderung.

Doch es ist mir nach einiger Zeit und ├ťbung immer besser gelungen und es machte den Kindern viel mehr Spa├č als ich anfangs erwartet h├Ątte. Das war auch an meiner Zeit als Teaching Assistant auch das einzige ÔÇ×ProblemÔÇť, wenn man es so nennen kann.

Denn mit zunehmender Begeisterung wurde es auch schwieriger, die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler ruhig zu halten, da sie so viele Fragen hatten und dies oft einfach den zeitlichen Rahmen sprengte.

Mit mir war zudem immer die Klassenlehrerin sowie zwei weitere Lernhelferinnen in der Klasse (in welcher haupts├Ąchlich eingesetzt war), was bei 32 Sch├╝lern und einigen besonderen Lerner*innen eine sehr gro├če Erleichterung war. Das w├╝rde ich mir auch in deutschen Klassen w├╝nschen.

Allerdings war dies auch nicht in jeder Klasse der Fall, die Parallelklasse mit dem polnischen Jungen hatte nur eine Klassenlehrerin und war daher oft froh, wenn noch eine Unterst├╝tzung eines Teaching Assistant (wie z.B. mir) oder einer anderen Lehrkraft hinzukam, um eben besser differenzieren zu k├Ânnen und auch in aufgeteilten Gruppen arbeiten zu k├Ânnen.

In einigen Schulwochen standen besondere Aktivit├Ąten auf dem Plan, bei denen ich auch teilnehmen durfte und als Betreuerin fest miteingeplant wurde. Jeden Donnerstag f├╝r vier Wochen wurde zum Beispiel eine besondere sportliche Aktivit├Ąt angeboten, Kajak fahren, Paddle Boarding oder Klettern.

Das war f├╝r die Sch├╝ler*innen ÔÇô aber auch f├╝r mich ÔÇô sehr aufregend. Zudem gab es ein Sportfest, einen Talentwettbewerb und verschiedene andere Veranstaltungen an der Schule. Auch bei Tests wie dem PUMA Test durfte ich ├╝ber die Schulter blicken und fand es sehr interessant im Vergleich zu unseren Abschlusspr├╝fungen oder auch anderen Tests wie das Ganze abl├Ąuft.

Die Sch├╝ler*innen gew├Âhnten sich mit der Zeit an mich und manchmal verga├čen sie, dass ich keine Muttersprachlerin bin und murmelten etwas zu schnell und selbstverst├Ąndlich, sodass ich oft zweimal nachfragen musste. Sie lernten etwas Deutsch von mir, doch ich lernte so viel mehr von ihnen.

Der Zusammenhalt in der Klasse, in der ich am h├Ąufigsten war, war ├╝berw├Ąltigend und ich fand es immer wieder sch├Ân zu sehen, wie die Kinder einander anfeuerten, gerade die Kinder mit sonderp├Ądagogischem F├Ârderbedarf wurden wunderbar integriert und von den anderen unterst├╝tzt.

Auch beim Schulsport wurde darauf geachtet, dass die etwas unsportlicheren Kinder nicht an Motivation verloren. Auch das Kollegium war super, sie nahmen mich so gut auf und es war jeden Tag eine Freude in die Schule zu gehen, um die Kinder und die Kolleginnen und Kollegen wieder zu treffen. Insgesamt muss ich sagen: Die Zeit verging leider viel zu schnell!

F├╝r’s Leben gelernt

Die Partnerorganisation TTPL organisierte jede Woche verschiedene Aktivit├Ąten, um mit den anderen Teaching Assistants in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen.

Es gab zudem jeden Dienstagabend einen social evening in einem Pub, bei dem auch immer jemand von TTPL anwesend war, um zu sehen, ob es einem am Praktikumsplatz und in der Gastfamilie gut geht.

Jeden Donnerstagnachmittag war zudem ein Ausflug, wobei sie auch f├╝r neue Anregungen, Tipps sowie Fragen von Seiten der Praktikant*innen offen und dankbar waren.

Meine Highlights waren der Paignton Zoo, Living Coasts, KentÔÇÖs Cavern, Kino, Cream Tea genie├čen und eine Schatzsuche im Team durch Torquay, welche unser Team gewonnen hatte.

Was auch noch ein Vorteil an der Region Torbay war, dass bei dem zugegeben nicht besonders g├╝nstigen Bustickets, die meisten St├Ądte und Orte in der Umgebung anfahrbar waren, was ich an den Wochenenden reichlich ausnutzte.

In meiner Zeit, die ich in England als Teaching Assistant verbringen durfte, habe ich nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessert, sondern auch kulturell und f├╝r meinen sp├Ąteren Beruf viel dazugelernt.

Au├čerdem konnte ich noch andere Nationalit├Ąten kennenlernen. Ich habe so viele neue, sch├Âne und lehrreiche Erfahrungen gesammelt und kann es jedem nur empfehlen, sei es um die Sprachkenntnisse zu verbessern, eine neue Kultur oder auch sich selbst besser kennenzulernen.

Romina