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Fairtrade Projekt in Luxemburg

Von Abiturienten zu Fairtrade Konsumenten

Wie alles begann

Das Abi lag kurz vor uns und den ständigen Fragen, was wir denn nach der Schule machen wollen, konnten wir einfach nicht entfliehen. Dank Experiment hatten wir die Möglichkeit, uns über verschiedene Projekte zu informieren und uns auf die Projekte zu bewerben, die uns zusagten. Ein Projekt, welches uns besonders ansprach, war der Freiwilligendienst bei der Nicht-Regierungs-Organisation Fairtrade, welche sich für gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, unter anderem dem Verbot von Kinderarbeit für Produzenten im Globalen Süden einsetzt. Das Projekt sollte in Luxemburg stattfinden, ein Land, über das wir alle noch nicht viel gehört hatten.

Über ein Jahr ist es jetzt her, dass wir unsere Bewerbung für eine Stelle bei Fairtrade nach Luxemburg geschickt haben. Als wir erfuhren, dass wir tatsächlich angenommen wurden, war das Ganze zunächst noch sehr surreal, doch am 15. September war es dann soweit. Mit vollgepackten Koffern und ohne genaue Vorstellung, was uns in den nächsten 11 Monaten erwarten würde, machten wir uns auf den Weg. Wir wurden herzlich begrüsst und bekamen schon in den ersten Tagen so viele verschiedene Eindrücke von Luxemburgs gleichnamiger Hauptstadt, sowie der Arbeit, dass das Ganze schon fast ein wenig überwältigend war. Doch unsere Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch unsere Mentorin halfen uns, uns zurechtzufinden, sodass wir uns schnell einlebten und bald richtig loslegen konnten. Auch wir Freiwilligen lernten uns nach und nach immer besser kennen und die beginnende Freundschaft erleichterte uns den Start unseres gemeinsamen Abenteuers.

Wie es bei Fairtrade weiterging

Wir lebten uns immer mehr an unseren Arbeitsplätzen ein und bekamen dann auch laufend verantwortungsvollere Aufgaben zugeteilt. Unsere Arbeit war sehr vielfältig. Zwei von uns arbeiteten im Bildungsbereich, eine besonders im Kommunikationsbereich. Im Bildungsbereich bestand ein großer Teil der Arbeit darin, zu verschiedenen im Land verteilten Schulen zu reisen und mit den Schülern Workshops über den fairen Handel durchzuführen. Dabei versuchten wir ihnen auf spielerische Art und Weise nahe zu bringen, warum Fairness eine größere Rolle auf der Welt spielen sollte. Zunächst konnten wir uns die Workshops aus sicherer Entfernung bei unserer Kollegin anschauen und herumprobieren, bis wir uns schließlich wohlfühlten und den Grundschulbereich komplett alleine übernehmen durften. Im Kommunikationsbereich wurde uns auch immer mehr Verantwortung übergeben, mit Aufgaben wie der Organisation des Materials, sowie dessen Verleih, der aktiven Gestaltung des Social Media Bereichs, Übersetzungen für die Internetseite und auch unsere kreativen und handwerklichen Fähigkeiten konnten wir in eigene kleinen Projekte, sowie beispielsweise der Gestaltung von Informationswänden oder dem Schokoladenei „Fairbert“ ausleben. Zudem wurden wir in die Kampagnen, wie zum Beispiel die „Fair Fashion Days“, eine Bananen Kampagne und unzählige weitere Events eingebunden.

Freiwillige allein in Betzdorf

Dank der Arbeit hatten wir die Möglichkeit viele verschiedene Orte des Landes kennenzulernen, doch auch in unserer Freizeit hatten wir viele Möglichkeiten ein wenig herumzureisen, was ein guter Gegensatz zu Betzdorf war- ein winziges Dorf inmitten von vielen weiteren winzigen Dörfern umgeben von Kühen und sonst eigentlich nichts. Da lebten wir. Dort konnte einem am Anfang schon ein etwas einsames und abgeschottenes Gefühl überkommen, doch schnell entdeckten wir, dass der kleine Bahnhof des Dorfes das Tor zur Welt ist und hatten so die Möglichkeit innerhalb von einer halben Stunde nach Luxemburg, der Hauptstadt des Landes zu gelangen, von wo aus man jedes Ziel innerhalb des Landes, aber auch ganz einfach andere Länder und Städte erreichen konnte. Diese Möglichkeit nutzten wir natürlich und machten Ausflüge nach Belgien oder Frankreich, die uns noch einmal mehr unsere europäischen Freiheiten schätzen und keine Langeweile aufkommen ließen.

Erwähnenswert ist auch unser WG-Leben, das wir mit drei weiteren EVS-Freiwilligen teilen konnten, welche in einem anderen Projekt arbeiteten. Es belebte unseren Alltag und gab uns noch einmal mehr die Möglichkeit, über uns hinaus zu wachsen.

Wie alles endete und gleichzeitig begann

Gemeinsam überwältigten wir kleine Krisen, erlebten unzählige schöne Momente und unterstützten uns gegenseitig in den Zeiten dazwischen. Wir sind uns alle Drei einig, dass wir in den 11 Monaten nicht nur viel Neues dazu gelernt haben, sondern auch persönlich über uns hinausgewachsen sind. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese einzigartige Möglichkeit hatten, in diesem einen Jahr so viele spannende und prägende Erfahrungen machen zu können.

Franzi & Lena