Japan und mein Leben danach

はじめまして。カタリナ・カウフマンと申します。ドイツから来ました。どうぞよろしくお願います。

Hallo, Ich heiße Katharina und komme aus Deutschland. Freut mich dich/Sie/Euch kenne zu lernen!

Mal länger oder mal kürzer, diese kleine Rede habe ich so oder in ähnlicher Form seit meinem ersten Besuch in Japan gefühlt mehrere hundert Mal gegeben. Im Sommer 2009 bin ich für 11 Monate mit Experiment e. V. zum ersten Mal ins Land der aufgehenden Sonne geflogen, um dort ein (knappes) Jahr an einer ganz normalen staatlichen japanischen Oberschule zu verbringen und zwar mittendrin in der Hauptstadt Tokio. Dieses Jahr war gefüllt mit Schwierigkeiten, Überraschungen, neuen Erlebnissen, sehr viel Spaß und vor allem neuen Bekanntschaften und Erfahrungen. Zu sagen, dass alles reibungslos verlief wäre eine Lüge und doch zähle ich diese Zeit zur besten meines (bisherigen) Lebens.

Kommunikation ist das Wichtigste

Neben kulturellen Fettnäpfchen (es ist erstaunlich wie viel man alleine mit Essstäbchen falsch machen kann) oder sozialen Missverständnissen, war eine der größten Hürden natürlich die Sprache. Mal von den ganzen Schriftzeichen abgesehen, bei denen ich 10 Jahre später immer noch dabei bin sie zu lernen oder eher gesagt, mich bemühe, sie nicht wieder zu vergessen, hat es durchaus einige Monate gedauert bis ich die Gespräche um mich herum verstanden habe und dann noch einmal ein oder zwei Monate mehr, um auch auf Fragen antworten oder einfach mal selber meinen Senf in einem Gespräch dazugeben zu können. Unerlässlich dabei waren meine Freunde in der Schule, sowohl in der Klasse als auch im Nachmittagsclub, und meine Gastfamilie(n). Durch die vielen Gespräche, egal ob kurz oder lang mit Wörterbuch oder ohne, konnte ich erst wirklich die Sprache lernen und die in dieser Zeit geformten Freundschaften halten auch jetzt fast 10 Jahre später noch an. Eine weitere Erkenntnis in dieser Zeit war, dass Probleme auch auf unkoventionellen Wegen gelöst werden können und dass man nicht einfach zu irgendwelchen Schlüssen kommen sollte, sondern Kommunikation ein wichtiger Faktor ist. Manchmal ist dies natürlich sehr anstrengend, da man länger braucht als in der eigenen Muttersprache um bestimmte Sachverhalte zu verstehen.

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Universitätsabschlussfeier Keio

Mein Fazit

Insgesamt hat das Austauschjahr nach Japan und all die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, ein großes Interesse für Sprachen und was man alles mit ihnen ausdrücken kann, geweckt, sodass ich nach meinem Austauschjahr und dem Abitur beschloss Linguistik, allgemeine Sprachwissenschaft, zu studieren. Einen Fokus auf Japan oder Asien hatte ich in dieser Zeit nicht. Erst im Master hatte auch mein Studium einen Bezug zu Japan. Der Doppelmaster Deutsch-Japanisch Interkulturelle Studien der Universität Halle und der Keio Universität in Tokio führte mich erneut für 14 Monate von 2016 bis 2017 nach Japan und ich konnte sogar wieder in meiner alten Gastfamilie unterkommen. Das Leben an der Universität war grundsätzlich anders als das an der Oberschule, aber dennoch höchst interessant. Meine Masterarbeit habe ich in beiden Sprachen (Deutsch und Japanisch) verfasst und so auch von beiden Universitäten einen Abschluss erhalten. Und nun bin ich wieder recht unerwartet ein drittes Mal für längere Zeit in Japan gelandet. Im Zuge des JET Programms werde ich die nächsten zwei vielleicht auch mehr Jahre in der schönen Touristenstadt Inuyama verbringen, den Leuten hier im Rathaus mit aller Kraft zur Seite stehen und den Bürgern hier ein bisschen die deutsche Kultur näher bringen.

Meine Entscheidung damals ein Jahr in Japan zu verbringen hat mir viele Möglichkeiten in meinem Leben eröffnet, welche ich ohne diese Erfahrung vielleicht nie erhalten hätte. Auch wenn es nicht immer einfach war, die Menschen, denen ich sowohl während meines Austauschjahres als auch in den Zeiten danach begegnet bin, sind lebenslange Freunde geworden, meine Gastfamilie ist meine japanische Familie geworden und das Land meine zweite Heimat.