Ein halbes Jahr Valencia – Mein Freiwilligendienst in Spanien

Spanien, das ist ein Land, was viele Deutsche vor allem aus dem Urlaub kennen. Nette, offene Menschen und natürlich das gute Wetter mit milden Wintern. Das sagt man in der Regel über Spanien. Ich wollte nach meinem Abitur die Zeit nutzen um Spanien nicht einfach nur zu besuchen, sondern auch in diesem Land zu leben und zu arbeiten. Daher entschied ich mich sechs Monate in Valencia zu verbringen und einen Freiwilligendienst zu absolvieren.

Ich selber war tatsächlich erst einmal vor meinem Freiwilligendienst in Spanien, in Alicante, was zufälligerweise recht nah an Valencia liegt. Als ich also in den Flieger nach Valencia stieg, war das erst mein zweiter Besuch des Landes und dieser sollte nicht nur eine Woche, sondern gleich ein halbes Jahr dauern. Im Voraus habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht, wie ich wohl in Valencia zurechtkommen werde. Meine größte Sorge war die Kommunikation, da ich zu Beginn nur ein paar Grundkenntnisse aus der Schule in der Sprache hatte. Es stellte sich jedoch schon bereits recht früh heraus, dass man auch wenn man kaum Spanisch spricht immer irgendwie zurechtkommt.

In Valencia habe ich mit drei anderen Studenten in einer WG gelebt, die mich sehr freundlich und nett aufgenommen haben und mir das Einleben in dieser unbekannten Stadt erleichtert haben. Besonders gut kam ich mit Gustavo aus Kolumbien zurecht, der mich zu vielen Veranstaltungen mitgenommen hat und sehr neugierig mich über das Leben in Deutschland ausgefragt hat. Damit war er nicht nur ein guter Freund, sondern auch ein hervorragender Partner um mein Spanisch zu üben. Denn im ersten Monat hatte ich einen Spanisch Intensivkurs bei der Partnersprachschule von Experiment e.V „EuroAce“. Auch wenn vier Stunden Spanisch am Tag manchmal meinen Kopf zum Rauchen gebracht haben, bin ich immer gerne zum Unterricht gegangen, da mein Lehrer Álvaro immer gut gelaunt und motiviert mit uns in kleinen Gruppen gesprochen hat, sodass die Lernkurve sehr steil war und schon nach Kurzem erste Erfolge zu verbuchen waren. Über die Sprachschule habe ich außerdem viele soziale Kontakte geknüpft und auch an vielen Veranstaltungen teilgenommen. Ganz besonders gefallen hat mir das wöchentlich stattfindende Yoga auf der Dachterrasse der Sprachschule.

Nach dem ersten Monat habe ich dann angefangen im Kindergarten „Superfriends“ zu arbeiten. Ich muss zugeben, dass ich am ersten Arbeitstag etwas überfordert war mit den vielen Eindrücken und den Kindern, jedoch konnte ich mich schnell in die Arbeitswelt des Kindergartens einfinden. Unterstützt haben mich dabei meine Kollegen Álex und Ainara, mit denen ich die dreijährigen im Kindergarten betreut habe. Der Kindergarten hat ein zweisprachiges Erziehungskonzept verfolgt, wo die Kinder von Anfang an Englisch lernen. Das wird erreicht durch einen komplett englischsprachigen Alltag im Kindergarten. Außerdem hat Ainara (und später auch ich) mit den Kindern eine Stunde am Tag Deutsch gesprochen. Das hört sich extrem fordernd an, ist es jedoch gar nicht, da das Lernen sehr spielerisch verpackt ist und in keinem Moment so etwas wie Schulatmosphäre aufkam. Zudem ist es erstaunlich wie schnell kleine Kinder Dinge lernen können. Die Kinder haben schnell Vertrauen zu mir aufgebaut und haben gerne mit mir fangen gespielt oder mit mir gerauft. Trotz all dem Spaß gab es aber auch Momente, wo ich extrem gestresst war, beispielsweise wenn die Kinder den ganzen Tag lang sehr aufgedreht waren. Manchmal bin ich dann nach dem Feierabend nach Hause gegangen und habe den ganzen Abend erst mal nichts mehr gemacht. Das hat mir gezeigt, wie anspruchsvoll die Arbeit von Erziehern und Erzieherinnen im Kindergarten ist.

Nach der Arbeit und an den Wochenenden habe ich die Zeit genutzt um mir Valencia und die Umgebung besser anzuschauen. Besonders schön waren dabei die günstigen Bustouren am Wochenende vom „Valencian Language Exchange“. Auf diesen Bustouren hat man viele Gleichgesinnte getroffen, die auch aus dem Ausland kommen und noch neu in der Stadt sind, aber auch viele Einheimische, die mit den Ausländern ihr Englisch, Deutsch, Italienisch, etc..., üben wollten. Über diese Ausflüge habe ich ebenfalls viele neue und interessante Menschen kennengelernt. Wobei man aber auch anmerken muss, dass es wesentlich leichter ist „unter sich“ zu bleiben. Das heißt, dass es wesentlich leichter ist Freunde zu finden, die ebenfalls aus dem Ausland kommen und mit denen man sich auf Englisch verständigen kann. Das führte dazu, dass ich am Ende meines Aufenthaltes nur zwei spanische Freunde hatte, aber mehrere niederländische, belgische und englische Freunde. Das ist an sich zwar nichts Schlimmes, zeigt aber, dass einfach mehr Zeit und Sprachkenntnisse braucht um in einem Land richtig „anzukommen“.

Nach den ersten drei Monaten kam dann Weihnachten und Silvester. In dieser Zeit hatte der Kindergarten geschlossen und ich hatte frei. Während viele meiner Freunde nach Hause zu ihren Familien geflogen sind, bin ich in Valencia geblieben. Ich wollte mal Weihnachten und Silvester außerhalb von Deutschland erleben, jedoch musste ich feststellen, dass die beiden Feiertage gar nicht so spektakulär unterschiedlich sind und es oftmals vor allem um das Beisammensein mit der Familie geht.

Nach dem Jahreswechsel ging wieder alles seinen gewohnten Gang. Es stellte sich tatsächlich so etwas wie Routine ein. Während man zu Beginn des Aufenthaltes ständig etwas neues entdeckt hat und alles irgendwie neu war, hatte sich spätestens jetzt eine Alltagsstimmung breitgemacht. Ich hatte meinen Supermarkt um die Ecke, den gleichen Friseur, den immer gleichen Arbeitsweg, sowie meine Lieblingsbars und Clubs. Das war irgendwie eine ziemlich interessante Erfahrung zu sehen, wie vertraut die Stadt und die Menschen werden, obwohl man, als man gelandet ist sich gar nicht vorstellen konnte, dass man irgendwann die meisten wichtigsten Orte der Stadt gesehen hat.

Gegen Ende meines Aufenthaltes wurde es dann Frühling. Auch wenn der spanische Winter nicht so hart und kalt wie der deutsche Winter ist, hat es nachts manchmal auch nur knapp über 0°C gehabt. Im März gibt es in Valencia eine Art Frühlingsfest, was sich „Las Fallas“ nennt. In dieser Zeit stehen in Valencia an vielen Straßenecken teilweise bis zu zwölf Meter hohe Figuren aus Holz und Pappmaché, die am Ende der Festlichkeiten verbrannt werden zudem gibt es überall Feuerwerke in der Stadt. Die Mentalität ändert sich dabei in der Stadt und die Stimmung ist merkbar ausgelassener. Auch im Kindergarten haben wir mit den Kindern während dieser Zeit viel gebastelt und ebenfalls Figuren aus Pappe gebaut (aber natürlich nicht verbrannt). So gesehen waren die Festlichkeiten ein sehr schöner Abschluss für ein sehr schönes halbes Jahr.

Der Abschied war nicht unbedingt leicht, vor allem sich von den Kindern nach fünf Monaten zu verabschieden fiel mir schwer, weil man sich nach so langer Zeit gegenseitig ins Herz geschlossen hatte. Das gleiche galt für meine Arbeitskollegen und natürlich auch für meine Freunde.

Aber auch wenn der Abschied nicht leicht war, habe ich mich auch wieder auf Deutschland gefreut, da ich auch Freunde und Familie nach so langer Zeit vermisst habe.

Die sechs Monate waren eine interessante, spannende, prägende und vor allem bereichernde Zeit. Die Herausforderung in eine komplett fremde Stadt zu gehen, wo man kaum die Sprache versteht und niemanden kennt ist immer einschüchternd. Jedoch lohnt es sich dieses Wagnis einzugehen, da man sich am Ende immer in irgendeiner Hinsicht weitergebildet hat.

Theo