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Merle R. SAW Estland

Mein Auslandsjahr im Norden von Estland

“klein aber fein” - so würde ich Estland nach fünf Monaten Aufenthalt beschreiben, wobei das fein definitiv überwiegt. Als ich im August 2019 ankam, war ich erst einmal überwältigt von den vielen neuen Eindrücken, der wunderschönen Natur und der Herzlichkeit der Esten.

Wenn ich darüber nachdenke, was eigentlich typisch estnisch ist, fallen mir direkt Saunabesuche ein. Fast jede estnische Familie hat eine Sauna zuhause, welche auch so gut wie jedes Wochenende benutzt wird. Des Weiteren fällt mir Sauerkraut mit Blutwurst ein, was meist an Weihnachten gegessen wird. Die estnische Küche besteht im Allgemeinen viel aus Kartoffeln und Schweinefleisch, aber auch aus vielen Milchprodukten wie Joghurt und saure Sahne. Besonders lecker finde ich “Kohuke”, was eine kleine mit Schokolade überzogene Quark Rolle ist.

Zudem gibt es viele Traditionen, weshalb zum Beispiel auch das Volkstanzen in Estland weit verbreitet ist. Auch ich konnte mich für das Volkstanzen in den schönen bunten Kleidern begeistern lassen. Das Training findet zweimal die Woche in Tallinn statt, hier fahre ich mit dem Bus hin. Das Bus- und Bahnsystem ist in Estland sehr gut und ermöglicht besonders Schülern kostengünstig in jede Stadt zu gelangen.

Ich besuche hier die 11. Klasse eines Gymnasiums. In Estland ist es typisch, dass jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum hat uns somit die Schüler nach jeder Stunde den Raum wechseln müssen. Außerdem gibt es für jede Klasse eine eigene Garderobe, bei der man seine Schuhe wechseln muss, da es gerade im Herbst und Winter matschig draußen sein kann.

Auch das Notensystem unterscheidet sich von dem deutschen und somit sind die Noten hier von 5-1, wobei 5 die beste Note ist. Mündliche Noten gibt es in diesem Sinne nicht wie wir sie aus Deutschland kennen, man bekommt nur eine kleine schriftliche Bemerkung zu seinem Verhalten im Unterricht. Zudem gibt es auch die Möglichkeit Tests zu wiederholen, wenn man diese nicht bestanden hat.

Besonders wichtig für die Esten ist der 1. September, welcher der erste Schultag nach den Sommerferien ist. Hierbei ziehen sich alle formell und meist traditionell schwarz und weiß an. Außerdem bringt man seinen Lehrern Blumen oder Schokolade mit und wünscht ihnen ein gutes Schuljahr. An meinem ersten Schultag bin ich mit meiner Klasse und dem zwölften Jahrgang zu den neuen Erstklässlern gegangen. Diese haben wir dann an die Hand genommen und sind gemeinsam mit ihnen zu einem großen Stadion gegangen, wo bereits die ganze Schule auf uns gewartet hat. Begleitet wurde dies mit viel Musik, einer Estland- sowie Schulflagge. Dort angekommen wurde dann die estnische Nationalhymne sowie die Schulhymne gesungen. Es war ein sehr tolles Erlebnis für mich, da wir in Deutschland keine Schulhymnen haben und der erste Schultag nach den Ferien meist kein besonderer Tag ist.