Interview mit Kuratoriumsmitglied Andrea Bury

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Andrea Bury

Frau Bury, Sie sind seit einem Jahr Mitglied im Kuratorium von Experiment e.V. Wann sind Sie zum ersten Mal mit Experiment e.V. in Kontakt gekommen und was verbinden Sie mit dem Verein?

Zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit Experiment e.V. bin ich durch ein Treffen der BMW Foundation Responsible Leaders, bei dem ich Bettina Wiedmann kennen lernen durfte. Sie hat mir von Experiment e.V. erzählt und ich war sofort begeistert. Interkultureller Austausch ist so wichtig und je früher man damit beginnt, desto besser.

2011 gründeten Sie ABURY - eine Plattform, die junge Designer mit Handwerks-Communities aus aller Welt zusammenbringt und daraus exklusive, handgefertigte Designerteile entstehen lässt. Zusätzlich werden mit Teilen des Profits über die ABURY Foundation Bildungs- und Communityprojekte realisiert. Wie kam es zu dieser Idee und wie können sich mehr Menschen für Nachhaltigkeit und Diversität engagieren?

Wow, eine große Frage – ich versuche sie, kurz zu beantworten! Ich kam nach Marrakesch, um ein altes Haus zu renovieren und verliebte mich in das Handwerk und war fasziniert von den Fähigkeiten der Menschen vor Ort. Allerdings können diese sich über ihr Handwerk nicht einmal ihre Kinder auf eine höhere (d.h. nach dem 7. Schuljahr!) Schule schicken, etc.. So ist die Idee entstanden, die Kunsthandwerker mit jungen, internationalen Designern zu verknüpfen und neue, moderne, hochqualitative Kollektionen zu entwickeln und zu einem fairen Preis zu verkaufen – und den Menschen zu ermöglichen, ein gutes Leben mit ihren traditionellen Fähigkeiten zu verdienen. Wir re-investieren Teile des Profits, weil wir glauben, dass nur so auch Fortschritt möglich ist in den Ländern. Und – die Leute haben es sich verdient – es sind keine Almosen.

Jeder kann über sein Konsumverhalten schon ganz einfach zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Ich könnte jetzt Seiten schreiben mit Empfehlungen ;)!

Können Sie uns von einer besonders außergewöhnlichen oder lustigen interkulturellen Begegnung erzählen, die Sie im Laufe Ihres Lebens gemacht haben?

Ui – ich habe auf dem Weg einige lustige Erfahrungen gemacht! Für mich die beeindruckenste war folgende: Ich hatte das Dorf gefunden, mit dem wir zusammenarbeiten wollten. Nach vielen Treffen mit Minztee hat der Dorfälteste mir schliesslich zugesagt, dass ich mit den Frauen arbeiten und wir eine Schule im Dorf aufbauen können. Also sagte ich erfreut, toll, dann können wir ja jetzt einen Vertrag aufsetzen. Da sah er mich etwas verduzt an, hielt mir nochmal seine Hand hin und sagte:“ Diese Hand ist das wertvollste, das ich habe. Wenn die nicht reicht, dann kommen wir nicht zusammen.“ Ein Handschlaggeschäft und Menschen, die sich vertrauen – bis heute.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Kuratorium von Experiment e.V.? Wie können Sie Ihre eigenen Erfahrungen als Kuratorin von Experiment e.V. einbringen? Und was kann Experiment e.V. für Sie tun?

Wie bei allen „Unternehmen“ ist es ja ab und zu ganz gut, mit einem „objektiven Blick von aussen“ auf die Dinge zu schauen – und ich bin ja noch ein relativ neues Mitglied und kannte den Verein davor nicht – also hoffe ich, das schon einmal mitbringen zu können. Des weiteren finde ich einfach sehr spannend…

Experiment e.V. blickt auf über 85 Jahre Erfahrung zurück. Wo sehen Sie den Verein in der Zukunft?

In einer globalisierten Welt müssen jungen Menschen positive, interkulturelle Erfahrungen mit anderen Kulturen sammeln und mögliche Ängste abbauen. Deswegen sehe ich Experiment e.V. als wichtigen Baustein in der Entwicklung junger Menschen, der immer mehr an Bedeutung zunimmt!