GASTFAMILIEN-BLOG - Gastmutter Martina (20)

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Mehrere Gastfamilien berichten auf unserem Gastfamilien-Blog von ihrem Alltag mit Gastkind. Gastmutter Martina und ihre Familie haben Emma aus den USA aufgenommen. Emma ist Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms, einem gemeinsamen Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages und Kongresses der USA.

Im Gottesdienst

Ein Punkt, der uns ein bisschen hatte zögern lassen, bevor wir Emma aufnahmen, war, dass sie angegeben hatte, in Fällen von Heimweh eine katholische Kirchen aufsuchen zu wollen. Nordhessen ist überwiegend protestantisch geprägt und die nächste katholische Kirche ist 15 km entfernt. Mit dem Bus braucht man schon eine halbe Stunde, bis man dort ist. Darum hatten wir die Austauschorganisation Experiment e.V. gebeten, bei Emmas Familie anzufragen, ob sie mit einverstanden sei, wenn Emma in eine Familie käme die  a) sich nicht vegetarisch ernährt, b) evangelisch ist und c) zwei fast erwachsene Söhne und keine Tochter hat. Als das Okay kam, waren wir bereit. Mit unserer Anfrage hatten wir sicherstellen wollen, dass Emma nicht enttäuscht wäre, wenn so vieles möglicherweise nicht ihren Erwartungen entspräche.

Heute waren wir in einem besonderen Gottesdienst. Dazu muss ich eine Erklärung vorweg schieben. Fuldabrück ist eine Gemeinde, die aus vier Dörfern besteht. Bergshausen, Dennhausen, Dittershausen und Dörnhagen sind als politische Gemeinde schon seit 1972 verbunden. Kirchlich sah das bis zum 1. Januar 2019 anders aus. Es gab drei Kirchengemeinden: Fuldabrück (bestehend aus den Ortsteilen Denn- und Ditterhausen), Dörnhagen und Bergshausen. Seit dem 1. Januar sind wir nun eine Kirchengemeinde mit drei Pfarrern.

Heute, am 20. Januar 2019, fand dann der Festgottesdienst statt, an dem die ganze Familie teilnahm. Wir finden es schön, dass Emma uns in unsere Gottesdienste begleitet. Auch wenn ihr vieles fremd erscheinen mag, so ist doch auch vieles gleich. Vaterunser und Glaubensbekenntnis spricht sie in Englisch mit. Heute hingen drei Fäden an den Liedblättern, einer für jede Gemeinde. Die drei Fäden sollten geflochten werden – das daraus entstandene neue Seil sei stärker als die drei einzelnen Fäden. Also flochten alle Gottesdienstteilnehmer und -teilnehmerinnen, was das Zeug hielt. Emmas Nachbarin, eine ältere Dame, konnte das nicht. Sie bat Emma um Hilfe. Diesem Wunsch kam Emma gern nach. Hinterher erkundigte sich die Dame bei Emma: „Kommen Sie aus Bergshausen?“ „Nein“, sagte Emma „ich komme aus Amerika“. „Ach je“, antwortete die alte Dame „das konnte ich ja nicht wissen“. Darauf folgte Gelächter von allen Seiten.

Diese kleine Anekdote zeigt drei Dinge: Emma kann so gut Deutsch, dass es (zumindest im ersten Moment) nicht auffällt, dass sie keine Deutsche ist. Emma ist hilfreich. Und: Emma hat sich so sehr an die deutsche Kultur gewöhnt, dass sie nicht mehr sagt, sie komme aus den USA (zu Hause würde sie sagen aus den United States oder US), sondern sie sagt wie alle in Deutschland „aus Amerika“.

Nach dem schönen Gottesdienst gab es ein kaltes Buffet, das sehr lecker war. Wie immer musste die Jugend für ein Foto herhalten. Wie schön, dass alle vier – Julians Freundin Pauline war mit von der Partie – so bereitwillig mitmachen. Ganz schön war auch, dass die Pfarrer Jonas Rahn, bei dem Julian einen Teil seines Berufspraktikums verbrachte und „unsere“ Pfarrerin Anna Debes für ein Foto bereitstanden. Auf dem Umschlag des nächsten Gemeindebriefs sind dann alle zu sehen. Findet ihr sie?