Zwischenbericht Schüleraustausch in Japan

Jetzt ist es endlich so weit! Wie werden meine Gastfamilien sein? Wie viele werden es sein? Hoffentlich nicht so viele. Werde ich mit der Sprache zurechtkommen? Ich habe seit zwei Monaten nichts mehr für mein Japanisch getan ... ich hätte echt mehr üben sollen.“ Mit solchen Gedanken saß ich damals am Münchner Flughafen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr.

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Aviv mit Schulfreunden

Ankunft in Japan

Ich hatte die Sicherheitskontrollen hinter mir gelassen und wartete auf meinen Flieger. Erst mal rund eine Stunde von München nach Frankfurt, wo ich die anderen Austauschschüler, die nach Japan gingen, getroffen habe, und dann elf Stunden von Frankfurt nach Tokyo. Direkt nach dem Flug dann der erste Schock: Es war heiß und noch dazu so schwül, dass sich jeder Schritt vom Bahnhof bis zum Büro der japanischen Partnerorganisation anfühlte, als würde man gleich zusammenbrechen.

„Ein zweiwöchiges Vorbereitungsseminar bei dieser Hitze?! Was mag das werden?“, dachte ich mir. Doch auch diese zwei Wochen, an die ich mich nur noch verschwommen erinnere, gingen vorbei und ich fuhr gemeinsam mit zwei anderen Austauschschülern mit dem Shinkansen, dem japanischen Schnellzug, nach Sendai, wo ich den Rest meines Auslandsaufenthaltes verbringen würde. Und schon als ich aus dem Shinkansen ausstieg, wusste ich: Diese Stadt würde mir gefallen, denn verglichen mit der Hitze in Tokyo war es hier angenehm kühl. Außerdem ist es in Sendai – mit seinen knapp über 1.000.000 Einwohnern – deutlich ruhiger als im stressigen und überfüllten Tokyo.

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Aviv mit seiner Gastfamilie

Als Erstes kam ich für drei Tage in eine Gastfamilie, was aber nur als Übergang gedacht war, da die eigentliche Gastfamilie noch keine Zeit hatte. Sobald ich dann bei der eigentlichen Gastfamilie, bei der ich letzten Endes nur einen Monat bleiben sollte, angekommen war, ging die Schule auch schon los. Und ich muss sagen, dass ich damit echt Glück hatte. Meine Schule, eine der besten in der

Präfektur (vergleichbar mit den deutschen Bundesländern), entspricht auf den ersten Blick so ziemlich dem, was ich mir unter einer japanischen Top-Privatschule vorgestellt habe: Frontalunterricht von 8:40 Uhr bis 16:05 Uhr, Unterrichtsbeginn mit einer Verbeugung vor dem Lehrer und eine sehr förmlich wirkende Schuluniform. Aber wie so oft gilt auch hier: „Don’t judge a book by it’s cover“. Die Schule hätte besser nicht sein können. Meine Klasse und Lehrer sind sehr offen und nett. Die Lehrer, die für die Austauschschüler verantwortlich sind, kümmern sich sehr gut um mich und die zwei anderen Austauschschüler an meiner Schule. Zudem dürfen wir unseren Stundenplan teilweise frei wählen.

Mein japanischer Alltag

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Austauschschüler Aviv in seiner Schulkantine in Japan

Morgens stehe ich um 6 Uhr auf, frühstücke, mache mich fertig und fahre etwa eine Stunde in die Schule. Vor der ersten Unterrichtsstunde gibt es eine Klassenleiterstunde, in der der Klassenlehrer wichtige organisatorische Dinge bespricht und die Handys eingesammelt werden. Danach beginnt der Unterricht. Eine Unterrichtsstunde dauert in Japan immer 50 Minuten und nach jeder von ihnen gibt es eine zehnminütige Pause, in der ich mich immer mit meinen Klassenkameraden unterhalte.

Am Anfang war die Kommunikation jedoch relativ schwierig, da ich kaum Japanisch sprechen konnte und meine Klassenkameraden kein Englisch sprechen. Mittlerweile ist mein Japanisch so gut, dass ich mich zwar nicht komplett flüssig, aber doch relativ gut mit anderen unterhalten kann. Nach der 4. Stunde gibt es dann eine 45 Minuten lange Mittagspause, in der wir das Schulgelände allerdings nicht verlassen dürfen. Nach der 7. und letzten Stunde gibt es noch eine weitere kurze Klassenleiterstunde, bevor ich mich um etwa 16:35 Uhr auf den Weg nach Hause mache. Zuhause mache ich an Wochentagen dann eigentlich nicht mehr viel. Abendessen, duschen, etwas mit der Familie reden und danach ins Bett.

"Die beste Entscheidung meines Lebens"

Mittlerweile bin ich bei meiner sechsten Gastfamilie, und ich werde sogar noch eine siebte haben. Insgesamt habe ich mich bei allen Gastfamilien sehr wohl gefühlt und mich auch mit allen sehr gut verstanden.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der ersten Hälfte meines Austauschjahres, in der ich fast nur positive Erfahrungen gemacht habe, und ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Entscheidung, dieses Austauschjahr zu machen, die beste meines Lebens war.

Für jeden, der sich dennoch unsicher ist, ob er ein Austauschjahr machen will, kann ich nur sagen: Tu’s einfach. Du hast nichts zu verlieren und die Erfahrungen sind es auf jeden Fall wert.

Aviv