"Die Zeit meines Lebens"

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Demi Pair in Kanada Wassersport

Interview mit Max, der als Demi Pair in Kanada war:

Wieso hast Du Dich für das Demi Pair Programm entschieden?

Seitdem ich fertig war mit der Schule wollte ich ins Ausland, aber konnte das zunächst nicht machen wegen meiner Ausbildung. Zwischen Ausbildung und dem geplanten Studienbeginn hatte ich aber endlich 6 Monate frei und diese Zeit wollte ich dafür nutzen. Das Demi-Pair Programm war für mich eine gute Wahl, weil es eine ansprechende Kombination bot: Gastfamilie einerseits und Sprachschule andererseits. Von dem Aufenthalt in der Gastfamilie versprach ich mir, eine Art Zuhause zu haben, nette Leute, die man gerne um sich hat, die sich für einen interessieren und umgekehrt. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, bloß ein „Mieter“ oder „Arbeitskraft“ zu sein, wie man das von anderen Programmen gehört hat, ich wollte etwas Persönliches. Von der Sprachschule habe ich mir versprochen, dass ich vor allem abseits von dem, was man intuitiv durch das Leben im Ausland so an Fremdsprache aufschnappt, noch etwas lerne. Also vor allem: Grammatik. Die war bei mir schon etwas eingerostet, war ich doch immerhin schon fast drei Jahre aus der Schule raus.

Warst Du auf dem Vorbereitungsseminar? Falls ja, was hat Dir dabei gut gefallen? Was für Eindrücke hast Du mitgenommen?

Ja, ich war auf dem Vorbereitungsseminar. Mir hat sehr gut gefallen, mit welcher Klarheit und Offenheit wir als Teilnehmer über mögliche kulturelle Unterschiede und Wahrnehmungen aufgeklärt wurden. Ich denke es ist essenziell, als Demi Pair diese Lektion stets im Hinterkopf zu haben, sie macht einem das Leben vor Ort wirklich leichter und reicher. Leichter, weil man so die Möglichkeit bekommt, gegebenen Situationen anders zu begegnen, da man nicht mehr nur durch die eigene „kulturelle Brille“ sieht. Reicher, weil man sensibilisiert ist für diese Unterschiede und so die Eigenarten des Landes erst wirklich zu schätzen lernt. Außerdem hat mir gefallen, wie die Ehemaligen von ihren Erfahrungen berichtet haben und einem ein realistisches Bild für die Erwartungen der Gastfamilien und eigenen Wünsche gegeben haben.

Wie hast Du die Ankunft im Land erlebt?

Stressig. Ganz ehrlich, wer schon einmal einen Langstreckenflug hinter sich hat, weiß wie anstrengend das sein kann. Sicher, man ist aufgeregt, sieht seine eigene Familie für eine lange Zeit erstmal nicht, aber irgendwann möchte man einfach nur noch da sein. Hinzu kommt Müdigkeit. Als ich dann endlich durch die Einreisekontrolle war musste ich noch ein wenig warten, bis dann endlich meine (spätere) Gastmutter kam um mich abzuholen. Nach einer kurzen Begrüßung mussten wir dann noch gefühlte 30 Minuten das Auto suchen im Parkhaus, aber endlich hatten wir’s dann gefunden und sie fuhr mich zu meiner (ersten) Gastfamilie. Die Begrüßung dort war freundlich, kurzer Smalltalk, aber alle hatten Verständnis, dass ich nun erst mal schlafen musste. Am nächsten Tag habe ich dann die Kids kennengelernt. Die waren neugierig und schüchtern zugleich. Auf der einen Seite wollten sie rausfinden, wer der Neue da ist und ob der zum Spielen taugt, auf der anderen Seite war die Situation sichtbar ungewohnt für die beiden, sie klammerten sich zur Sicherheit dabei noch bei Mutti fest. Nach ein paar Stunden ändert sich das aber und dann kann man auch schon loslegen und spielen.

Welchen Sprachkurs hast Du gemacht und wie war es in der Sprachschule?

Wie der Sprachkurs hieß, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, die Sprachschule ist aber super. Man lernt super schnell super viele neue Leute kennen. Das beste dabei: aus der ganzen Welt.
Es macht riesig Spaß zu sehen, wo die Menschen herkommen, wie sie dort leben, welche Erfahrungen sie in Kanada gemacht haben und diese mit den eigenen zu vergleichen und zu diskutieren. Das Lernen ist dabei wie in der normalen Schule auch. Lesen, schreiben, sprechen, hören. An verschiedenen Tagen werden die unterschiedlichen Kompetenzen geübt. Die Lehrer sind kompetent, hilfsbereit und freundlich und wenn man fleißig mitmacht, merkt man auch, wie sich das eigene Englisch zunehmend bessert. Ich kann jedem nur empfehlen, den TOEFL-Vorbereitungskurs zu machen, egal ob man den Test nachher machen möchte oder nicht. In dem Kurs sitzt man erstens mit noch weniger Leuten als ohnehin schon zusammen und zweitens sind die Übungstests so fordernd, dass ich mir ordentlich Mühe geben musste, aber nur so kommt man eben sprachlich weiter.

Wie war das Leben in Deiner Demi Pair-Gastfamilie?

Die Frage ist etwas schwierig zu beantworten, weil ich in zwei Familien war. Die erste war schwierig, denn wir haben menschlich einfach nicht zusammen gepasst. Daher war ich froh, dass mir durch das Programm ermöglicht wurde, die Gastfamilie zu wechseln. Meine zweite Gastfamilie war dann das Beste, was mit passieren konnte. Unglaublich liebe und tolle Menschen, die ich nie vergessen werde – zwischen uns hat die Chemie einfach gestimmt. Die Kids und ich waren vom ersten Tag an die dicksten Freunde. Ich konnte es selber kaum fassen, dass sie im Prinzip keine Zeit brauchten um sich an mich zu gewöhnen. Ich wurde sofort in alle Spiele mit eingebunden. Und es macht dann auch einfach Spaß. Der Tagesablauf war dann ungefähr so: Morgens Frühstück machen für die Kinder, manchmal zusehen, dass sie aufstehen, dann in die Schule bringen. Während die Kinder in der Schule waren habe ich dann etwas aufgeräumt, zum Beispiel die Küche, oder schon den Esstisch für das Mittagessen gedeckt. Als nächstes das Mittagessen gekocht und dann mit den Kids gegessen, die danach wieder in die Schule mussten. Wenn sie aus der Schule gekommen sind habe ich sie zum Sport gebracht oder Hausaufgaben mit ihnen gemacht. Und wenn das fertig war, haben wir gespielt. Da sind die Kids häufig sehr kreativ gewesen, manchmal gefällt’s ihnen aber auch, wenn ich selber Ideen eingebracht habe. Wenn meine Gasteltern abends nach Hause gekommen sind, haben wir dann gemeinsam das Abendessen gekocht und anschließend gegessen. Dabei hat dann jeder von seinem Tag erzählt. Diese starke Einbindung in die Familie hat mit sehr gefallen, sie gibt einem wirklich das Gefühl Teil des Ganzen zu sein.

Was für Highlights hast Du während Deines Aufenthaltes erlebt?

Highlights ? – Da gab es viele. Es ist schon eine wirklich wunderbare Erfahrung gewesen.

Besonders gefallen haben mir aber zwei Dinge:
Ich habe meinem Gastbruder das Fahrradfahren beigebracht. Es klingt banal, aber wenn man es schafft, dem Lütten was beizubringen, was er vorher selber nicht für möglich gehalten hat, ist das ein erstaunliches Gefühl. Es war schön zu sehen, wie er von etwas so kleinem Selbstvertrauen geschöpft hat.
Es war auf der anderen Seite schön zu sehen, dass ich auch etwas von den Kids lernen konnte, in diesem Fall von meiner Gastschwester. Unglaublich aber wahr: die Kleine hat mir Wasserskifahren auf einem Ski beigebracht. Sie hat viel Geduld mit mir gehabt und mich nicht hängen lassen, bis ich es konnte. Es ist einfach schön zu sehen, wenn man den Kids wichtig ist.

Welche Eindrücke/Erfahrungen/Ideen/Wünsche/… nimmst Du aus Deiner Demi Pair-Zeit für die Zukunft mit? Was für Pläne hast Du für die Zukunft?

Aus meiner Zeit in Kanada nehme ich den großen Wunsch mit, meine Gastfamilie so schnell wie es geht wieder zu sehen, weil sie einfach wundervolle Menschen sind und ich dank ihnen die Zeit meines Lebens gehabt habe. Außerdem wünsche ich mir für meine Zukunft in Deutschland im Studium richtig durchzustarten.