Image
Vanessa FWD Belgien

Welkom in België

Belgien. Ein scheinbar kleines Land, das ich vor meinem Freiwilligenjahr doch eher weniger beachtet hatte. Klar wusste ich, dass Brüssel die Hauptstadt war und dort das EU-Parlament tagt. Dabei hat Belgien so viel mehr zu bieten neben dem eben erwähnten, drei Amtssprachen, drei Regionen beziehungsweise Gemeinschaften und ein Königshaus. Es hat unglaublich viele Traditionen, Geschichte und Kultur, was ich alles erleben durfte.

Ohne große Erwartungen bin ich für mein zehnmonatiges Abenteuer nach Ostbelgien aufgebrochen, wo ich mein Freiwilligendienst über den Europäischen Solidaritätskorps in einer Fördergrundschule nahe der deutschen und luxemburgischen Grenze machte. Es sollte ein Jahr volle Erfahrungen, tollen Erlebnissen und vielen neuen Leuten werden, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind.

Meine Aufgaben in der Förderschule waren relativ offen gestellt. Ich sollte eine Klasse in ihrem Schulalltag begleiten, die Lehrer unterstützen und eigene kleine Projekte und Aktivitäten durchführen. Doch was bedeutet dies genau? Im normalen Unterricht war ich einfach für die Schüler da und beantwortete ihre Fragen. Außerdem erklärte ich ihnen Arbeitsaufträge, wenn sie diese nicht verstanden oder spielte mit ihnen zum Beispiel „UNO“ am Ende einer Schulstunde. So wurde ich zu einer Bezugsperson für die Kinder, der sie vertrauten. Zusätzlich dazu ging ich einmal die Woche mit der ganzen Schule zum Schwimmen, um dort auszuhelfen, oder gestaltete die Feste und Aktivitäten der Schule mit, in dem ich eine weitere „Aufsichtsperson“ war oder eine Animation anbot.

Ich wurde mit offenen Armen empfangen und sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern wertgeschätzt. Es wäre nicht richtig zu sagen, dass mir der Schulalltag immer leichtgefallen wäre und ich nie an mir gezweifelt hätte, aber es hat mich unglaublich stolz gemacht, die Fortschritte der Schüler mitzuerleben und zu wissen, dass die Schüler mich gern um sich hatten.

Ich durfte auch eigene Ideen einbringen, die ich dann auch selbst umgesetzt habe. So habe ich zum Beispiel eine Weihnachtskarte mit den Schülern gebastelt oder ihnen Deutschland vorgestellt, damit sie mehr über das Land erfahren, aus dem ich komme. Es wurden mir zahlreiche Möglichkeiten gegeben, mich selbst weiterzuentwickeln und Neues kennenzulernen, und dafür bin ich unglaublich dankbar.

In meiner Freizeit habe ich vor allem am Wochenende die Zeit genutzt, um Belgien zu erkunden. Neben den großen Städten wie Gent, Brüssel und Lüttich, haben andere Freiwillige und ich, die ebenfalls in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) ihren ESC machten, auch unsere Umgebung näher erkundet und viele kleinere Ausflüge innerhalb der DG und in die ebenfalls naheliegende Niederlande gemacht.

Unter der Woche blieb mir leider nicht allzu viel Zeit für Hobbys, da ich zwischen meiner Wohnung und meinem Arbeitsplatz eine Stunde pendeln musste, was aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung war. Ich besuchte so zum Beispiel einen Französischkonversationskurs oder machte Zumba. Auch wenn Eupen, die Hauptstadt der DG und der Ort, wo ich wohnte, eine sehr kleine Stadt ist mit gerade mal 20.000 Einwohnern, gab es viele kulturelle Angebote und trotz der Nähe zu Deutschland konnte ich viele neue traditionelle Bräuche kennenlernen. Zum Beispiel wird dort Karneval sehr groß gefeiert und auch die Kirmes.

Da ich in einer Schule arbeitete, hatte ich somit natürlich auch die Schulferien frei, was bedeutete, dass ich über Weihnachten nach Hause fahren konnte, um bei meiner Familie zu sein. Ich konnte aber die Herbstferien dazu nutzen, um nach Paris zu fahren. Von Brüssel aus braucht man mit dem Fernbus nur etwa drei Stunden. Das hat sich wirklich gelohnt und ich bin super glücklich über all das, was ich erlebt habe.

Leider haben die Auswirkungen des Coronavirus auch mein Projekt beeinflusst. Alle Schulen in Belgien wurden geschlossen und somit war es sinnvoll für mich, nach Hause zu fahren, um in dieser schweren und unsicheren Zeit nicht alleine zu sein. Derzeit ist die Lage noch ungewiss, ob ich noch einmal zurückkehren kann, aber ich wünsche mir nichts sehnlicher!

Trotz allem konnte ich in diesen sieben Monaten, die ich immerhin dort gewesen bin, das Land und die Leute kennenlernen. Es gab so vieles, was ich entdecken und erleben wollte, dass ich gar nicht alles geschafft habe, aber das gibt mir nur einen Grund mehr, auch später noch öfter nach Belgien zurückzukehren.

Ich konnte vieles über mich selbst lernen, sowohl wie ich am besten arbeite als auch wie man alleine lebt und alles selbst organisiert. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden, wertvolle Erfahrungen gesammelt und vor allem mich als Person weiterentwickelt. Mir wurden viele Möglichkeiten in diesem Jahr gegeben und ich konnte so viele neue Dinge kennenlernen, die ich sonst nie erlebt hätte.

Belgien ist für mich nicht nur ein weiterer Ort in meinem Leben gewesen, sondern ist auch zu so etwas wie ein Zuhause für mich geworden, an das ich mich immer erinnern werde. So klischeehaft es auch klingen mag, aber dieses Jahr war bisher das beste Jahr in meinem Leben. Ich bin aus meiner Komfortzone herausgetreten und habe mich neuen Herausforderungen gestellt. Ich könnte nicht glücklicher sein, dies gemacht zu haben und kann jedem nur empfehlen, diesen Schritt zu wagen!

Eure Vanessa

Image
Vanessa FWD Belgien
Image
Vanessa FWD Belgien