Von schönen und schwierigen Momenten, großen Herausforderungen und vielen tollen Erlebnissen - Demi Pair Toronto

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Demi Pair in Kanada

Ja, ich habe, was meine vier Monate als Demi-Pair in Toronto angeht, gemischte Gefühle – aber das heißt nicht, dass ich irgendetwas bereue. Im Gegenteil! Ich würde jeder und jedem sofort empfehlen Demi-Pair zu werden. Warum? Das erkläre ich euch hier:

Angefangen hat alles einwandfrei. Ich erhielt wie erhofft ein Teilstipendium, fühlte mich nach einem Vorbereitungstreffen in Bonn sehr gut vorbereitet, konnte trotz recht spontaner Anmeldung noch im gewünschten Zeitraum ausreisen und die Familie wirkte perfekt. Ich würde auf 2 Mädchen im Alter von 8 und 10 Jahren aufpassen müssen und das vorherige Demi-Pair schwärmte sehr von der Familie. Insgesamt hatte ich auch wirklich Glück. Ich hatte mein eigenes Apartment im ausgebauten Keller, hatte viel Freizeit und musste im Haushalt nur wenig helfen. Sogar mein kleines Apartment (Schlafzimmer, eigenes Bad, Küchenzeile) hat die Haushaltshilfe mit gereinigt. Dafür hatte es leider keine Heizung – und das war dann gen Herbst schon grenzwertig kalt. Die Küchenzeile habe ich glücklicherweise kaum benötigt. Ich habe mich willkommen gefühlt und ganz selbstverständlich in der Küche gegessen. Auch was die Arbeitszeiten und Absprachen betraf, lief alles reibungslos.

Mit den Mädels konnte es allerdings schwierig sein. Die Kleine hatte Schwierigkeiten mit ihrer Impulskontrolle und die Große war für ihr Alter viel zu oft traurig. Beide gerieten sehr oft aneinander. Die Situation konnte schnell eskalieren und zu Tränen des Schmerzes oder der Verzweiflung sowie zu Verwüstungen im Haus führen. Damit umzugehen war sehr anstrengend und hat viel pädagogisches Geschick erfordert. Zu meinem Glück konnten solche Vorfälle aber auch von den Eltern nicht verhindert werden, sodass diese mir nie etwas übel genommen haben. Sie haben sich sogar des Öfteren für das Verhalten ihrer Töchter bei mir entschuldigt. Das hat natürlich eine gewisse Last von meinen Schultern genommen.

Neben der Tatsache, dass die Mädels und ich in Sachen Konfliktlösung und -vorbeugung Fortschritte gemacht haben (z.B. haben wir für Spaßkämpfe ein Signalwort ausgemacht, da das Wort „Stopp“ bereits an Bedeutung verloren hatte), ist natürlich auch eine immer engere Bindung zwischen den Mädels und mir entstanden.

Und wenn man beim nach Hause kommen nach einem Wochenendausflug strahlend und jubelnd empfangen wird, sind die Strapazen der Woche davor gerne und schnell vergessen. Außerdem ist es natürlich ein schöner Ausgleich, am Vormittag in die Sprachschule gehen und Zeit mit Gleichaltrigen verbringen zu können. Nicht nur trägt dies zu einer schnellen Verbesserung der Englischkenntnisse bei, sondern man kann dort mit der richtigen Einstellung auch super viel Spaß haben. Die Lehrer*innen sind nett und offen, man lernt immer neue Leute kennen und das gesamte Klima in der Schule ist angenehm familiär.

Auch in ihrer Freizeit dürfen die Schülerinnen und Schüler die Räume der Sprachschule nutzen und die Schule organisiert regelmäßig kostenlose Ausflüge. Zudem arbeitet die Schule mit einem Reiseunternehmen zusammen, dessen Tages- und Wochenendausflüge direkt bei der Geschäftsführerin der Sprachschule gebucht werden können. Ich bin mit diesem Unternehmen zweimal im Algonquin Park (wunderschöner, großer Nationalpark) und einmal bei den Hamilton Waterfalls gewesen, habe eine Rundreise durch French Canada gemacht und ein Wochenende in New York verbracht. Alles mit super netten, jungen Reiseführer/innen und für einen sehr fairen Preis.

Die Freizeit möglichst preiswert zu gestalten ist in Toronto sehr einfach. Nicht nur einige Museen bieten an bestimmten Tagen freien Eintritt, sondern auch staatliche Schwimmbäder sind oft kostenlos. Im Sommer kommen außerdem unglaublich viele Straßenfestivals und zahlreiche Umsonst-Open-Air-Kinos hinzu. Meine persönlichen Highlights waren das Sail-In Cinema am Sugar Beach (sogar Popcorn und Kaffee waren hier kostenlos) sowie das Shakespeare Theater im High Park, bei dem jede/r am Ende so viel zahlen durfte, wie er/sie konnte oder wollte. Die Inszenierung von King Lear (in diesem Fall eine Queen Lear) war großartig. Obwohl wir dachten, dass an diesem Tag Romeo und Julia aufgeführt werden würde, war das Stück verständlich und meine Freundinnen und ich hatten einen unvergesslichen Abend in einer wunderschönen Atmosphäre.

Ihr seht also, dieses Abenteuer hat sich eindeutig gelohnt! Ich habe spannende Leute kennengelernt, das erste Mal im meinem Leben eine Stadt als solche lieben gelernt, unglaublich viel Spaß gehabt und gerade durch die etwas schwierigen Situationen natürlich auch viel gelernt.

Sarah