Und plötzlich war ich am anderen Ende der Welt...

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Bendigo South East College

Immer schon war es ein Traum von mir nach Australien zu reisen, also dachte ich mir wieso nicht jetzt!? Ich hatte gerade mein Studium beendet und hielt es für eine gute Idee vor dem Referendariat noch einen Auslandsaufenthalt einzuschieben, indem ich mich bereits auf den Alltag in der Schule vorbereiten konnte. Ich war bereits einige Male in Spanien und wollte nun auch ein englischsprachiges Land näher kennenlernen. Außerdem, dachte ich, ist es bestimmt super in einer Gastfamilie zu wohnen und die Kultur des Landes so noch näher kennenlernen zu können. Also entschied ich mich, mich für das School Language Assistant Program in Australien zu bewerben. Schnell bekam ich auch schon eine Zusage, es geht nach Bendigo, Victoria. Wo ist das denn!? War mein erster Gedanke. Nach einer schnellen Google-Recherche wurde diese Frage dann aber schnell geklärt. Bendigo liegt ca. 150 km nördlich von Melbourne in dem Bundesstaat Victoria. Nun gut dachte ich, die Mehrheit der Bevölkerung in Australien wohnt zwar an der Küste, aber Bendigo wird schon nicht so schlecht sein. Gespannt fieberte ich also meinem nächsten Abenteuer entgegen.

Nachdem ich meine Masterarbeit abgegeben hatte verbrachte ich zunächst einen super Urlaub in Indonesien und an der Ostküste Australiens mit drei Freundinnen. Danach ging es dann auch schon nach Melbourne. Ich verabschiedete mich von meinen Freundinnen und flog von Sydney nach Melbourne, wo mich meine Gastmutter und mein Gastbruder abholten. Nach einer ca. 1,5 stündigen Fahrt erreichten wir Bendigo, was ich nun für die nächsten sechs Monate mein Zuhause nennen durfte. Wir fuhren direkt zu einem Basketballspiel, denn meine Gastfamilie liebte Basketball und verpasste kein Spiel der Bendigo Braves. Dort lernte ich dann auch meinen Gastvater und meine Gastschwester kennen. Gut war, dass mein Körper sich durch den vorherigen Urlaub ja nun schon auf die australische Zeit eingestellt hatte und ich somit keine Probleme mit dem Jetlag hatte.

Den darauffolgenden Montag ging es dann auch schon los. Ich besuchte zum allerersten Mal die Schule, an der ich die nächsten sechs Monate arbeiten werde, das Bendigo South East College. Ich wurde offiziell beim Staff-Meeting vorgestellt und meine Kollegen nahmen mich gleich herzlich auf. Ich fühlte mich bereits nach der ersten Woche super wohl. Ich bin sehr dankbar, bereits von Anfang an die Möglichkeit bekommen zu haben an der Unterrichtsplanung mit teilnehmen zu können und auch einige Klassen übernehmen zu können. Das Feedback der Lehrer war sehr hilfreich. Die für mich wertvollste Zeit war jedoch, als meine Mentorin für 3 Wochen auf einen Deutschlandaustausch gefahren ist und mir ihre Klassen überlassen hat. In dieser Zeit war ich für die Planung und Durchführung des Deutschunterrichts verantwortlich, was mich in meiner Lehrerpersönlichkeit sehr weitergebracht hat. Außerdem bekam ich über die kompletten sechs Monate die Möglichkeit den German Club zu leiten, in dem die Schüler spielerisch mehr über die deutsche Kultur erfahren konnten. Ich konnte den Unterricht gänzlich nach den Wünschen der Schüler/innen richten und mich kreativ mit einbringen. Dadurch, dass die Schule nur zwei Deutschlehrerinnen beschäftigte habe ich während der Zeit zusätzlich auch eine siebte Klasse übernommen. Während des Schuljahres haben wir verschiedene außerschulische Aktivitäten geplant und organisiert. Die Schule ist sehr darauf bedacht Fremdsprachen zu verbreiten und wertzuschätzen. Auf einem Deutschabend haben wir die verschiedenen Produkte, die die Schüler im Laufe der Zeit im Deutschunterricht entworfen haben vorgestellt. An dem German-Day-Out haben wir in Zusammenarbeit mit anderen Schulen in Bendigo einen Projekttag zum Tag der Deutschen Einheit durchgeführt und durch den Weihnachtsmarkt, der von dem siebten Jahrgang als Teil ihres Endprodukts organisiert wurde, haben wir ein bisschen deutsche Kultur nach Australien gebracht und dabei zusätzlich Geld für einen guten Zweck gesammelt.

Dadurch, dass noch eine weitere Fremdsprachenassistentin an der Schule beschäftigt war habe ich auch sehr schnell netten Anschluss gefunden, um meine Freizeit nicht alleine verbringen zu müssen. Schnell ging es, dass ich in Bendigo neue Freunde gefunden habe, mit denen ich vor allem Australien bereisen konnte. Unter der Woche habe ich einen langen Tag in der Schule gehabt. Die Schule begann jeden Morgen um 9:00 Uhr und endete um 15:15 Uhr, nicht selten kam es aber vor, dass ich aufgrund von Meetings erst um 17:00 oder 18:00 Uhr Zuhause war. Daraufhin bin ich dann nur noch ins Bett gefallen und habe mich schon auf das nächste Wochenende gefreut. An den Wochenenden war ich eigentlich immer unterwegs. Man ist schließlich in Australien und will dieses Land auch soweit es geht bereisen. So kam es, dass ich in den sechs Monaten mehr gesehen habe als ich mir je hätte erträumen können. Australien ist so ein wunderschönes Land, was es wirklich wert ist zu bereisen. Ich habe dann kurz vor meinem Rückflug sogar noch die Möglichkeit bekommen nach Tasmanien zu fliegen, was mich wirklich umgehauen hat. Eine so schöne Natur habe ich noch nie zuvor gesehen und ich war wirklich schon viel unterwegs.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Aufenthalt mich sehr gut auf das Referendariat vorbereitet hat. Ich habe neue Methoden kennengelernt und bin in meiner Rolle als Lehrkraft viel sicherer geworden. Ich weiß jetzt wie ich in bestimmten Situationen handeln muss und wie ich bestimmte Probleme schnell lösen kann. Außerdem habe ich das australische Schulsystem kennengelernt, welches um einiges komplizierter ist als das Deutsche. Durch den Aufenthalt in Australien habe ich meinen Hauptwunsch, eine neue Kultur kennenlernen zu können, um auch meinen Schülern in der Zukunft einen authentischen Unterricht bieten zu können, erfüllt. Des Weiteren konnte ich zusätzlich meine sprachlichen Fähigkeiten im Englischen stärken. Außerdem habe ich neue Freundschaften gewonnen und habe mich auch persönlich noch mal weiterentwickelt. Ich bin sehr froh das halbe Jahr in Australien verbracht zu haben und würde es jederzeit wieder tun.