Trees for Zambia: Festival of Action 2016

Es war ein sehr spontaner Entschluss, der mich nach Sambia geführt hat, getroffen an einem Donnerstagabend irgendwann Ende April. In Ermangelung anderer Urlaubspläne hatte ich mich für „Trees for Zambia“ angemeldet, laut Beschreibung einem Wiederaufforstungsprojekt in der Nähe der Viktoriafälle.

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Kurzzeit_Zambia_Trees for Zambia

Zwei Wochen zelten und Bäume pflanzen irgendwo in Afrika also, in einem Land über das ich so gut wie nichts wusste und zu dem ich noch nicht mal einen Krimi gefunden hatte, der dort spielt, was eigentlich zu meiner Standardreisevorbereitung gehört. Wie viele Bäume und was für welche würde ich wohl in Sambia pflanzen?

Begonnen hat es dann, nicht nur für mich, etwas überraschend. Einen Baum habe ich nämlich erst am 4. Tag gepflanzt und das war dann auch noch ein Mango-Baum, also nichts indigenes, sondern ein Obstbaum. Das Festivalprogramm stellte sich als ungleich vielfältiger denn „Bäume pflanzen“ heraus – es gab Workshops und Aktivitäten zu Permakultur, dem Anlegen von „Food Forests“ (Obst- und Gemüsegärten), Umweltbildung in Schulen, Ecobricks, Öfen aus Lehmziegeln bauen,
Musikprojekte, Upcycling (Abfall in Kunst oder andere Dinge verwandeln), Wandmalerei (Murals), Baumbestimmung, Imkerei,... Nach zwei Tagen vor Ort hatte ich das Gefühl schon eine ganze Woche da zu sein, weil ich so unglaublich viel erlebt und gelernt hatte. Mein englischer Wortschatz hat auf einmal Vokabeln umfasst, zu denen ich die deutschen Begriffe erst nachschlagen musste, unpaaring gefiederte Blätter, etc.

Nach der Einführung und Vorstellung der ganzen Projekte und Mitarbeitsmöglichkeiten, konnte jeder Präferenzen für das eigene Wochenprogramm abgeben. Und so hat sich dann jeden Morgen, nach der gemeinsamen „Circle Time“ um 7:45 Uhr, die Gruppe auf die verschiedenen Aktivitäten verteilt, mit dem netten Nebeneffekt, dass man immer wieder mit anderen Leuten zusammengearbeitet hat.

Überhaupt haben die Tage tendenziell früh begonnen – Weckruf per Trommel um 6 Uhr, Frühstück ab 6:45 Uhr. Und mindestens einmal die Woche durfte jeder den Sonnenaufgang bestaunen, denn die obligatorische „Waste Duty“ begann bereits um 6 Uhr morgens. Und das hieß den Müll von den verschiedenen Sammelstellen zusammenzutragen und zu sortieren, u.a. die Plastikflaschen für die
Ecobricks zu separieren, die Küchenabfälle zum Kompost zu bringen oder Tetrapaks für das Upcycling zu waschen. Erklärtes Ziel war schließlich möglichst keinen Müll im Camp zu erzeugen. Und in der eisigen, morgendlichen Kälte verflucht man garantiert alle, die irgendwelchen Plastikmüll in den Bioabfall geworfen haben, den man dann mit klammen Fingern mühsam wieder aus der Kompostgrube picken muss. Lasst euch in nächster Zeit also besser nicht von mir bei lascher Mülltrennung erwischen!

Apropos Temperaturen – es war nachts kalt, wirklich kalt. Als ich an meinem ersten „Waste Duty“- Morgen die Uhrzeit auf meinem Handy kontrolliert habe, hat mich eine rote Warnmeldung empfangen: „Batterie Warnung! Die Außentemperatur ist zu niedrig – sollte die Temperatur weiter fallen, schaltet sich Ihr Telefon ab“. Daraufhin habe ich mir dann meinen Schlafsack mit meinem Handy geteilt. In den meisten Nächten war es in den Stunden vor Sonnenaufgang nur knapp über 0
Grad und ich habe mich definitiv darüber gefreut, dass ich Skiunterwäsche und Skisocken eingepackt hatte – beim Packen in Deutschland kam ich mir deswegen noch ziemlich paranoid vor, aber für die Filmabende, bei den Soapbox Reden, bei der Talentshow und selbst für die Zeit am Lagerfeuer war das Gold wert.

Aufgrund der Warmwasserlotterie war Duschen am Morgen oder Abend übrigens auch eher etwas für Hartgesottene – Duschen ausschließlich bei Sonnenschein ist jedenfalls zu meiner Maxime geworden.

Zurück zum Programm. Mir haben insbesondere die „Sons of Thunder“-Tage Spaß gemacht. „Sons of Thunder“ ist ein riesiges Stück Land in der Umgebung von Livingstone, das einer Mission gehört und das neben einer Geburtsklinik auch mehrere Dörfer beherbergt. Mit deren Bewohnern hat Greenpop auch schon in den vergangenen Jahren Bäume und „Food Forests“ gepflanzt. Somit konnte man sehen und anfassen, was aus der Arbeit der vergangenen Jahre geworden war und es hat einem eine Vorstellung davon gegeben, wie in ein, zwei Jahren die Gärten aussehen werden, die wir dieses Mal gepflanzt haben. Bäume können in diesem Klima unglaublich schnell wachsen, das war durchaus beeindruckend zu sehen. Zudem haben mir das gemeinsame Arbeiten und die Gespräche mit den Dorfbewohnern Spaß gemacht, auch wenn das mit der Sprache nicht immer ganz einfach war. So ganz nebenbei erzählt mir z.B. der ältere Herr, mit dem ich Kompost unter die Erde für unseren Orangenbaum mische, dass er gerne Fahrradtouren macht und insbesondere auch gerne zu den Viktoriafällen radelt. Angesichts der Anfahrtsdauer im Bus von Livingstone bis zu seinem Dorf erschien mir das doch eine sportliche Strecke, vor allem bei dem Straßenzustand. Aber nein, meint
er, das ist nicht weit, dauert nur 5h. Einfach? Einfach. Mit den Flickpausen gegebenenfalls auch länger. Nun ja, vielleicht würde ich das für die Viktoriafälle auch als Tagesausflug auf mich nehmen, denn die sind wirklich unglaublich beeindruckend.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt bei den „Food Forest“-Tagen war übrigens das Anlegen der hübschen Steinkreise um die Bäume, der Steinreihen als Begrenzungen der Wege, etc. Und dafür braucht man Steine, viele Steine, mehr Steine als ich mir anfangs vorstellen konnte. Ich habe nicht gezählt welche Mengen Steine ich gesammelt und von A nach B getragen habe, aber in diesen
Steinkreisen steckt fast so viel Arbeit wie im Aufhacken des trockenen Bodens und Pflanzen der Bäume.

Aber auch bei all den anderen Aktivitäten ist mir nie langweilig geworden, ob es jetzt das Ausmalen der großen Bilder auf öffentlichen Mauern, das Herstellen von Lehmziegel für den Pizzaofen, das Bauen von Bienenstöcken oder das gemeinsame Basteln und Gestalten von Hüten aus Tetrapaks, Lampenschirmen aus Plastikflaschen,... im Park von Livingstone war. Und dann gab es ja auch
noch Freizeit, die gefüllt werden wollte. So bin ich außerdem zu einer sehr witzigen Fahrradtour durch die Vororte und unmittelbare Umgebung von Livingstone gekommen, war Raften auf dem Sambesi und habe auch einen Safari-Tagesausflug über die Grenze nach Botswana in den Chobe-Nationalpark unternommen.

Und bei Allem und Allen war irgendwie diese positive Stimmung zu spüren, die absolut ansteckend war. Einen großen Anteil daran hat sicherlich die herrlich bunt gemischte Gruppe aus Greenpop Crew und Freiwilligen gehabt, die sowohl vom Alter, als auch von den Nationalitäten und beruflichen Hintergründen her wirklich sehr divers war. Bei so vielen interessanten und motivierten Leuten sind einfach nie die Gesprächsthemen ausgegangen, ist die Energie nicht abgeflaut und lag immer eine Idee und Inspiration in der Luft, irgendetwas anzugehen oder zu verbessern, und sei es noch so klein. Ganz im Sinne des Festivalmottos und -ziels: „Get active (not anxious) about a sustainable future!“. Bäume zu pflanzen war eigentlich nur das Mittel zum Zweck, ein Aufhänger um Menschen zusammenzubringen. Das „Greenpop Zambia Festival of Action“ hat sich über die letzten 5 Jahre seines Bestehens von einem Wiederaufforstungsprojekt zu einem Festival mit viel ganzheitlicherem Ansatz weiterentwickelt. Wer wirklich verstehen will, was das für eine besondere
Stimmung und Atmosphäre ist, wird selbst einmal teilnehmen müssen, mit Worten lässt sich das schwer beschreiben.

Ich bin gespannt, wie es mir gelingen wird dieses Gefühl und diese Motivation gegen meinen (Arbeits-)Alltag zu Hause zu behaupten und am Leben zu halten. Meine Hände sehen schon wieder mehr nach Schreibtisch- denn Gartenarbeit aus, aber ich habe zumindest ein paar Radieschen in meinen Balkonkästen ausgesät, die hoffentlich als wachsende Erinnerung in den kommenden Wochen dienen werden.

Es waren jedenfalls zwei sehr besondere und inspirierende Wochen in Sambia, die mir ganz nebenbei auch noch das Tor zu einem Kontinent geöffnet haben: Es war zwar meine erste Reise nach Afrika, aber ganz sicher nicht die letzte!