Eine tolle Zeit als Sprachassitentin in Australien

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Känguruhs

Ich durfte zwei tolle Monate als Sprachassistentin am Toorak College in Australien verbringen, wohnte bei zwei lieben Gastfamilien und konnte anschließend noch ein paar Wochen durch Australien reisen.

Am 20. Juli 2015 ging es für mich los nach Australien. Nach ungefähr 19 Stunden Flug kam ich am Flughafen in Melbourne an, wo mich mein Gastvater abholte. Am nächsten Tag durfte ich direkt die Deutschschüler der 8. Klasse in ein deutsches Restaurant begleiten, was eine sehr interessante, wenn auch klischeereiche Erfahrung war. Einen Tag später konnte ich die 10. Klasse auf einen Ausflug nach Melbourne begleiten, was ein sehr angenehmer Start in das Schulleben war.

Natürlich gab es nicht nur Ausflüge, denn meine eigentlichen Aufgaben waren, wie der Begriff „Sprachassistentin“ schon sagt, im Deutschunterricht zu assistieren. Von 8:30 Uhr bis 15:30 Uhr begleitete ich die beiden Deutschlehrerinnen in alle Stufen im Deutschunterricht, von der Grundschule (5. und 6. Klasse) bis hin zur Oberstufe (12. Klasse). Ich half beim Erlernen der richtigen Aussprache, indem ich neue Vokabeln vorsprach und die SchülerInnen diese wiederholten. Auch übte ich mit den Schüler/innen der 5., 6., 9. und 10. Klasse deutsche Gedichte für einen nationalen Wettbewerb. Den Schüler/innen der 5. und 6. Klasse half ich beim Lesen, Verstehen und Einüben einer kurzen Geschichte in Form eines Comics, die sie später aufführten. Wenn ich nicht zusammen mit der Lehrerin im Unterricht bei den Aufgaben half, ging ich meistens mit der Hälfte der Klasse oder mehreren kleinen Gruppen in den Nebenraum und las Texte mit ihnen oder übte und erklärte Grammatik. Ab und zu, wenn die Lehrerinnen verhindert waren, durfte ich auch ganz alleine den Unterricht übernehmen. Dies war zunächst eine Herausforderung, aber die Schüler/innen haben immer sehr gut mitgemacht und waren zum Großteil begeistert, Deutsch zu lernen und sehr höflich und freundlich. Oft haben sie sich nach dem Unterricht bei der Lehrerin und mir bedankt, was im Vergleich zum Unterricht an deutschen Schulen eine ganz neue und überraschende Erfahrung für mich war. Mit den Schüler/innen der Oberstufe, insbesondere aus der 12. Klasse, habe ich auch außerhalb des Unterrichts Übungsstunden vereinbart. Sie kamen meistens für eine halbe Stunde zu mir ins Büro (ich hatte wie alle Lehrer/innen ein eigenes kleines Büro bekommen) und übten auf Deutsch zu sprechen. Den Schüler/innen der 12. Klasse half ich bei der Prüfungsvorbereitung, indem ich mit ihnen mündliche Prüfungen simulierte und wir insbesondere die Themen „Persönliche Welt“ und „Ausländer in Deutschland“ übten.

Zu meinen weiteren Aufgaben gehörte es auch dabei zu helfen, Tests und Klassenarbeiten zu korrigieren. Auch hatten die Schüler/innen in der Oberstufe „Briefbücher“ in denen sie zu bestimmen Themen, z. B. „Was hast du am Wochenende gemacht?“, „Was ist dein Lieblingsbuch?“ etwas auf Deutsch schrieben und es nicht in erster Linie um Sprachrichtigkeit, sondern um flüssiges Schreiben und sich verständigen ging. Diese, meistens an mich gerichteten, Briefe beantwortete ich. Für den Hör-Verstehen-Teil einer Klassenarbeit nahm ich zusammen mit einer Lehrerin ein Gespräch über Berlin auf, zu dem die Schüler/innen in der Klassenarbeit Fragen beantworteten.

Zu meiner schönen Zeit in Australien haben auf jeden Fall auch die beiden Gastfamilien beigetragen. Die erste Gastfamilie hatte zwei Kinder (9 und 11 Jahre) und lebte relativ weit südlich auf der Mornington Peninsula, sodass ich mit meiner Gastschwester fast eine Stunde mit dem Schulbus zur Schule fahren musste. Dies war aber keinesfalls schlimm, der Busfahrer war sehr nett, hat sich oft mit den Schüler/innen und mir unterhalten und ein paar Mal konnte ich vom Bus aus auch Kängurus sehen. Eines ist sogar vorm Bus über die Straße gesprungen! Die Natur in Red Hill und Umgebung war wunderschön und meine Gastfamilie und ich haben oft Spaziergänge am Strand gemacht. Generell habe ich mich von Anfang an als Teil der Familie gefühlt und wir haben uns alle sehr gut verstanden. Nach ungefähr fünf Wochen bin ich zur zweiten Gastfamilie gewechselt, die nur fünf Minuten mit dem Auto entfernt von der Schule wohnte. Auch sie hatte zwei Kinder (10 und 12 Jahre) und die Mutter hat als Krankenschwester in der Schule gearbeitet. Mit ihnen habe ich mich ebenfalls gut verstanden und durfte sogar ein Wochenende in Lorne auf der Great Ocean Road mit ihnen verbringen.

Nach dem Term hatte ich noch ein paar Wochen Zeit zum Reisen und konnte so noch mehr von Australien sehen. Ich war unter anderem in Adelaide, Canberra, Sydney, den Blue Mountains und natürlich in Melbourne.

Insgesamt war die Zeit in Australien eine der schönsten (wenn nicht sogar die schönste) Erfahrung, die ich bis jetzt machen durfte. Ich habe viele liebe Menschen kennengelernt, die wunderschöne australische Tier- und Pflanzenwelt gesehen, viel Englisch sprechen können und eine tolle Zeit am Toorak College gehabt, von der ich bestimmt in meiner Referendariatszeit profitieren kann. Auch wenn ich anfangs dachte, dass knapp drei Monate schon eine relativ lange Zeit sind, wäre ich am liebsten noch länger in Australien und am Toorak College geblieben!