Social & Wildlife in Südafrika

Ich heiße Johanna und habe für insgesamt sechs Monate in Südafrika gelebt und gearbeitet, davon vier Monate in einem sozialen Projekt, einen Monat in einem Wildlife-Projekt und den letzten Monat habe ich mit Reisen verbracht.

Nach den Orientierungstagen der südafrikanischen Partnerorganisation wurden wir direkt in unser Projekt gebracht und es konnte losgehen. Zu Beginn waren wir dort zwei deutsche Mädchen und obwohl wir uns vorher nicht kannten, war ich froh, am Anfang nicht alleine zu sein.

Das soziale Projekt war ein Kinderheim in Soweto, in dem wir auch gelebt haben. Dort leben Kinder vom Säuglingsalter bis zur Volljährigkeit, die keine Eltern mehr haben oder aus irgendeinem Grund nicht mehr bei ihnen leben können. Auf dem Gelände stehen sechs Cottages sowie das Haupthaus, in dem Verwaltung, Sozialarbeiter, Computerraum und die Nursery (0-5 Jahre) untergebracht sind. In fünf der Cottages wohnen je ca. zwölf Kinder in verschiedenen Altersgruppen familienartig mit einer Hausmutter zusammen. Im sechsten Cottage wohnten wir Freiwilligen alle zusammen. Insgesamt leben etwa 90 Kinder dort, 30 in der Nursery und 60 in den Cottages. Wir haben hauptsächlich mit den Kleinen in der Nursery gearbeitet, da die Älteren tagsüber die Schule besuchten.

Unser Arbeitstag begann jeden Tag um 7 Uhr mit Baden, Anziehen und Füttern. Das war der hektischste und anstrengendste Teil des ganzen Tages, wenn 30 lärmende Kinder in einem Badezimmer sitzen und hellwach sind, während man selbst eher noch müde ist. Man gewöhnt sich aber ziemlich schnell daran und lernt viel von den Schwestern, die in der Nursery arbeiten. Nach dem Frühstück kamen unter der Woche die „Grannys“, die mit den Kindern gearbeitet haben, eine Art Vorschule. Ein oder zwei Kinder zusammen hatten eine Granny zugeteilt, sodass jeder auch eine eigene Bezugsperson hat, wie es Zuhause in einer Familie auch wäre. Während dieser Zeit gab es in der Nursery meist wenig Arbeit für uns, manchmal blieben Kinder übrig, mit denen wir auf den Spielplatz gehen konnten. Ansonsten machten wir Pause oder halfen in der Rezeption mit. Zum Mittagessen waren wir so ab 11 Uhr wieder zurück in der Nursery, um 12:30 Uhr begann für die Kleinen der Mittagsschlaf und für uns die Mittagspause. Bis 15:30 Uhr hatten wir frei, dann folgte Spielen, Abendessen und um 17:30 Uhr endete der Arbeitstag für uns. Wann immer wir nicht in der Nursery waren, blieb auch Zeit, um mit den älteren Kindern zu interagieren. Oft haben wir abends noch Basketball oder ähnliches gespielt.

In der Woche hatten wir einen freien Tag, den wir nach Belieben legen konnten. Viele Freizeitmöglichkeiten gab es in Soweto für uns nicht wirklich, zu Fuß gab es erst recht nichts, was wir erreichen konnten. Unsere Ausflüge bestanden deshalb aus der Tankstelle am Ende der Straße und der Mall, zu der wir aber immer gefahren wurden, weil es schon zu weit weg war. Es gab auch einen öffentlichen Bus nach Johannesburg, das dauerte jedoch über eine Stunde und dazu reichte die Zeit meist nicht. Unser Manager war auch sehr auf unsere Sicherheit bedacht, weshalb wir am Anfang nur wenig aus dem Kinderheim herauskamen. Etwa jedes dritte Wochenende konnten wir im Guest House bei der südafrikanischen Partnerorganisation in Johannesburg verbringen, was auch nötig war, damit man mal etwas anderes sieht und machen kann. In dieser Hinsicht hätte ich lieber bei einer Gastfamilie gelebt, so hätte man wahrscheinlich mehr unternehmen können und mehr Leute kennen gelernt bzw. auch südafrikanische Freunde gefunden, wir dagegen lernten außerhalb des Kinderheims kaum jemanden kennen. Dafür hatten wir in unserem Häuschen die Freiheit zu tun und zu lassen, was wir wollten. Wir konnten für uns selbst kochen und lebten wie in einer WG zusammen.

Natürlich nerven die Kinder manchmal, vor allem, weil man die Kleinsten oft nicht versteht, da diese vor Englisch erst mal Zulu, eine der südafrikanischen Landessprachen, lernen. Spätestens beim Abschied merkt man aber, wie sehr sie einem alle ans Herz gewachsen sind! Dieser Abschied war für mich nach vier Monaten im Projekt und ich muss sagen, ich hatte eine sehr schöne Zeit dort und habe viel gelernt. Auch mit den Mitarbeitern haben wir uns gut verstanden und mit ein paar der älteren Kinder, die fast in unserem Alter waren. Danach ging es für mich weiter ins Wildlife-Projekt, einen Lion & Predator Park, wo es alle möglichen Raubkatzen und andere Tiere gab. Zu den täglichen Arbeiten gehörte das Überprüfen der Zäune, Zählen der Tiere, Füttern, Putzen und was auf der Farm sonst noch so anfiel. Zwischendurch blieb genug Zeit, die man mit den Tieren verbringen konnte, teilweise mit Spielen und Knuddeln. Insgesamt war die Arbeit oft anstrengend und einfach ganz anders als im Kinderheim. So konnte ich zwei verschiedene Aspekte kennen lernen. Von der Stadt aufs Land, eine totale Umstellung, aber auch endlich mal wieder etwas Neues. Nachts konnte man die ganzen Tiere um sich herum hören und tagsüber mit ihnen arbeiten – ein Traum für mich!

Daran schloss sich noch eine Rundreise gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen aus dem sozialen Projekt an, die wir sehr genossen haben und bei der wir das Land, in dem wir schon so lange gelebt hatten, von einer ganz anderen Seite kennen lernen durften.

Insgesamt hatte ich in Südafrika eine wunderbare Zeit und bereue den Entschluss zu einem Freiwilligendienst in keinem Fall. Es hat zwar seine Zeit gedauert, bis ich mich, vor allem in Soweto, richtig eingelebt hatte, aber danach konnte ich die Möglichkeit richtig nutzen. Ich habe so viele wunderbare Menschen kennengelernt, die in einem wunderschönen Land leben. Es gab natürlich gute und schlechte Erfahrungen, aber ich habe sehr viel gelernt während meiner Zeit hier, das ich nicht missen möchte.

Johanna