So nah und doch so fern: Mein EFD in Südtirol - Alto Adige

Im September letzten Jahres habe ich meinen EFD im Norden Italiens begonnen und nach 9 Monaten, die ich hier bereits verbracht habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Ich habe ein vielfältiges Projekt gesucht, wo man verschiedene Möglichkeiten hat, da ich mir noch unsicher war, in welche Richtung ich in Zukunft gehen möchte. Deswegen bin ich schließlich in Südtirol gelandet, mit seiner Natur, seinen Bergen und dem am Anfang doch etwas fremdartig klingenden Dialekt, an den man sich dann aber doch relativ schnell gewöhnt. Mir ist direkt die kulturelle Vielfalt aufgefallen, denn es werden vier Sprachen gesprochen (Dialekt, Italienisch, Ladinisch und Hochdeutsch) und es leben viele verschiedene Kulturen zusammen.

Meine Projektarbeit in der youngCaritas hat mir von Anfang an sehr gefallen. Meistens helfe ich im Büro mit, d.h. ich stelle Materialien für verschiedene Projekte zusammen, recherchiere, schreibe Texte, arbeite am Computer, fotografiere und mache zum Beispiel Dekoration oder Infoplakate für Feste oder andere Veranstaltungen. Ich kann also meiner Kreativität freien Lauf lassen und auch eigene Vorstellungen und Ideen verwirklichen. Zusammen mit den youngCaritas Mitarbeiterinnen gehe ich oft in Schulen, um Präsentationen über verschiedene soziale Projekte zu halten, bei denen sich Jugendliche und Kinder engagieren können.

Es werden auch verschiedene Workshops zu sozialen Themen angeboten, bei denen ich manchmal mit dabei bin. Während meiner Zeit hier hatte ich die Möglichkeit einen neuen youngCaritas Workshop zu entwerfen, der sich mit Handys befasst und warum man diese (gerade wegen ihres Herstellungsprozesses) vielleicht ein wenig kritischer betrachten sollte.

Zu Beginn bin ich einmal die Woche nach Meran gefahren, um dort bei einem Dienst für Menschen mit Behinderung bei der Wassergymnastik mitzuhelfen. Da ich jedoch während meiner Zeit hier so viel wie möglich ausprobieren möchte, habe ich nach einem halben Jahr zu einem anderen Caritas Dienst gewechselt, bei dem es sich um ein komplett anderes Thema dreht. Eines, über das oft Stillschweigen bewahrt wird. Und zwar um das des Gefängnisses. In diesem Dienst wohnen Männer, die einen Gefängnisaufenthalt hinter sich haben, und danach Hilfe brauchen, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden, Arbeit zu finden oder auch um wieder mit der Familie in Kontakt zu treten.

Ich helfe dort jeden Donnerstag im Büro und freitags verbringe ich meine Zeit mit den Bewohnern der Struktur, begleite sie in ihrem Alltag, gebe ein bisschen Deutschunterricht oder helfe ihnen bei Bewerbungen. Die meiste Zeit aber höre ich einfach nur zu und unterhalte mich mit ihnen. Denn oft ist es genau das, was ein Mensch braucht, der lange keine sozialen Kontakte pflegen konnte. Sie erzählen mir immer sehr interessante Geschichten, von Reisen, die sie gemacht haben oder Dinge die sie erlebt haben. Ich habe definitiv viel von ihnen gelernt und dass ich von Anfang an absolut keine Vorurteile hatte, hat auch geholfen, mit ihnen ganz normal zu kommunizieren und umzugehen.

Ich habe mir auch viele andere Caritas Dienste angeschaut, zum Beispiel eine Flüchtlingsberatung oder ein Obdachlosenheim, und mir ist klar geworden, dass es oft auch in der näheren Umgebung Probleme gibt, um die sich gekümmert werden muss.

Mein Fazit ist also, dass es oft gar nicht notwendig ist, sehr weit weg zu gehen, um unglaubliche Erfahrungen zu machen und neue Dinge zu lernen.

Danke an Experiment und youngCaritas, für die gute Begleitung. Ich werde in den verbleibenden drei Monaten sicher noch viel Erleben und freue mich bereits jetzt darauf.

Tabea