Schüleraustausch aus der Sicht einer Mutter

Ein Schulbesuch im Ausland ist eine aufregende Zeit – auch für die Eltern. Im Interview erzählt Gabriele Spengler, wie sie das Auslandsjahr ihres Sohnes Simon erlebt. Simon ist seit August als Stipendiat des Parlamentarischen Patenschafts-Programms in den USA.

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Simon Spengler übermittelt Geburtstagsgrüße aus seinem Schüleraustausch in den USA

Experiment e.V.: Wie haben Sie sich gefühlt, als klar wurde, dass Simon ins Ausland geht?
Gabriele Spengler:
Es war eine sehr emotionale Zeit. Aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass der Austausch von Experiment e.V. gut organisiert ist. Es gibt Leute, die sich kümmern und für mich als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Das beruhigt.

Experiment e.V.: Was war Ihre größte Sorge vor der Abreise?
Gabriele Spengler: Am wichtigsten war für mich,

ob es ihm in seiner Gastfamilie gefällt und natürlich auch in der Schule. Zum Glück hatte Simon mit beiden Glück! Er fühlt sich sehr wohl in seiner Familie und auch in der Schule.

Experiment e.V.: Wie haben Sie reagiert, als Sie die Informationen zu der Gastfamilie Ihres Sohnes bekommen haben?
Gabriele Spengler: Wir haben die Adresse sofort gegoogled. Simons Gastfamilie wohnt in Louisville, Kentucky, da habe ich direkt an dieses berühmte Pferderennen, das Kentucky Derby, gedacht. Simon dachte nur an Kentucky Fried Chicken. Wir haben nach dem Klima geguckt und uns über Google Street View sogar das Haus und die Umgebung angeguckt. Das sah alles sehr schön aus, da waren wir schon beruhigt. Simon ist in Berlin aufgewachsen, jetzt wohnen wir mitten im Ruhrgebiet. Er ist also ein echtes Stadtkind. Von daher hätte auch eine Platzierung in einer großen Stadt gut zu ihm gepasst und tatsächlich hat der Großraum um Louisville 1,7 Millionen Einwohner. Da Kentucky aber ein eher ländlicher Bundesstaat ist, lernt er als Stadtkind jetzt auch die Natur kennen und war schon mit den Pfadfindern im Wald unterwegs.

Experiment e.V.: Simon geht auf eine sehr kleine Schule mit nur 135 Schülern/innen. Finden Sie das eher positiv oder negativ?
Gabiele Spengler: Die lokale Betreuerin von Simon hat einen guten Kontakt zu einer kleinen High School, zu der auch Simons Gastbruder geht. Ich fand das toll und habe mich gefreut, aber Simon war weniger begeistert. Er befürchtete, dass er die Umstellung auf so eine kleine Schule nicht machen könnte, er nicht das erleben würde, was andere Austauschschüler auf normal großen Highschools erleben würden und er nicht so viel Spaß haben könnte, da es schnell langweilig werden könnte. Dies hat sich mittlerweile jedoch überhaupt nicht bestätigt. Im Gegenteil: Simon fühlt sich total wohl, genießt jeden Tag an seiner Schule und hat viele, enge Freundschaften geschlossen. Er unternimmt ganz viel mit seinen Mitschülern und nimmt auch an vielen Schulaktivitäten teil, wie dem Jahrbuch Club, dem Salsa Club, dem Fußballteam und dem Community Service, der z.B. einen Lauf für die Unterstützung von Obdachlosen organisiert und vieles mehr.

Experiment e.V.: Wie erleben Sie die Zeit ohne Simon?
Gabriele Spengler: Ich stehe mit Simon regelmäßig im Kontakt, so dass ich trotz der Entfernung viel mitbekomme. Die erste richtige Herausforderung war mein Geburtstag im September. Da hat Simon mir ein Video geschickt, in dem die ganze Schule, seine Lehrer und auch seine Gastfamilie für mich „Happy Birthday“ gesungen haben. Das war eine schöne Überraschung! Die zweite Herausforderung war dann Weihnachten. Da haben wir über Skype telefoniert und ich konnte den Weihnachtsbaum seiner Gastfamilie sehen und auch mit seiner Gastfamilie sprechen. Dann wird es wohl zu seinem Geburtstag im April nochmal komisch, aber das kriegen wir auch hin! Wenn wir sprechen sagt er immer, er zählt die Tage. Aber nicht, wann er wiederkommt, sondern wie lange er noch bleiben darf. Das zeigt mir, wie gut es ihm geht und freut mich natürlich sehr.

Experiment e.V.: Haben Sie schon etwas für Simons Rückkehr geplant?
Gabriele Spengler: Wir möchten in den Sommerferien mit dem Auto nach Spanien fahren. Fatima, eine Austauschschülerin aus Spanien, die auch an Simons Schule ist, hat uns schon eingeladen, sie in Santander zu besuchen.