Reittherapie bei SARDA - South African Riding Association

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Freiwilligendienst in Südafrika Reittherapie

Die Organisation SARDA ist eine Non-Profit Organisation, die sich mit sowohl körperlichen und als auch geistig behinderten Kindern beschäftigt. Den Kindern wird angeboten, einmal pro Woche an einem kostenlosen Reitunterricht teilzunehmen. Das Ziel dieser 60minütigen Reitstunden ist die Verbesserung der körperlichen Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Koordination. Des Weiteren sollen die Kinder sensibilisiert werden im Umgang mit Tieren, insbesondere mit Pferden. Die meisten Kinder sind Autisten, sodass der Umgang mit ihnen nicht immer einfach ist. Zum Autismus kommen oft noch körperliche Behinderungen hinzu, die die Bewegungsfreiheit der Kinder einschränken. Durch den Reitunterricht werden Muskeln gestärkt, die zu einer gesunden Körperhaltung beitragen und den Kindern helfen Bewegungen, wie zum Beispiel das Laufen, besser auszuführen. Die Kinder kommen meistens mit ihrer Schule, die auch die Hin- und Rückfahrt organisieren. Da maximal 8 Pferde gleichzeitig in der Reithalle sein dürfen und da in machen Klassen bis zu 20 Schüler sind, müssen auch manchmal während den Stunden die Pferde bzw. die Reiter gewechselt werden.

Die Aufgabe der Freiwilligen besteht darin, die Pferde vor den Stunden vorzubereiten, d.h. zu striegeln und zu satteln, sowie nach den Stunden zu entsatteln. Nach den beiden Vormittagsstunden müssen die Pferde auf die Weide gebracht werden. Zwischen den Vormittagsstunden und den Nachmittagsstunden findet eine Pause statt, die je nach Aufgabenlage meistens circa eineinhalb Stunden lang ist. Für die beiden Nachmittagsstunden müssen die benötigten Pferde von der Koppel geholt und wieder gesattelt werden. Je nach Wetterlage übernachten die Pferde entweder in ihren Boxen oder auf dem Feld. Aber in jedem Fall steht am Ende des Arbeitstages die Fütterung an, bei dem jedes Pferd seine eigene Futtermischung bekommt. Diese ist genau auf die Bedürfnisse der einzelnen Pferde abgestimmt. Zu allerletzt wird aufgeräumt und die Ställe gegeben falls für die Nacht fertig gemacht. Damit endet der Arbeitstag meisten gegen 17:30 Uhr. Am Morgen geht es um 8:30 Uhr wieder los.

Die Anreise erfolgte in meinem Fall immer mit dem Minibus: Eine Art Sammeltaxi, das eine bestimmte Strecke abfährt und unter anderem auch direkt vor der Farm hält. Diese Minibusse fahren von jedem Bahnhof ab (vom nächstgelegensten Bahnhof dauert die Fahrt ca. 10-15 Minuten). Am Anfang ist es schon mal schwer, den richtigen Minibus zu finden. Auch ist die Fahrt mit dem Minibus gewöhnungsbedürftig, aber man passt sich recht schnell an diese Art des öffentlichen Transports an. Abends habe ich übrigens auch wieder die Minibusse in die entgegengesetzte Richtung genommen. Die Minibusse fahren zu solchen Stoßzeiten halbwegs regelmäßig und man gibt am Straßenrand durch einfaches Winken bekannt, dass man auch mitfahren möchte. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Minibus wirklich zum gewünschten Ziel fährt, lässt sich das einfach durch Fragen beim Fahrer oder bei freundlichen Fahrgästen herausfinden.

Auf der Farm gibt es ein „Clubhouse“, wo man sich am Morgen Kaffee und Tee kochen kann und zum Mittag auch mitgebrachtes Essen aufwärmen kann. Morgens werden die Boxen der Pferde gereinigt. Zu Beginn des Freiwilligendienstes werden jedem Freiwilligen zwei Pferde zugeteilt, für die man die gesamte Zeit im Projekt verantwortlich ist, u.a. auch für das Ausmisten der entsprechenden Boxen.
Während den Stunden werden die Pferde von den Freiwilligen geführt. Je nach Fähigkeiten der Kinder werden noch weitere Personen benötigt, die neben dem Pferd herlaufen und auf die Kinder achten. Sie korrigieren zum Beispiel die Haltung, achten auf die Sicherheit der Kinder, geben Tipps und motivieren oder ermutigen die Reiter. Es wird darauf geachtet, dass die Kinder möglichst immer mit der gleichen Person arbeiten und auf dem gleichen Pferd reiten können, sodass sich eine Beziehung zwischen Kind und Pferd aufbauen kann. Der Unterricht besteht aus verschiedenen Elementen und wird immer von einem der sechs verschiedenen Reitlehrer geleitet. Die Elemente sind auf die Fähigkeiten der Kinder abgestimmt. Das geht über diverse Gymnastikübungen auf dem Pferd, Koordinations- und Konzentrationsübungen, Spiele, Ausritte auf dem Feld und Traben in der Halle.

Viele Kinder, die zwischen 4 und 18 Jahre alt sind, freuen sich schon auf das Reiten und auf die Pferde, andere Kinder hingegen muss man erst motivieren auf das Pferd zu steigen. Einige haben großen Respekt vor den Tieren. Dennoch ist es ein super schönes Gefühl, wenn den Kindern das Reiten so viel Spaß macht, dass sie am Ende der Stunde gar nicht mehr absteigen möchten. Auch die strahlenden Gesichter mancher Kinder sind unbezahlbar, wenn es zum Beispiel auf einen Ausritt auf dem Feld geht.

Die Arbeit auf dem Hof ist sehr laufintensiv. Da jeden Tag mind. 4 Stunden stattfinden, bei denen man die Pferde führen muss, kommen doch einige Kilometer Laufweg zusammen, an die man sich allerdings wirklich rasch gewöhnt. Außerdem ist die Arbeit sehr wetterabhängig: ist es sehr windig und regnerisch kann sowohl draußen als auch in der Reithalle kein Unterricht stattfinden, da sich die Pferde leicht erschrecken, durch das Klappern des Windes. Aber die Zeit lässt sich leicht überbrücken. Und schließlich ist in Kapstadt nicht oft schlechtes Wetter.

Ich persönlich fand die Arbeit bei SARDA sehr bereichernd. Ich habe viele neue Erfahrungen mitgenommen, vor allem im Umgang mit Autisten. Das herrlich freundliche Arbeitsklima auf der Farm und die wunderschöne Landschaft drum herum haben die Arbeit zudem versüßt. Die gesamte Crew ist sehr nett, kann viele hilfreiche Hinweise geben und hat auch immer ein offenes Ohr für alle Probleme, sodass eine Verständigung mit der Partnerorganisation oft gar nicht nötig war. Für mich war das Projekt die optimale Kombination aus der Arbeit mit Kindern und Tieren. Ich denke, mir wäre eine zu einseitige Arbeit, zum Beispiel nur mit Kindern oder Tieren recht schnell langweilig geworden. So war die Wahl des Projekts SARDA in vielerlei Hinsicht eine gute Entscheidung!

Johannes