Praktikum im Bereich Getränketechnologie

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Australien 2016

Im Rahmen meines Lebensmitteltechnologie Studiums mit dem Schwerpunkt Getränketechnologie absolviere ich derzeit ein Praktikum bei dem Duft- und Aromahersteller Firmenich Limited in Sydney/Australien. Das Unternehmen wurde in der Schweiz gegründet, ist mittlerweile an über 60 Standorten auf der Welt vertreten und zählt zu der Top 3 in der Branche.

Ich habe mich für ein Praxissemester im englischsprachigen Ausland entschieden, um mein Fachvokabular zu verbessern und die Arbeitsweise sowie Menschen und Kultur eines für mich fremden Landes kennenzulernen.

Die Anreise stellte sich schon als ziemlich abenteuerlich heraus. Ich hatte einen 13-stündigen Zwischenstopp in Peking und habe mir bei der Ankunft ein 72 Stunden Transitvisa ausstellen lassen, mich dazu entschieden kurz einmal den Flughafen zu verlassen und das erste Mal chinesischen Boden zu betreten. Leider musste ich feststellen, dass sehr wenige Menschen, auch die Mitarbeiter der Touristeninformation, Englisch sprechen konnten. Und da ich kein Chinesisch kann, hat sich das als eine schwierigere Mission herausgestellt als ich dachte. Letztlich habe ich einfach einen Zug in die Stadt genommen und dort einen netten Chinesen aus Shanghai getroffen, der Englisch sprechen konnte und mit mir den Nachmittag verbracht hat. Ich hatte ziemlich Glück, denn die Stadt war nicht ganz so überfüllt während der Zeit und ich konnte mich unbeschwert bewegen. Ich konnte mir zwar nur ein kurzes Bild von der Stadt machen, aber Peking ist definitiv auch einen längeren Aufenthalt wert. Bevor es zurück zum Flughafen ging haben wir gemeinsam einen Tee getrunken. Das war sehr neu für mich, da es scheinbar normal ist, die Teeblätter beim Trinken auf den Boden zu spucken. Nach den ersten neuen Eindrücken aus Peking ging es für mich weiter nach Australien.

Auch in den ersten Wochen in Sydney hieß es viele neue Eindrücke zu verarbeiten. Auf der Arbeit fiel es mir zunächst nicht besonders leicht auf Englisch zu kommunizieren, da ich einige Vokabeln für die Gerätschaften noch nicht kannte.

In Woche 2 fiel mir schon alles viel leichter und ich konnte immer selbstständiger im Labor arbeiten. Mittlerweile arbeite ich routiniert mit und helfe sowohl bei laufenden Projekten als auch an einem eigenen Projekt mit, bei dem ich Verkostungen von neuen Aromen mit dem Laborteam vorbereite und durchführe. Tätigkeiten bei aktuellen Projekten sind zum Beispiel Ausmischen von kohlensäurehaltigen Getränken oder Fruchtsaftgetränken, dessen Zuckergehalt reduziert werden soll oder auch alkoholische Mischgetränke. Wobei die technologische Ausstattung hier etwas weniger fortgeschritten ist als ich erwartet habe. Es gibt zwar eine Karbonisierungsanlage, diese funktioniert aber leider nicht, sodass unsere Applikationen derzeit mit dem Sodastream karbonisiert werden. Aber damit funktioniert es natürlich auch. Zwischendurch hatten wir ein paar Schulungen, Seminare und Besuche anderer Firmen, die einen Vortrag gehalten haben. Dadurch konnte ich mich nicht nur durch die Arbeit im Labor weiterbilden sondern habe auch so einiges mehr dazulernen können. Die Arbeitsatmosphäre ist total nett und locker, wie ich sie mir auch in Australien vorgestellt habe. Wir haben oft gemeinsames Mittagessen, wo entweder jeder etwas kocht und es mitbringt oder wir gehen auswärts etwas essen. Das entspannte Arbeitsklima bedeutet auch, dass meine Vorgesetzten mit Vornamen angesprochen werden, was ich zu Beginn schon seltsam fand, aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Besonders schön finde ich, dass mein Team international ist und ich somit einiges von meiner Kultur und Arbeitsweise weitergeben, aber auch einiges von anderen kulturellen Hintergründen lernen kann. Dadurch hatte ich auch die Ehre, Gast auf einer indischen Hochzeit gewesen zu sein, womit ich vor dem Praxissemester beim besten Willen nicht gerechnet hätte. Das war total schön und spannend. Von dem Labormanager musste ich mich früher verabschieden als ich dachte, da er für 6 Wochen bei Firmenich in Singapur eingesetzt wird und dann von dort aus arbeitet.

Den Feierabend und die Wochenenden habe ich oft genutzt um mit Freunden die Stadt, aber auch umliegende Nationalparks oder Orte zu erkunden. Da ich das Meer liebe, haben mir daher besonders die Wege entlang der Küste gefallen und davon gibt es hier in Sydney sehr viele. Ein persönliches Highlight für mich war, als ich am Wochenende nichts ahnend mit der Fähre in die Stadt gefahren bin und plötzlich vom Kapitän eine Durchsage kam, dass wir in einer Bucht einen Wal beobachten können. Ich konnte es erst gar nicht glauben und habe erst nur ein paar Mal die Flosse gesehen und dann ist der Wal tatsächlich noch aus dem Wasser gesprungen und hat sich ein wenig gedreht. Sagenhafter Moment.
Außerdem hatte ich das Glück, dass ich das Vivid Lichtfestival miterleben durfte. In der Stadt wurden einige Musik- und Lichtinstallationen aufgebaut und 3 Wochen lang für Besucher kostenlos inszeniert. Da ich so etwas noch nie zuvor bestaunen durfte, war ich sehr angetan und habe mich jeden Besuch aufs Neue gefreut, es mir anzusehen. Allerdings ging es nicht nur mir so und die Menschenmassen waren zum Teil ganz schön unangenehm, besonders an den Wochenenden.

Als angehende Getränketechnologin habe ich mir natürlich die umliegende Weinregion angeschaut und dabei einige Winzereien, eine Brennerei und eine Brauerei besichtigt. Das war auch aus beruflicher Sicht sehr interessant, da ich doch die eine oder andere Anlage wiedererkannt habe und die rechtliche Lage von Zusatzstoffen außerhalb von Deutschland sich natürlich auch etwas anders gestaltet. So ist ein Quinoa-Bier genauso denkbar, wie ein klassisches aus Gerste.

Ich habe zwar nicht mein Herz an Australien verloren, wie viele andere vor mir, aber ich habe das es auf jeden Fall in mein Herz geschlossen. Die Natur ist einfach sagenhaft schön, in einem Moment kannst du dich in einer Sanddüne befinden und im nächsten findest du dich in einem Wald an der Küste wieder.
Alles in Allem bin ich sehr glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Ich bin schon jetzt um einige Erlebnisse, Erfahrungen, Fach- und Sprachkenntnisse und gute Freunde reicher geworden und dankbar für die Möglichkeit, die sich mir auch Dank des Erhalts des PROMOS Stipendiums und der tatkräftigen Unterstützung meines Vaters geboten hat. Die restlichen 5 Wochen bis zu meiner Rückkehr werde ich nutzen, um noch ein bisschen mehr des Landes kennenzulernen und freue mich dabei besonders auf die Outback Tour zum Ayers Rock.