"Nie werde ich diese tolle Zeit vergessen"

Eleni verbrachte sechs Monate in Costa Rica:

„La vida te sonrie si la miras sonriendo“ (Das Leben lächelt Dich an, wenn Du es lachend anschaust), mein Lieblingsspruch, begleitete mich die ganze Zeit, denn er ist einfach so wahr…

Endlich erfüllte sich im September 2012 mein größter Traum … Ich werde ein halbes Jahr alleine in Costa Rica leben und arbeiten. Trotz eines tränenreichen Abschiedes war meine Vorfreude auf mein neues und ungewisses Leben unbeschreiblich groß. Die erste große Aufregung überkam mich im Flugzeug! Wo komme ich hin, wo werde ich genau leben, wie ist meine neue Familie, werde ich Freunde finde, wie ist meine Arbeit, reichen meine Sprachkenntnisse aus und und und… Fragen über Fragen, die nicht unbeantwortet geblieben sind! Am Flughafen wurde ich von einem Mitarbeiter der Partnerorganisation erwartet. Er hatte lediglich ein Stück Pappkarton mit meinem Namen drauf in der Hand! Das war der Zeitpunkt, ab dem mein großes Abenteuer „Costa Rica“ begann.

Noch am gleichen Tag lernte ich meine Gastfamilie kennen… Meine Gastgeschwister waren total aufgeregt und plapperten die ganze Zeit auf mich ein, doch ich verstand leider fast kein Wort. Dennoch war der erste Eindruck sehr gut und ich war super erleichtert! Denn eine tolle Gastfamilie war das Wichtigste für mich. Außerdem zählten zu der Familie noch 4 Hunde, ein Hamster, ein Papagei und Fische :) Auch von den Wohnverhältnissen war ich positiv überrascht, denn das Haus war sehr gut ausgestattet.

Doch leider währte meine Euphorie nicht lange und der „Luxus“ im Sinne von eigenem Zimmer, zusätzliches Essen, Wäsche gewaschen bekommen und ein Fernseher erfüllten nicht meine Vorstellungen von schönem Familienleben und Willkommen sein… Es ereigneten sich verschiedene Dinge, die mir das Zusammenleben mit meiner Gastmutter nicht mehr ermöglichten. Eine Welt ist für mich zusammen gebrochen, als ich nach 3 Monaten des Abwartens und Hoffens auf Besserung dann letztendlich den Entschluss fasste die Familie zu wechseln! Doch meine Koordinatorin Tanya unterstützte mich in meinem Vorhaben und ermöglichte mir einen schnellen Wechsel, indem sie sich um eine neue Gastfamilie bemühte. Nach dem Wechsel hat für mich dann nochmal ein neues Costa Rica begonnen… Der Schritt in das Neue und Ungewissen lohnten sich.

Meine zweite Familie war für mich wie ein 6-er im Lotto! Für meine Gastoma Doña Sonia, Gastmutter Tania und deren Tochter war ich weder Ausländerin noch Gast, sondern ein Familienmitglied! Sie behandelte mich wie ihre Enkeltochter und ich brachte ich mich in das Familienleben mit ein. Am liebsten verbrachte ich nun die Zeit mit meiner neuen Familie im Wohnzimmer bei Tee, Kuchen oder Arepas. Wir unterhielten uns und ich machte endlich riesen Fortschritte in Spanisch. Sie hörten mir aufmerksam zu und erklärten mir die Dinge, wenn nötig dreimal :).Wir haben gekocht und gebacken, haben uns DVDs angeschaut, Ausflüge gemacht und die Zeit zusammen genossen. Ich habe eine neue Familie dazugewonnen, die mir so sehr ans Herz gewachsen ist, dass ich sie auf jeden Fall so bald wie möglich wieder besuchen möchte und fast wöchentlich mit ihnen skype!

Ich könnte noch viele tolle Worte über sie verlieren, doch auch mein Projekt lag mir sehr am Herzen und sollte nicht zu kurz kommen! Jeden Morgen um 8 Uhr beginnt meine Arbeit in einem Kindergarten für sozialschwache Familien, der 30 Minuten zu Fuß von meinem Zuhause entfernt ist.

Wir waren dort 3 Freiwillige und rotierten wöchentlich durch 3 verschiedene Gruppen! Jede Gruppe hatte zwischen 20 und 30 Kinder, die im Altern von 2 - 7 Jahre waren. Insgesamt gab es 6 Gruppen und ca. 130 Kinder. Die Kindergärtnerinnen und unsere Chefin waren super lieb und ich fühlte mich dort immer willkommen!

Es war zu Beginn anstrengender als erwartet machte aber riesig viel Spaß! Doch damit war ich noch nicht 100 prozentig zufrieden… Ich wollte noch mehr helfen! Also planten wir drei Freiwilligen noch weitere Projekte. Die schmutzigen Teppiche, auf denen die Kinder tagein tagaus spielten, waren uns ein Dorn im Auge… Das letzte Mal wurden sie vor einem Jahr gereinigt. Also klopften, schruppten und spritzten wir insgesamt 21 Teppiche außen im Patio von Hand. Genauso putzten wir die ganzen Möbel und verliehen ihnen eine neue Farbe. Auch den kahlen Betonboden im Patio verschönerten wir, indem wir eine Art „Twister“ und eine Hüpfschnecke für die Kinder in bunten Farben auf den Boden malten! Sie liebten ihre neuen Spielzeuge! Für Weihnachten überlegten wir uns etwas Besonderes. Da unsere Kindergärtnerinnen und unsere Chefin den Kindern gerne eine Kleinigkeit zu Weihnachten schenke wollte, doch die finanziellen Mittel nicht ausreichten, hatten wir die Idee den Kindern echte deutsche Plätzchen zu backen! Ohne Nudelholz, Vanillezucker und richtige Backutensilien machten wir uns ans Werk! =) Insgesamt standen wir 6 Stunden und das Resultat waren mehr als 300 Plätzchen!! Wir verkleideten uns als Engelchen und Weihnachtsmann, sangen deutsche Lieder und verteilten die Plätzchen! Das war ein riesen Spaß!
Die Zeit verging leider viel zu schnell und nach sechs Monaten musste ich mich schon wieder verabschieden! Nie werde ich diese tolle Zeit mit den Kindern und Kindergärtnerinnen vergessen!

Auch alle Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse werden immer in meiner Erinnerung bleiben. Viele Dinge, die ich dort sehen und erleben durfte habe sowohl meinen Charakter, meine Lebensweise, mein Verhalten und mein Bewusstsein beeinflusst und verändert. Alleine in ein fremdes Land, fremde Kultur und vor allem die fremde Sprache verlangen einem schon einiges ab. Doch ich hatte mich wacker geschlagen und erfreu mich nun an einem gestärkten Selbstbewusstsein und neuem Selbstverständnis. Erst im Nachhinein ist mir wirklich bewusst, was ich alles alleine organisiert, durchgestanden und geschafft habe. Ich habe mich nicht der neue „Welt“ untergeordnet, sondern wurde so, wie ich war akzeptiert und erlangte neues Durchsetzungsvermögen. Auch betrachte ich nun manche Dinge, die bei uns selbstverständlich sind und über die wir uns gar keine Gedanken machen, aus einer anderen Perspektive und bin stolz auf meine neue Wertschätzung. Eben gerade auch die Behauptung „Geld und Luxus machen nicht glücklich“ bestätigte sich, wie ich ja selbst erlebt habe… Dabei habe ich gelernt auch unangenehme Dinge anzusprechen, Probleme auch ohne andere Hilfe zu lösen und selbstständig für mich zu sorgen.

Diese sechs Monate habe mich definitiv offener, reifer und erwachsener werden lassen. Heute meine Alltag und mein Studium alleine zu meistern, unabhängig zu sein und mein eigenes Leben zu führen, verdanke ich zu großen Teilen allen meinen in Costa Rica gesammelten Erfahrungen. Jeder Zeit würde ich dieses unvergessliche Abenteuer wiederhohlen und kann es jedem nur ans Herz legen, selbst eine solche Erfahrung fürs Leben zu machen! Das kann einem keiner mehr nehmen!!!

Eleni