Nicaragua und Costa Rica - 6 Monate Freiwilligendienst in 2 verschiedenen Ländern (2014-15)

Mein Name ist Yannik, ich bin 19 Jahre alt und ich habe vor einem Jahr einen sechsmonatigen, flexiblen Freiwilligendienst geleistet. Zuerst war ich in einem Sozialprojekt für Kinder und Jugendliche in Granada, Nicaragua, tätig und anschließend unterstützte ich ein Meeresforschungs- und Aufzuchtzentrum in Puntarenas, Costa Rica.

Bei meiner nächtlichen Ankunft im Oktober hatte ich das Gefühl, gegen einen Wall aus Hitze zu laufen und begann sofort zu schwitzen. Das ist ja auch logisch, wenn man vom kalten Deutschland ins tropisch heiße Nicaragua kommt. Nach einer einstündigen Autofahrt und ohne zu wissen, wer mich wo in Empfang nehmen würde, hielten wir an einer Straßenecke und ehe ich mich versah, wurde ich herzlichst von meiner Gastfamilie in Empfang genommen.

Da ich an einem Freitag ankam, hatte ich direkt das Wochenende, um mich langsam an das neue Umfeld zu gewöhnen – und hatte natürlich sofort eine erste Auseinandersetzung mit dem Essen der Straße und meinem Verdauungssystem, weil ich nicht geduldig genug sein konnte. Mein Tipp für euch: Nach und nach herantasten, nicht jeder europäische Magen ist dafür geschaffen.

Glücklicherweise war der erste Schwächeanfall schnell überwunden, sodass ich die ersten beiden Wochen verpflichtenden Sprachkurs besuchen konnte. Nicht nur sprachlich hatte sich der Kurs ausgezahlt, auch allgemeine Informationen über Nicaragua, seine Geschichte und Kultur kamen nicht zu kurz. Außerdem lernten wir Granada und Umgebung kennen und man half uns bei allen möglichen anfänglichen Problemen wie z.B. der Besorgung und Aktivierung einer nicaraguanischen SIM-Karte und teilweise bei der Beschaffung von neuen, preiswerten Handys, da die deutschen Geräte öfters nicht kompatibel waren.

Schneller als gedacht war der Kurs vorbei und der erste Tag im Projekt „Carita Feliz“ stand vor der Tür. Dieses Sozialprojekt ist eine Art Parallelprogramm zur Schule. Die Kinder aus der Gegend, die vormittags/nachmittags in der Schule waren, kamen nachmittags/vormittasgs zum Projekt um ihre Hausaufgaben zu machen. Außerdem lehrte man Schreiben, Englisch und Mathematik sowie den Umgang mit dem Computer, und es gab eine Art kostenlose Mensa, bei der abends auch die Erwachsenen aus dem Viertel zum Essen kommen konnten. Der Spaß sollte natürlich nicht zu kurz kommen und da Nicaragua ein lateinamerikanisches Land ist, durften der Tanz und die Piñata natürlich nicht fehlen.

In den Eingangstoren „ausgesetzt“, wusste man zuerst nicht sofort, wer ich sei und was ich hier zu suchen hätte, aber nach ein paar Sätzen wurde ich durch das Projekt geschleift und durfte mir einen Teilbereich aussuchen, in dem ich am liebsten arbeiten würde – wie viel und wann ich arbeite sei mir selbst überlassen. Somit war Eigeninitiative gefordert und das ist auch gut so. Schließlich war ich hier freiwillig und wollte einen Beitrag leisten.

Ich entschied mich dafür, morgens in der Vorschule die Professoren zu unterstützen d.h. bei der Guten-Morgen-Zeremonie mittanzen, Hausaufgaben korrigieren, Zahlenspiele spielen, um das Zahlenverständnis zu fördern, zu buchstabieren, ab und zu den Englischunterricht zu leiten, wenn der Englischlehrer nicht zur Stelle war, beim Computerunterricht überwachen, dass jeder seine Aufgaben macht und sich nicht sonst wo im Internet herumtreibt, bei der Essensausgabe mithelfen, sodass jeder fair behandelt wurde und in den Pausen als Spielobjekt der allgemeinen Heiterkeit zu dienen. Nach der Mittagspause ging es so ähnlich weiter, allerdings mit den Kindern im Grundschulalter.

Immer wieder gab es abendliche Veranstaltungen, bei der sich in der Haupthalle bis zu 600 Menschen einfanden, beispielsweise bei einem Tanzwettbewerb oder einem Jubiläum. Des Weiteren gab es eine Passion, bei der die ganzen Kinder verkleidet waren und einiges mehr. Man hätte Tage im „Carita Feliz“ verbringen können, ohne dass es einem langweilig wird und die Kinder schaffen es immer wieder aufs Neue, einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, weil man einfach weiß, dass (zumindest ein Großteil ihrer Aussagen) direkt vom Herzen kommt.

Viel zu schnell verging die Arbeit, die ich leider wegen eines Leistenbruchs frühzeitig beenden musste. Um ein bisschen die Angst zu nehmen: Das private Krankenhaus in Managua ist auf einem sehr modernen Stand, hat meiner Meinung nach qualifizierte Ärzte und die Dr. Walter-Versicherung übernimmt ohne Probleme die Kosten, sodass ich mich auch direkt vor Ort operieren lassen habe. Medikamente und Schmerzmittel sind aus eigener Erfahrung auch kein Problem, da (zum Glück!) so gut wie nichts, in denen sich an jeder Ecke befindenden Apotheken verschreibungspflichtig ist und sehr preiswert.

Wenn wir schon beim Thema Gesundheit sind: Zu dem Zeitpunkt als ich im Land war, war Malaria kein Problem, Dengue selten und Chikungunya nicht bekannt. Straßenhunde gibt es wenige. Außerdem wurden gezielte Maßnahmen (Kastration) eingeleitet, um den Fortbestand einzudämmen und beißen tun die so gut wie nie. Das Wasser aus der Leitung ist nicht unbedingt empfehlenswert und das Essen von Straßenständen gewöhnungsbedürftig. Das gleiche kann ich ebenso von Costa Rica behaupten.

Nachdem ich nach der Operation wieder halbwegs gehen konnte, ging es dann mit dem Bus ins Nachbarland Costa Rica auf den Landarm im Meer: Puntarenas, genauer gesagt Chacaritas. Ebenso freundlich wie in Nicaragua wurde ich dort von meiner neuen Gastfamilie aufgenommen und meine Gastschwestern zeigten mir die Umgebung. Dabei fiel mir schnell auf, dass dies nochmals eine komplett andere Erfahrung werden sollte. Während in Granada noch relativ viele Touristen unterwegs waren und es massenweise andere Freiwillige gab, stellte sich der Landarm als Durchgangsort heraus, an dem es keine Besucher wirklich hielt. Somit baute ich eine viel engere Bindung zu den Einheimischen auf, was eine sehr schöne Erfahrung war.

Mein Projekt, in dem ich die nächsten Wochen verbringen durfte, nannte sich „Parque Marino“ und dort wurden alle möglichen verletzten Meereslebewesen aufgepeppt, Aquarien, sowie Terrarien für Besucher versorgt und Fische, die sich wegen Überfischung im Pazifik nicht selbstständig und schnell genug vermehren können, erforscht und gezüchtet.

Auch wenn die Arbeit ebenso anstrengend war wie die Arbeit in Nicaragua, war es eine ganz andere Art von Anstrengung. In Nicaragua war es Action pur im Kampf um die Autorität vor einer Horde wild geworden Kinder, dazu mein mittelmäßiges Spanisch. In Costa Rica ging es eher um Geduld, Genauigkeit und teilweise auch einfach nur Ausdauer, wenn man bei 60°C unter Metalldächern Fischtanks ausputzen musste.

Von Anfang an wurde ich der Forschungs- und Zuchtsektion zugeteilt, in der es leider von Februar bis April (Forschungszeitraum) nicht allzu viel zu tun gab. Dies hinderte allerdings nicht daran, sich dennoch sinnvoll im Projekt zu integrieren. Dank meiner netten und verständnisvollen Kollegen und ein bisschen Eigeninitiative, war dies kein großes Problem. Meine tägliche Arbeit bestand aus der Bestimmung von Wasserwerten, Temperatur etc., der Untersuchung und Vermehrung von Mikroorganismen und der Kontrolle des Gesundheitszustands und Entwicklung zweier Fischarten. Natürlich war ich nicht nur hier um Arbeit zu machen, die mir Spaß machte. Deshalb habe ich wie andere auch, Fischtanks und Filteranlagen geputzt.

Als interessantes Extra gab es immer wieder Ausflüge auf z.B. Außenposten in einem Pazifikarm, wo sich eine externe Zuchtstation befand oder Guppys als Alimente in einem Fluss fangen. Nach ein paar Wochen wurde mir ein kleines Zusatzprojekt zugeteilt, die Aufzucht von Seepferdchen und Clownfischen, was sich allerdings nicht mehr komplett realisieren ließ während meines kurzen Aufenthalts.

Die unterschiedlichen Arbeiten in den beiden Ländern haben mir sehr viel Spaß gemacht und ich könnte nicht behaupten, dass das eine besser war als das andere, weil es auch einfach nicht vergleichbar ist.

Nicaragua und Costa Rica sind beides wunderschöne Länder mit toller Natur und herzlichen Menschen. Auch wenn vieles anfangs etwas chaotisch und unorganisiert wirkt, nimmt alles seinen Lauf und wird schon klappen, wenn man sich nur darauf einlässt.