Meine zweite Heimat – IJFD 2016 in Thailand

Nach 3 Monaten habe ich das Gefühl gehabt, richtig Zuhause angekommen zu sein. Zur Partnerorganisation hat man engen Kontakt durch das Family-Dinner jeden Mittwoch. Wir haben nicht nur Organisationspunkte besprochen, sondern haben auch in der Freizeit viel zusammen unternommen wie z. B. Essen gehen, in einen Jazzclub gehen etc. Durch Wad (CCT-Direktor) haben wir auch viel Hilfe und Unterstützung bekommen (als wir z. B. nach Vietnam wegen unseres Visas mussten). Ich bin froh CCT meine Familie nennen zu können.

Englisch zu sprechen fällt mir von Tag zu Tag leichter, da man sich in seinem Umfeld (Arbeit, WG, Cafés, Restaurants, Märkte etc.) nur mit Englisch zurechtfindet bzw. auch im Alltag nur Thai oder Englisch gesprochen wird. Die Unsicherheit und Angst Englisch zu sprechen ist wie weggeblasen. Da wir auch viele WG-Mitglieder aus englischsprachigen Ländern haben, ergibt sich sogar immer die Möglichkeit verbessert zu werden.

Ich selbst bin an das WG-Leben schon vollkommen gewöhnt und komme auch super zurecht. An das Kommen und Gehen der Leute hat man sich schon einigermaßen gewöhnt. Jedoch gibt es 2-3 Leute, die auch mal Länger als 4-5 Wochen bleiben. Das ist sehr schön, da man auch engere Verbindungen knüpfen kann. Da fast alle aus unterschiedlichen Ländern kommen, ist in der WG ein erfrischender, multikultureller Mix vorhanden, der das WG-Leben versüßt. Wir unternehmen viel zusammen wie z.B. feiern gehen, essen gehen, Ausflüge an Wochenenden unternehmen, Chiang Mai erkunden etc.

Morgens stehen Sophie und ich als erstes auf, da Wildflower-Home-Mitarbeiter immer zuerst zur Arbeit gebracht werden und auch immer eher von der Arbeit abgeholt werden. Während wir auf der Arbeit sind kocht und putzt Ppon (unsere „Hausmutter“). Nachmittags bzw. eher abends essen Sophie und ich nach der Arbeit, gehen ins Fitnessstudio und genießen die paar Minuten Ruhe bevor die anderen kommen. Meistens ist es schon 19:00 oder 20:00 Uhr nachdem die anderen gegessen haben und wir sind oft alle sehr kaputt von der Arbeit, sodass wir Abends entweder zusammen einen Film schauen oder kurz in ein Café gehen um einen Tee oder so trinken.

An den Aufgaben im Wildflower Home hat sich nicht viel verändert. Sophie und ich wechseln uns ab mit der Kinderbetreuung. So ist sie z.B die erste Woche morgens bei den Kindern und ich mittags und die andere bei den Müttern und in der zweiten Woche ist es genau anders herum. Zu den Aufgaben gehören: mit den Müttern kochen, Holz hacken und zum Trocknen lagern, im Garten oder auf der Farm helfen, Unkraut zupfen, Englisch unterrichten, im Online-Shop helfen, indem man Sachen einpackt, Preisschilder entwirft etc., Facebook-Posts für Wildflower Home verfassen, putzen, einkaufen gehen…Sophie und ich durften sogar schon eigene Projekte leiten wie z.B Yoga, Ballett unterrichten, Zäune streichen, Weihnachtsplätzchen backen und Teelichter entwerfen. Unser Tag endet meistens um 15:30 /16:00 Uhr. Die Bindung zu den Kindern ist sehr eng und ich habe jedes einzelne ins Herz geschlossen. Dass viele Mütter kaum Englisch sprechen ist kein Problem mehr. Wir verstehen uns trotzdem, albern rum, reden und sind inzwischen schon Freunde. Erst hier wird mir deutlich, dass Sprache zwar sehr wichtig ist, aber nicht immer unbedingt notwendig, um miteinander gut auszukommen.

Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Arbeit, durch die Mütter und durch die Kinder viel mehr begreife und lerne als ich gedacht hätte. Hier lernt man geduldig zu sein, offen für alles zu sein, nicht zu urteilen, Dankbarkeit, Sachen hinzunehmen wie sie sind, anstatt wütend zu werden, glücklich über Kleinigkeiten zu sein und vieles mehr, was ich nicht in Worte fassen kann. Probleme gibt es kaum noch auf der Arbeit, da man sich an den Arbeitsalltag und an die Kinder und Mütter gewöhnt hat und gelernt hat auf die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Im weiteren Verlauf wurde ich auch immer stressresistenter und habe mich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Meine Pläne konnte ich insofern umsetzen, dass ich mit den Müttern die Gärten von Unkraut befreien konnte und somit wieder die Möglichkeit bestand Obst und Gemüse anzupflanzen.

Thailand fühlt sich nicht mehr wie ein fremdes, geheimnisvolles Land an. Es ist meine Heimat geworden. Ich habe sowohl den Norden als auch den Süden des Landes kennengelernt. Während meines Aufenthaltes habe ich viele wichtige Menschen getroffen, die mir ans Herz gewachsen sind. Mit ihnen verbinden mich viele schöne Momente. Ich komme mir nicht mehr vor wie ein Außenstehender, denn ich habe mit Thais gelebt, sie jeden Tag erlebt, deren köstliche Nahrung gegessen und ihre Kultur und Religion kennengelernt.

Der Abschied fiel mir sehr schwer. Es gab eine große Abschiedsfeier und es war schön zu sehen, wie viele Leute gekommen sind: Unsere WG-Mitglieder, CCT, andere Freiwillige, Backpacker und andere Einheimische. Ich bin mit einem lachenden und weinenden Auge gegangen. Ich bin froh Thailand meine Heimat nennen zu können.