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Schuleraustausch-Amerika-Gastfamilie

Meine Zeit in Lee’s Summit

Ich hätte 10 und habe über 7 Monate lang in der Nähe von Kansas City, Missouri in den USA gelebt. Ich habe in dieser Zeit eine Menge Leute kennengelernt und eine Art zweites Zuhause gefunden. Obwohl das irgendwie das ist, was alle Austauschschüler*innen sagen, ist es trotzdem auch bei mir so, dass ich mich in der Zeit wirklich verändert habe. Ich bin natürlich immer noch der gleiche Mensch und ich habe mich auch anderweitig nicht radikal verändert, aber trotzdem bin ich sehr als Person gewachsen und habe auf alles eine andere Perspektive bekommen. Hier in meinem kleinen Bericht, möchte ich mein Leben in den USA ein bisschen mit euch teilen. Vielleicht bewegt es euch dazu, auch mal ins Ausland zu gehen.

Meine Familie

Ich war Nummer 7 in meiner Gastfamilie. Ich habe gelebt mit meinen Gasteltern Matt und Andrea und meinen Gastgeschwistern: Elsa (15), Nate (13), Alexis (11) und Charlotte (9). Das war auf jeden Fall neu für mich. Ich selber habe einen großen und einen kleinen Bruder, da bin ich der Mittlere von drei. Jetzt war ich also der Größte von 5 und dazu drei kleine Schwestern. Es war auch auf jeden Fall anders, aber mit meinen Gastgeschwistern hatte ich richtig viel Spaß. Zu meiner erweiterten Gastfamilie gehörten auch die Familie des Bruders meines Gastvaters, die in der gleichen Straße wie wir wohnten.

Weil alle in der Familie super aktiv waren und alle möglichen Termine hatten, waren meine Gasteltern eigentlich dauerhaft unterwegs, um irgendwen abzuholen oder wegzubringen. In der Woche wurde abends trotzdem häufig gekocht und jeder hat einfach gegessen, wenn er zu Hause war. Am Wochenende hatten meine Gastgeschwister häufig Spiele in ihren verschiedenen Sportarten oder Trainings oder irgendwelche Aufführungen. Zu größeren Aufführungen oder ähnlichem, bin ich immer mit meinen anderen Gastgeschwistern mitgegangen. Wenn es aber nur irgendwelche Spiele am Samstagmorgen waren, bin ich gerne auch mal alleine zu Hause geblieben und hab lange geschlafen oder um 8 Uhr morgens Bundesliga geguckt.

Auch als Familie haben wir, wenn Zeit da war, viel gemacht. Wir waren zum Beispiel zwei Mal in einem Theater in Kansas City. Das war sehr cool, da es nur sehr klein und deswegen total direkt und dazu sehr originell cool und modern gespielt war. Ich war mit meiner Gastfamilie auch beim Super- Bowl- Viertelfinals Spiel der Kansas City Chiefs. Die Atmosphäre war richtig gut und das Spiel war super spannend, weil die Chiefs am Anfang 24:0 zurück lagen, dann aber noch 31:51 gewonnen haben. Das war ein ganz krasses Erlebnis.

Meine Schule

Ich bin auf die Lee’s Summit High School gegangen. Ich wusste, dass ich das Schuljahr wiederholen muss, deswegen konnte ich den Großteil meiner Fächer frei wählen. Dementsprechend relativ entspannt waren mein Schultag und die Menge an Hausaufgaben, die ich hatte.

Im Herbst habe ich an der Schule Fußball gespielt, sodass ich jeden Tag außer freitags, nach der Schule Training hatte. Wir hatten unsere Spiele auch immer unter der Woche und sind dann manchmal direkt nach der Schule, manchmal etwas später, im Schulbus zu unserem Spiel gefahren. Das hat mir richtig Spaß gemacht. Ich habe mein Bild von Amerikanern, die kein Fußball spielen können, sehr schnell abgelegt. Kansas City ist auch eine der größten Fußball Regionen der USA.

Irgendwann in den ersten Wochen habe ich auch mal beim Robotik- Team unserer Schule vorbeigeschaut, bei TEAM DRIVEN. Das erste Mal, als ich in die Team Werkstatt gekommen bin, war ich echt ein bisschen überwältigt. An der einen Wand des Raumes standen alle möglichen alten Roboter, überall waren Werkzeuge und Metall und Teile verteilt und es standen da mehrere große Maschinen, an denen Schüler arbeitetengearbeitet haben. Ich hätte sowas nie in einer Schule erwartet. Aber das ist eben so an amerikanischen Highschools, dass sehr viel Energie in alles um die Schule herum investiert wird. Im Team waren ca. 40 Leute, wirklich aktiv davon waren ungefähr 20 und zum aller härtesten Kern haben ungefähr 10 gezählt. Zu Beginn des Schuljahres gab es beim Robotik- Team noch nicht besonders viel zu tun, da die Saison immer im Januar beginnt. Wir hatten einige kleinere Events, wo ich immer dabei war und wir haben vom Sommer an und vor allem in den Winterferien gab es Training in allem Möglichen, sodass ich den Großteil der Maschinen in der Werkstatt bedienen konnte und tatsächlich, obwohl ich erst so kurz da war, ganz gut mithelfen konnte. Im Januar ging es dann richtig los. Am ersten Wochenende der Saison, noch bevor die Schule wieder angefangen hatte, haben wir insgesamt über 20 Stunden lang das neue Spiel analysiert und uns entschieden, was für einen Roboter wir bauen wollen. In den nächsten 6 Wochen musste der Roboter gebaut werden. Wir kamen damit nicht besonders gut voran. Deswegen habe ich gegen Ende der 6 Wochen und in den Wochen danach richtig viel Zeit in der Werkstatt verbracht. Am Ende war ich jeden Tag nach der Schule bis 9 Uhr abends da und am Samstag von Mittag bis 9 Uhr Abends. Ich fand es toll und habe es dort geliebt, aber es war trotzdem ziemlich stressig, weil das Team manchmal frustrierend unorganisiert war und wir einfach so einen Zeitdruck hatten. In der Zeit bin ich auch im Unterricht mal eingeschlafen. Diese ganze Arbeit hätte am Ende dann hoffentlich einen guten Roboter und erfolgreiche Wettkämpfe ergeben, aber da kam dann leider Corona dazwischen.

In den USA gibt es an der Schule im Herbst, Winter und Frühling verschiedene Sportarten. Im Herbst hatte ich ja Fußball gespielt. Im Winter hätte ich dann theoretisch Wrestling, Schwimmen oder Volleyball machen können, aber auf alles davon hatte ich nicht wirklich Lust, also habe ich an Sport nur am Conditioning teilgenommen. Das war einfach Fitness an drei Tagen in der Woche, ohne irgendwelche Pflichten, das heißt ich bin einfach hingegangen, wenn ich Lust hatte. Später bin ich dann vom allgemeinen Conditioning zum Track & Field Langstreckenlauf Langlauf -Conditioning gewechselt. Da war das Ziel, am Ende 1- und 2-1 ein und zwei Kilometer- Läufe zu machen. Wir sind dann auf dem Schulgelände oder in den Straßen drumherum gelaufen. Da ich erst später dazugekommen war und in den Winterferien nicht sonderlich viel Sport gemacht hatte, war es auch dementsprechend anstrengend und ich habe mich auch ein bisschen verletzt. Spaß gemacht hat es aber absolut. Ich hatte allerdings schon während desm Conditionings meine Bedenken, ob ich genug Zeit haben würde, mit Robotik. Da bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass ich das nicht hätte, und habe mich deswegen dagegen entschieden, im Frühling Track & Field zu machen. Wenige Tage nach der Entscheidung musste ich aber ohnehin dann aber eh wieder nach Deutschland.

Schwierige Zeiten

Der Moment, als ich am Morgen im Theaterunterricht saß und auf meinem Handy gesehen hab, dass ich in den nächsten Tagen nach Deutschland zurück muss, war ein schlimmer Moment.

Ich möchte aber lieber über ganz normale schwere Zeiten reden, weil das meiner Meinung nach, interessanter ist. So wie immer, hatte ich ab und zu schwierige Zeiten, vor allem am Anfang, als ich noch sehr fremd in meiner Umgebung und meiner Gastfamilie war und ich mich noch an alles gewöhnen musste. In der Schule hat es zum Beispiel einige Zeit und Verwirrung gebraucht zu verstehen, wer nur nett zu einem ist und wer wirklich mit einem befreundet sein will. Auch mit meiner Gastfamilie hatte ich anfangs Probleme, weil unsere Kommunikation nicht immer gut war und ich mich sehr daran gewöhnen musste, immer auf jemanden, der mich hinbringt und abholt, angewiesen zu sein. Ab und zu fragt man sich dann, wo man hier eigentlich gelandet ist. Ich glaube, da muss man am Anfang einfach durch, aber einfach darauf achten, nah bei sich selbst zu bleiben. Auch mal hart reflektieren und sich Sachen eingestehen, aber dann einfach weitermachen, weil man sonst ja nirgendwo hinkommt. Bei mir war es so, dass ich nach einiger Zeit Freunde gefunden habe und mich auch mit meiner Gastfamilie gut verstanden habe und ab da habe ich mich in den USA richtig zuhause gefühlt.

Die Zeit danach

Das Ende der Austauschzeit der meisten Austauschschüler*innen kam in 2020 ja ziemlich abrupt. Ich denke, es wäre nochmal was ganz anderes gewesen, wenn ich direkt wieder in meinen normalen Alltag gestartet wäre. Aufgrund des Lockdowns war das aber natürlich nicht möglich, das heißt, es hat über einen Monat gedauert, bis ich mich mal wieder mit meinen engsten Freunden getroffen habe. Ich habe mir auch einen kleinen Spaß daraus gemacht, meinen ganzen anderen Freunden nicht zu sagen, dass ich früher zurück musste, und sie dann zu überraschen, was relativ lustig war.

Ich habe den Wiedereinstieg in Deutschland auf jeden Fall super geschafft. Ich denke immer noch viel zurück und wäre manchmal gerne wieder in den USA, aber das Leben geht eben weiter.

Ich hab viel mitgenommen. Und irgendwann komme ich sicher nochmal nach Lee’s Summit, um noch mehr mitzunehmen.