Meine ersten 1 ½ Monaten als Freiwilliger in Ghana

Ghana ist toll, schön und aufregend. Jeden Tag passieren neue Dinge, die mich begeistern oder zum Nachdenken anregen. Ich erlebe das Land von einer ganz besonderen Seite und habe die Möglichkeit, eine Kultur kennen zu lernen, die mich sicherlich für den Rest meines Lebens prägen wird.

Ich bin mittlerweile knapp 1 ½ Monate in Ghana und genieße das Leben als Volunteer sehr. Neben meinem Projekt und dem Leben in der Gastfamilie habe ich viele Gelegenheiten, das Land zu bereisen und netten Menschen zu begegnen. Wir Volunteers gehören hier zur Gemeinschaft dazu, werden mit offenen und herzlichen Armen in Empfang genommen. Ich habe das Gefühl, willkommen zu sein. Ein schönes Gefühl, das Ghana zu einer Art Heimat macht.

Ich wohne in einem kleinen Dorf in der Eastern Region Ghanas. Das Dorf, Asuoso, liegt etwa eine Stunde von den nächst größeren Städten Swedru und Oda entfernt. Vielleicht liegt es auch an der überschaubaren Größe, dass ich mich sehr wohl fühle. Meine Gastfamilie kümmert sich sehr gut um mich. Ich lebe im Haus des Dorfchefs und gehöre damit zur Königsfamilie. Ab und zu werde ich von Einheimischen aus Spaß auch als Nana bezeichnet, womit sie mich als Dorfchef ansehen. Das Familienleben ist natürlich anders, als ich es aus Deutschland gewohnt bin, aber zum Leben hier gehört auch dazu, den vielen neuen Dingen offen zu begegnen. Manchmal versuche ich mich daran zu erinnern, was ich erwartet habe, aber die vielen Eindrücke machen es schwer, diese Erwartungen wieder als klares Bild hervorzurufen.

Unter der Woche arbeite ich in einer der örtlichen Grundschulen und unterrichte in der 5.und 6. Klasse die Fächer Mathe, Englisch und Science. Das Unterrichten bereitet mir große Freude, denn die Kinder in der Schule sind toll, auch wenn es trotz allem anstrengend ist. Meine zwei Klassen sind mit jeweils 30 Schülern überschaubar, es gibt jedoch auch deutlich größere Schulklassen. Den Unterricht kann ich mit den Schulbüchern vorbereiten, welche in der Schule zur Verfügung stehen. In den Pausen wird mit den Kindern gespielt und ab und zu auch Fußball trainiert.

Wenn nachmittags die Schule zu Ende ist, ruhe ich mich meistens zunächst aus. Das warme Wetter und die energiereichen Kinder machen teilweise sehr müde. Nach einer kurzen Siesta besuche ich entweder andere Volunteers im Nachbardorf oder verbringe den Nachmittag mit lesen, Unterricht vorbereiten, Wäsche waschen oder gehe zum Fußballplatz, um mit dem örtlichen Team zu trainieren. Mama Olivia, die für mich in der Familie das Essen kocht, freut sich, wenn man ihr beim Kochen zuschaut, wobei man lernt, wie die lokalen Gerichte zubereitet werden. Beide meiner Gastschwestern haben einen Sohn. Mit dem 5-Monate alten Kwasi zu spielen, bringt ihn und mich häufig zum Lachen.

Das Wochenende steht mir zur freien Verfügung. Bis jetzt habe ich die Wochenenden mit Reisen oder Veranstaltungen zu Hause verbracht. Das Reisen ist wundervoll. Gemeinsam mit anderen Volunteers geht es an den Strand oder zu anderen Sehenswürdigkeiten Ghanas. Die verhältnismäßig günstigen Preise kommen uns natürlich zu Gute. Das meist genutzte Verkehrsmittel ist das Trotro. Ein mittelgroßer Van oder Sprinter mit eingebauten Sitzreihen. Den Fahrtwind genießend kann man die schöne Natur Ghanas bestaunen. Besonders herauszuheben ist der schöne Sonnenuntergang sowie der Sternenhimmel bei Stromausfall. Wenn die Sitze des Trotros nicht gerade zu hart sind, ist Trotro fahren zu einer meiner Lieblingen geworden.

In meiner bis jetzt sehr kurzen Zeit habe ich schon viele Volunteers getroffen, von denen einige aus Deutschland und Schweden kommen. Andere Volunteers kamen aus Norwegen, den USA oder Belgien. Es ist toll, eine solche internationale Gruppe zu haben, um sich zu treffen, sich auszutauschen, gegenseitig zu helfen oder das Land zu erkunden. Ich bin mir sicher, dass hier Freundschaften fürs Leben geschlossen werden.

Ghana bietet viel, für das sich ein Aufenthalt lohnt. Neben schönen Stränden gibt es Gebiete mit Regenwald, Nationalparks und Wasserfällen. Große Städte, der schöne Volta Lake und vieles mehr dürfen bei einem Aufenthalt nicht vergessen werden. Um einen Eindruck von Ghana zu erhalten, muss man es sehen, spüren und tief in das Leben vor Ort eintauchen. Ghana zählt zu der großen Gruppe der Entwicklungsländer. Natürlich lebt man faktisch mit anderen Standards, aber ich würde dies keineswegs als negativ beschreiben – noch habe ich das Gefühl, wirklich etwas anderes zu bedürfen.

Ghanas Kultur ist für mich in vielen Teilen faszinierend – auch wenn man kulturelle Grenzen spürt. In und um unserem Haus fand eines Wochenendes eine große Beerdigung eines alten Dorfkönigs statt. Beerdigungen werden hier gefeiert und sind Anlass für ein großes Fest. Veranstaltungen dieser Art nutze ich gerne, um die Kultur „zu beobachten“. Man sieht viele Menschen, genießt lokale Gerichte und lernt neue Bräuche kennen. Die Gottesdienste, die ich bis jetzt besucht habe, waren in sich zwar alle unterschiedlich, aber voller Gesänge und mitreißenden afrikanischer Rhythmen. Die Trommelkünste der Ghanaer sind bewundernswert. Meine Schüler versuchen mir ab und zu etwas beizubringen, wobei ich keine Chance habe, mit den Kids mitzuhalten.

Es ist schwierig, den ghanaischen Lebensstil zu beschreiben, ohne damit Vorurteile zu bedienen. Ghanaer sind freundliche und offene Menschen, die das Leben genießen. Sie sind sehr gläubig, respektieren aber die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften. Es ist beeindruckend, wie Moslems und Christen im tiefen Glauben nebeneinander leben. Generell ist Ghana ein sehr friedliches Land und gerade im Leben auf dem Dorf, fühle ich mich sehr sicher. Es herrscht eine gewisse Gelassenheit unter den Menschen, auch wenn ein Blick in die inneren Teile Accras reicht, dass es auch durchaus hektischer zugehen kann.

Ghanaisches Essen schmeckt mir sehr gut und ist absolut zu empfehlen. Fufu – wahrscheinlich das Nationalgerichts Ghanas – gehört zu meinen Lieblingsessen. Teilweise wird sehr scharf gegessen, für mich wird das Essen aber mit weniger Pfeffer zubereitet.

Insgesamt werde ich bis Ende Juni 8 ½ Monate in Ghana leben und Ende Februar in ein zweites Projekt im Norden wechseln. Die Zeit hier ist etwas Neues, Anderes – aber ein positives „Anders“. Ghana ist ein Land mit vielen Entdeckungsmöglichkeiten: kulturell, landschaftlich und politisch.

Ein Freiwilligendienst steht oft unter dem großen Gedanken des „Helfens“. In gewisser Weise mag das vor Ort auch stimmen. Die Kinder haben Spaß daran, mit mir zu spielen. Für die örtlichen Lehrer bin ich eine kleine Unterstützung. Durch meinen Aufenthalt entsteht ein kultureller Austausch, von dem auch Ghanaer profitieren. Am größten profitiere ich aber selber. Ich lerne hier für mein Leben, entwickle mich weiter und treffe Menschen, die zu Freunden werden.

Konstantin