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Dia de los Muertos

Mein weltwärts Freiwilligendienst in Mexiko

Als ich erfuhr, dass ich nach Oaxaca in Mexiko gehen würde, habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte mir gewünscht dorthin und in das Projekt EnVia zu kommen. Bei den Orientierungstagen am Anfang meines Aufenthalts habe ich bereits viel von Mexiko City sehen können. Besonders das Frida-Kahlo-Haus, was ich schon immer mal gerne besuchen wollte, hat mich sehr beeindruckt. Nach den Orientierungstagen bin ich dann nach Oaxaca, welches acht Stunden entfernt von Mexiko City liegt, weitergefahren.

Ich wurde sehr herzlich von meiner Gastfamilie empfangen und wir haben schnell ein enges Verhältnis zueinander entwickelt. Bei ihnen habe ich mich immer sehr wohl und zuhause gefühlt. Sie haben mir sowohl beim Lernen der spanischen Sprache als auch beim ersten Zurrechtkommen in Oaxaca sehr geholfen. Wir sind gemeinsam zu meiner Arbeit gefahren und sie haben mir den Gebrauch der öffentlichen Verkehrsmittel erklärt.

Meine Arbeit hat dann auch direkt nach meiner Ankunft in Oaxaca angefangen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase von drei Wochen habe ich dann die Begleitung des Englischprogrammes übernommen. Im Nachhinein kann ich definitiv sagen, dass die Tätigkeit mein Selbstbewusstsein sehr gestärkt hat und ich gelernt habe, wie ich am besten mit stressigen Situationen umgehe.

Die Dörfer außerhalb Oaxaca kennenzulernen war sehr spannend. Auch wenn ich viel Fahrzeit jeden Tag hatte, war es schön aus der Stadt rauszukommen und in die traditionellen Kulturen der verschiedenen Dörfer einzutauchen.

Um außerhalb der Arbeit noch Leute kennenzulernen, habe ich bei verschiedenen Sprachaustauschangeboten teilgenommen, wovon Oaxaca eine ganze Menge hat. Durch diese Angebote habe ich schnell Freunde gefunden und auch viel Spanisch gelernt. An den Wochenenden haben wir zusammen Ausflüge gemacht und uns alte Stätten der Azteken angeschaut. Wir waren auch wandern oder haben Ausflüge übers Wochenende an den Strand gemacht.

Neben diesen vielen Aktivitäten habe ich auch gelernt qualitative Zeit mit mir selber zu verbringen, habe lange Spaziergänge gemacht und war viel Kaffee trinken. Auch meine Gastfamilie hat Sachen mit mir unternommen. Wir waren z.B. zusammen auf Märkten und haben gemeinsam gekocht. Ich wurde auch auf Familienfeiern mitgenommen, Geburtstage, Beerdigungen und das Highlight war eine Hochzeit mit über 800 Gästen.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie mir ermöglicht haben, einen so tiefen Einblick in die mexikanische Kultur zu bekommen und ein kleiner Teil der Familie zu werden. Meine deutsche Familie kam über Weihnachten zu Besuch und wir haben ein sehr schönes Fest zusammengefeiert, was für mich eines der schönsten Erlebnisse während meines Aufenthalts war.

Auch mit den anderen Freiwilligen in Oaxaca hatte ich Kontakt und wir haben uns viel unterstützt und gemeinsame Reisen gemacht. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich Oaxaca beschreiben würde, dann würde ich sagen, dass die Stadt quasi ein einziges Fest ist. Jeden Tag gibt es kostenloses Kulturprogram. Das haben wir alle sehr genossen und das hat es sehr einfach gemach, dass einem nie langweilig wurde.

Nach der Hälfte meines Aufenthaltes konnte ich meine Arbeit innerhalb des Projektes zum Bereich der Fotografie wechseln. Ich bin sehr dankbar dafür, da ich somit noch ganz andere Erfahrungen sammeln und auch mein Spanischvokabular erweitern konnte.

Mein persönlicher Tiefpunkt war meine Blinddarmoperation, da ich danach für drei Wochen nicht das Bett verlassen konnte und es sehr schwer für mich war, dass ich solange nichts groß zu tun hatte. Meine Gastfamilie war jedoch eine starke Unterstützung in der Zeit, sie haben alle immer wieder versucht mich aufzuheitern und mich sehr liebevoll gepflegt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Zeit in Oaxaca unfassbar bereichernd für mich war. Die Kultur in der Stadt ist so außergewöhnlich – das Essen, die Musik, die Kunst, die Feiertage, die Dia de los Muertos, ich bin sehr froh, dass ich das alles erleben durfte.

Dementsprechend war die verfrühte Abreise aufgrund der Pandemie extrem schwer für mich. Ich wäre sehr gerne noch bis zum Ende meines Aufenthaltes in Oaxaca geblieben. Gerade in den letzten vier Monaten hatten sich meine Sprachkenntnisse sehr verfeinert und es sind tiefere Freundschaften entstanden. Da der Abbruch sehr abrupt war, fiel mir die erste Zeit in Deutschland sehr schwer. Die Auffangseminare von Experiment waren da dann wirklich hilfreich und ich bin froh über dieses Angebot gewesen.

Oft denke ich noch an meine Zeit in Oaxaca zurück, die von vielen bunten, lauten und eindrucksreichen Erinnerungen geprägt ist und hoffe, dass ich in der Zukunft nochmal zurückkehren kann.