Mein halbes Jahr in Schweden als Freiwillige bei Rapatac...

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EFD in Schweden

Es war natürlich dunkel als ich im Februar abends in Schweden ankam. Für einen ganz kurzen Moment dachte ich: "Was mache ich hier eigentlich?", während ich auf Mathilda, die Ansprechpartnerin meiner Organisation, am Bahnhof in Gävle wartete. Zusammen mit Moussa, dem Gründer von Rapatac fuhren wir mit dem Auto raus auf's Land nach Norrsundet (etwa 40 Minuten Autofahrt entfernt von Gävle).

Dort wohnten ich und die beiden anderen Freiwilligen, die ersten beiden Monate unseres EVS vorübergehend, bis wir dann im Mai nach Gävle umgezogen sind. In Norrsundet wartete bereits Michael aus Belgien auf mich, der ebenfalls einen Europäischen Freiwilligendienst bei Rapatac leistete. Drei Wochen später kam noch Szilvia aus Ungarn dazu, um auch bei Rapatac als Freiwillige zu arbeiten. Wir drei haben uns auf Anhieb gut verstanden und hatten eine sehr unkomplizierte und lustige Zeit zusammen.

Die Organisation bei welcher ich meinen Freiwilligendienst absolvierte, heißt Rapatac und ist ein Aktivitätscenter für Kinder- und Jugendliche. Rapatac liegt im Zentrum von Gävle, im Stadtteil Nordost, wo Menschen aus allen Teilen der Welt leben. Daher kommen auch zu Rapatac Kinder und Jugendliche aus allen denkbaren Ländern dieser Erde, was die Organisation zu einem Spektrum der Kulturen macht. Rapatacs Motto lautet "Skolan alltid först" was so viel bedeutet wie "Die Schule immer zuerst". Daher werden dort Unterstützung bei dem Erledigen der Hausaufgaben, verschiedene Sportaktivitäten und Hilfe bei der Entwicklung von Eigenverantwortung, angeboten. Rapatac möchte jungen Menschen eine sichere Basis geben und ihnen eine positive Sicht auf die Zukunft vermitteln. Deshalb liegt es dem gesamten Team von Rapatac besonders am Herzen, Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich gesund und sicher zu einem reifen Erwachsenen zu entwickeln und dabei die Wichtigkeit von Bildung, Respekt und Schule zu erkennen.

Mein erster Tag bei Rapatac war an Input wohl nicht zu übertreffen. Ab ein Uhr nachmittags kam ein Kind nach dem anderen von der Schule in das Aktivitätscenter. Langsam füllten sich die Räume. Mein erster Gedanke war: "Diese Namen werde ich mir nie alle merken können." Ich bekam eine kurze Einweisung und die Frage gestellt, was ich mir denn vorstellen könne, mit den Kindern zu machen. In meinem Kopf herrschte Überforderung. Aber nach ein paar Tagen bemerkte ich, dass die Namen vielleicht doch alle gar nicht so schwer zu merken sind und ich ganz langsam einen Überblick über alle Geschehnisse und Abläufe bekam. Nach der ersten Woche "nur mal kucken" wurde ich in meine von mir selbst gewählten Aktivitäten eingeteilt. Rapatac arbeitet nach dem Konzept, dass jeder im Team verschiedene Aktivtäten mit pädagogischem Hintergrund für die Kinder und Jugendlichen anbietet und ihnen darin auf lockere Art und Weise etwas beibringt. Ich persönlich unterrichtete in Deutsch, gab "Mindfulness"-Stunden, hatte eine Vorlese-Gruppe und eine Bastelstunde. Mir hat diese Arbeit wirklich unglaublich viel Spaß gemacht. Ich konnte so viel von diesen Kindern lernen und hatte Freude daran im Team zu arbeiten. Ich wurde bei Rapatac von Anfang an warm empfangen und es war in gewisser Weise wie eine Familie für mich.

Auch in Schweden fühlte ich mich von Beginn an wohl. Ich hatte nie das Empfinden fremd in diesem Land zu sein und habe das Gefühl eine zweite Heimat dort gefunden zu haben. Ich hab nicht nur viel über andere Kulturen, Sitten und Gebräuche gelernt, sondern auch über mich selbst und wo ich herkomme. Manchmal muss man erst seine eigene Heimat verlassen, um sie besser zu verstehen und sie kennen zu lernen. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Ich habe so viele neue Freunde kennen gelernt, hatte die Möglichkeit während meines EVS innerhalb Skandinaviens zu reisen und andere Freiwillige in Schweden zu besuchen. Mir hat dieses halbe Jahr unglaublich viel gegeben und ich würde es nicht mehr missen wollen.

Ich persönlich kann nur jedem der sich überlegt einen Europäischen Freiwilligendienst zu machen, diesen wärmstens ans Herz legen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen und eine andere Kultur und wohl auch sich selbst, ein Stück weit näher kennen zu lernen.

Carina