Mein Freiwilligendienst in Valencia - pure Lebensfreude!

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Foto der Autorin des Textes

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an diese Momente vor meinem 6-monatigen Aufenthalt in Valencia in Spanien: diese Mischung aus Aufregung, Vorfreude und dem Gedanken: “Warum mache ich all das eigentlich, bin ich verrückt?”. Denn obwohl man sich schon Monate im Voraus versucht vorzustellen, wie es wohl sein wird in diesem fremden Land zu arbeiten und zu leben, weiß man nie, wie es wirklich wird. Das macht einem Angst, aber ist gleichzeitig auch ganz genau das, was es so toll und interessant macht.

Bald geht es los

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Lara vor der Skyline von Valencia

Als ich abends am Flughafen in Valencia ankam, wurde ich von einem Taxifahrer abgeholt, der mich zu meiner Gastfamilie brachte. Er fuhr mich bis zentral in die Innenstadt von Valencia, wo ich die nächsten Monate wohnte und vor der Haustür stand schon meine Gastmutter bereit und wartete auf mich. Als ich ihr die Hand hinstreckte, lachte sie nur und nahm mich herzlich in den Arm, woraufhin sie mir erklärte, dass man das in Spanien eben so macht. Diese Herzlichkeit und Offenheit gegenüber

anderen Menschen und Kulturen machte meine Gastfamilie aus: neben Eva, meiner Gastmutter, lebten in der Wohnung noch Hector, ihr Sohn, und eigentlich immer noch mehrere andere Austauschschüler oder Freiwillige aus anderen Ländern. Das war für mich eine große Bereicherung: während ich ein halbes Jahr bei der Familie verbrachte, blieben die meisten anderen häufig nur ein paar Wochen und so kam es, dass ich mit den verschiedensten Leuten aus aller Welt am Tisch saß. Ich erinnere mich gerne an tolle Gespräche und Begegnungen, Erzählungen von anderen Sitten und dem Vergleichen von Kulturen. Auch wenn diese Situation, dass so viele unterschiedliche Gäste auf einmal in einer Gastfamilie leben, wahrscheinlich nicht das Übliche ist, bin ich mir doch sicher, dass man in fast jeder Gastfamilie trotzdem diese Erfahrung von Offenheit und Herzlichkeit erleben wird. Die Familien, so auch meine Gastmutter und ihr Sohn, sind bereit ihr Zuhause und damit ihre Lebensweise und ein Stück weit auch die Privatsphäre mit Gästen zu teilen; sie haben mir geholfen mich schnell zurechtzufinden in der Stadt und der Kultur, mir spanische Redewendungen und Vokabeln beigebracht und Ausflüge mit mir unternommen. Ich bin unglaublich froh und dankbar in der Gastfamilie gewesen zu sein, da ich die Kultur auf eine viel tiefergehende Art und Weise kennenlernen durfte, aber auch weil sich meine Sprachkenntnisse sehr verbessert haben dadurch, dass ich in der Familie die Chance hatte, Spanisch zu üben und zu verbessern.

Bevor ich nach Spanien ging, sprach ich nämlich kein Wort Spanisch. Natürlich hatte ich deshalb große Bedenken: ich erinnere mich noch, wie ich bei dem Vorbereitungswochenende von Experiment e.V. sagte, meine größte Angst sei die, mich nicht verständigen zu können. Dass diese aber unberechtigt war, hat sich schnell gezeigt. Ich ging die ersten beiden Monate meines Aufenthalts in die Sprachschule von „EuroAce“, die gleichzeitig auch die Partnerorganisation von Experiment vor Ort ist. Die Organisation ist wirklich toll, ich habe mich vom ersten Tag an gut betreut gefühlt und in den Sprachkursen war eine sehr familiäre Atmosphäre. Der Unterricht in kleinen Gruppen hat mir viel Spaß gemacht und die Lehrer haben mir geholfen, schnell ein Niveau in Spanisch zu erreichen, das es mir möglich machte, mich im Alltag zurechtzufinden und verständigen zu können. Schon nach etwa zwei Wochen verstand ich abends am Esstisch in der Familie immer mehr und als ich nach etwa einem Monat Sätze zu den Gesprächen beisteuern konnte, war das ein wirklich tolles Gefühl. Auch in der Sprachschule habe ich wieder ganz besonders den Kontakt zu Menschen aus Ländern der ganzen Welt geschätzt. Ich habe zum Beispiel viel mit einer Italienerin aus meinem Sprachkurs unternommen. Außerdem gibt es von der Sprachschule organisiert so genannte „intercambios de idioma“, also Abende, an denen sich Leute in einer Bar treffen, um sich auf verschiedenen Sprachen auszutauschen. So habe ich viele neue Leute kennengelernt und mein Spanisch verbessert.

Verliebt in Valencia

Man kann sowieso sagen, dass Valencia insgesamt eine unglaublich internationale und weltoffene Stadt ist. So habe ich sehr viele Erasmus-Studenten aus aller Welt kennengelernt und dadurch auch an für Studenten organisierten Tagesausflügen und Partys teilgenommen. Diese Internationalität ist bestimmt ein Grund, weshalb ich mich so sehr in die Stadt verliebt habe, wobei es noch etliche andere gibt. Zum einen ist die Stadt einfach wunderschön: der riesige Park „Turia“, ein trockengelegter Fluss schlängelt sich von einem Ende der Stadt bis an den Hafen. Hier findet man immer Leute, die dort zusammen Sport machen, joggen oder Fußballspielen oder sich unter den Palmen mit Freunden treffen. Läuft man durch die Innenstadt, kann man sich bei den ganzen schönen Plätzen, alten beeindruckenden Gebäuden, Markthallen und Springbrunnen nicht entscheiden, wovon man zuerst ein Foto machen soll. Und natürlich sind da noch der breite Sandstrand und das blaue Meer, in dem man dank des unglaublich guten Wetters auch häufig baden gehen kann. Tatsächlich ist das Wetter ein weiterer Grund, weshalb ich meine Zeit in Valencia so sehr genossen habe! Nach einiger Zeit weiß man gar nicht mehr wirklich, dass es tatsächlich noch anderes Wetter gibt als strahlender Sonnenschein und tiefblauer Himmel. Aber all das wäre wohl nichts ohne die Leute und die Kultur der Stadt, die der wichtigste Grund für mich waren, weshalb ich gerne noch sehr viel länger geblieben wäre. Die Stimmung ist fast immer sehr lebensfroh, so wird auch jeder Anlass so groß es geht auf den Straßen gefeiert. Aber auch ansonsten findet das Leben größtenteils draußen statt: die Straßen und Cafés sind zu jeder Tageszeit gefüllt. Die Spanier scheinen sich auch in dem stressigsten Alltag bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, die ihnen neben der Arbeit wichtig erscheinen wie Freunde oder Familie. Diese Mentalität hat mich persönlich sehr geprägt: denn obwohl die Arbeit ernstgenommen wird, würden die Spanier meinen Erfahrungen nach niemals andere Aspekte ihres Lebens wie Freunde und Spaß vernachlässigen. Bis nachts ist die Stadt voller Leben. Was mir aber gerade an Valencia besonders gut gefällt ist, dass es obwohl es eine große lebendige Stadt ist und man sich wirklich nie langweilen könnte, doch nicht hektisch ist. Wobei man hier als einzige Ausnahme wohl die Fallas erwähnen muss, in der eine Woche lang mit Feuerwerken und riesigen Pappfiguren, lauter Musik und Menschenmengen Tag und Nacht durchgefeiert wird. Auch dafür, dass ich das einmal miterleben durfte, bin ich sehr dankbar.

Freiwilligendienst in der Vorschule

Die weiteren drei Monate meines Aufenthalts habe ich dann in der Vorschule „Superfriends“ gearbeitet, in der Kinder ab 3 Monaten betreut und unterrichtet werden. Ich habe größtenteils in der Gruppe der Babys geholfen, diese gewickelt, gefüttert und geholfen, sie zum Mittagsschlaf ins Bett zu bringen. Ich habe immer von 10 Uhr bis 17 Uhr gearbeitet. Das Arbeiten mit den Babys war für mich sehr bereichernd, ich habe schnell extrem enge Bindungen zu den Kindern gehabt, und viele Entwicklungsschritte miterleben dürfen, was eine tolle Erfahrung war. Einige Babys haben laufen gelernt in der Zeit, in der ich da war, andere haben begonnen zu reden. Und obwohl mich die Arbeit sehr glücklich gemacht hat, habe ich auch gemerkt wie anstrengend sie ist. Die Geduld und das Durchhaltevermögen von Erziehern habe ich neu zu schätzen gelernt. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, wie wenig sie dabei verdienen, was ich so miterleben konnte. Ich persönlich habe viel gelernt über den Umgang mit Kindern und vor allem Babys, Pädagogik im Allgemeinen und auch das Unterrichten. So wird in dem Kindergarten von Anfang an nur Englisch mit den Kindern geredet, da diese die Sprache so schnell lernen. Prinzipiell habe ich die Art der Erziehung und des Unterrichtens aber auch sehr kritisch gesehen, da die Kinder schon in der Gruppe mit den Babys eine Art strikten Stundenplan haben und so kaum Zeit zum Spielen. Aber auch das war für mich wichtig, die Arbeit so mitzuerleben und mir selbst eine Meinung bilden zu können. Die Babys vermisse ich bis heute unglaublich, der Abschied war traurig und deshalb habe ich vor Ort spontan nochmal eine Woche verlängert und so mehr Zeit mit ihnen gehabt.

"So viele tolle Erfahrungen"

Nach dieser Zeit bin ich dann noch für drei weitere Wochen mit einer Freundin durch den Süden Spaniens und Portugal gereist. Wir haben etliche wunderschöne Orte gesehen und tolle Leute kennengelernt und ich habe die Lebensfreude Valencias auch in anderen spanischen Städten wiedererkannt und das Land Spanien, die Leute und die Sprache Spanisch noch mehr zu lieben gelernt.

Insgesamt könnte ich noch viel mehr berichten über meine Zeit in Spanien, in der ich so viele tolle Erfahrungen machen durfte und die gleichzeitig viel zu schnell vorbeiging. Ich bin unglaublich froh, den Schritt gewagt zu haben und die Frage, die ich mir am Anfang gestellt habe, weshalb ich all das tue, kann ich mit unglaublich vielen guten Gründen beantworten: sei es das Kennenlernen neuer Personen, der Austausch mit diesen, dass man Teil werden kann von einer neuen Kultur, die Lebensfreude Spaniens, oder auch besonders die persönliche Entwicklung, die ich bei mir selbst nach den Monaten festgestellt habe - es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Lara