Mein Freiwilligendienst in China

China? Wieso denn China, es ist doch absolut anders dort! Genau das war der Punkt. Etwas anderes zu sehen und eine für mich noch fremde Kultur kennenzulernen, zu verstehen und davon zu lernen. Ich bin der Meinung, dass ich dem mit meinem Freiwilligendienst deutlich näher gekommen bin.

Vor eineinhalb Monaten bin ich aus China zurückgekehrt. Erst retroperspektiv und im Gesamtbild betrachtet, nehme ich wahr, was ich alles durch meine Zeit als Freiwillige in China gelernt und mitgenommen habe. Die Zeit war wunderschön, aber natürlich hatte auch diese ihre Hoch- und Tiefpunkte – wie alles im Leben. Wichtig ist, dass man an den Tiefpunkten nicht aufgibt und motiviert ist weiterzumachen.

Bevor ich aufbrach, hatte ich tausende Fragen: Wie gut kann ich mich in die Kultur einleben? Welche neuen Freundschaften werde ich knüpfen? Wie wird mir die Arbeit gefallen?
Meine Reise begann in Shanghai. Ich kann mich noch lebhaft an meinen ersten Tag erinnern - die Massen an Eindrücken dieser riesigen und fremden Stadt haben mich überwältigt.

Nach meinen ersten Tagen in Shanghai, begann die Arbeit in einem Kindergarten. Ich habe bei dem Englischunterricht für die Kinder geholfen beziehungsweise selbst Stunden geleitet. In der Praxis hat dies natürlich viel Tanzen, Toben und Malen beinhaltet, um den Kindern die Sprache spielerisch beizubringen. Mit meiner Supervisorin habe ich mich sehr gut verstanden, sie hat mich sogar zum Essen eingeladen! In besonders positiver Erinnerung werde ich auch das traditionelle Kochen zum chinesischen Neujahr im Altenheim behalten. Ich hatte so Einblicke in die chinesische Kultur und Mentalität, die ich als Touristin niemals erlebt hätte.

Für weitere eineinhalb Monate zog ich in die Stadt Zhengzhou. Obwohl es eine Großstadt ist, ist es dort keineswegs so modern wie in Shanghai oder Peking. Die Stadt zeigt das wahre Gesicht Chinas, weswegen es mir wichtig war auch dies kennenzulernen. In meinen ersten Tagen dort habe ich wohl das erlebt, was man einen Kulturschock nennt. Durch das Vorbereitungsseminar wusste ich, wie ich damit umgehe und so konnte auch anfängliche Verwirrtheit und Frustration erfolgreich überwunden werden.

In Zhengzhou habe ich in einer Schule gearbeitet. Meine Schüler waren 12-15 Jahre alt und anders als in Deutschland waren die Klassen dort riesig – um die 50 Schüler saßen in einem Raum! Ich habe in meiner Schulzeit schon sehr viele Vorträge gehalten, doch trotzdem war ich vor meiner ersten Stunde nervös. Gerade zu Beginn jedoch hat mir die Unterstützung der anderen Lehrer sehr geholfen. Die Schüler waren respektvoll, aber auch schüchtern. Durch Gruppenarbeiten, Dialogübungen und Rollenspiele habe ich sie motiviert mehr Englisch zu sprechen – eine Aufgabe, die den Kindern in Folge meines Unterrichtes immer einfacher fiel. Eine ausländische Lehrerin war etwas Besonderes für sie, weswegen ich auch oft Süßigkeiten geschenkt bekommen habe. In der Nachmittagspause habe ich zusammen mit meinen Schülern und anderen Lehrern Basketball gespielt.

Eine meiner Kolleginnen mit der ich mich besonders gut verstanden habe, hat mich sogar zum Essen eingeladen und ist mit mir und ihrer Tochter abends oft in den Park gegangen. Ich habe auch von ihr selbstgemachten Wein geschenkt bekommen! Mit einer anderen Kollegin war ich zusammen bei einer traditionell chinesischen Massage.

Ich finde es toll, dass ich sowohl in Zhengzhou als auch in Shanghai so viele Möglichkeiten hatte, mich in den Unterricht und den Alltag der Kinder einzuleben. Auch der Kontakt zu den Lehrern war toll, da ich so ein soziales Umfeld aufbauen konnte. Diese Begegnungen wären ohne meine Arbeit als Freiwillige nicht zustande gekommen.

In Shanghai war immer viel los, weswegen meine Freizeit gut ausgefüllt war. Auch in Zhengzhou war mir nie langweilig, da ich dort viele neue Freundschaften geknüpft habe. Am Wochenende haben wir häufig Tagestrips zu den Städten in der Umgebung unternommen. Ich war beim Shaolin – Tempel, den Longmen Grotten und Xi'an.

Es war eine wirklich tolle Zeit, die von vielen Begegnungen, Verständnis, Kultur und gegenseitigem Lernen geprägt war. Mit Lernen meine ich dabei keineswegs neue Englisch Vokabeln, sondern die Förderung des Verständnis voneinander und die interkulturellen Erfahrungen, die auf beiden Seiten zustande kamen. Bei einem Freiwilligendienst gewinnen immer zwei Seiten. Mein persönlicher Gewinn war hoch und ich werde die Zeit immer in meinem Herzen behalten. Ich denke, ein Freiwilligendienst ist etwas, was einem wertvolle Lebenserfahrung gibt und die eigene Persönlichkeit und Denkweise wachsen lässt. Gerade in meinem jungen Alter halte ich es für wichtig, andere Kulturen und Mentalitäten zu entdecken. Ich würde jedem empfehlen diese Erfahrungen zu machen und sich auch mal etwas anderes zu trauen! Ich danke Experiment vielmals dies für mich möglich gemacht zu haben. Ohne das Stipendium hätte ich meinen Freiwilligendienst niemals durchführen können!