Mein Auslandsjahr in Polen...

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EFD in Polen Landschaft

Als ich Ende August letzten Jahres in Polen, genauer gesagt in Bialystok, angekommen bin, wusste ich nicht genau, was mich erwartet. Jetzt ist es schon ein halbes Jahr her, dass ich hier bin und ich kann sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war zu kommen!

Mein Team, welches aus drei Leuten besteht, arbeitet drei Tage in der Woche in Czerwony Bor, einem Flüchtlingszentrum eine Stunde von Bialystok entfernt. Zusammen mit weiteren Wohnungen und einem Supermarkt ist es in einem Wald gelegen. Dort befinden sich Flüchtlinge aus Tschetschenien und der Ukraine. Dienstagmorgens kommen wir an und donnerstagnachmittags sind wir wieder zurück in Bialystok.

Unsere Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Vormittags arbeiten wir im Kindergarten. Jede Woche haben wir ein anderes Thema. Die letzte Woche war es Musik, die kommende Woche werden wir alles zum Thema Theater machen. Für die jeweiligen Themen bereiten wir verschiedene Aktivitäten vor. Letzte Woche haben wir z. B. Gitarren und Flöten zusammen mit den Kindern gebastelt. Außerdem haben wir dem Regen und dem Wind gelauscht und die Kinder mussten die richtige Bezeichnung zuordnen.

Die Kinder sind mir über die Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich freue mich jedes Mal sehr, sie wiederzusehen. Es ist schön die Entwicklung bei jedem Kind sehen zu können. Wir bekommen den Prozess mit und wir sehen die Auswirkung, die unsere Arbeit auf die Kinder hat. Sei es, dass nun mehr Kinder als zuvor die Farben den Begriffen richtig zuordnen können, oder dass sie nun im Stande sind bis fünf zählen zu können.

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EFD in Polen Kindergarten

An den Nachmittagen, die uns dort bleiben, arbeiten wir auch mit älteren Kindern zusammen. Es ist eine bunte Gruppe, die uns immer begrüßt, wenn wir ankommen. In diesem Projekt haben wir die Freiheit diese Nachmittage individuell zu gestalten. Wir basteln mit den Kindern, helfen ihnen bei den Hausaufgaben und tanzen mit ihnen. Vor kurzem haben wir eine „Kinderdisco“ veranstaltet. Wir haben mit ihnen getanzt und hatten einige Bewegungsspiele und Tänze vorbereitet. Einige Mütter sind auch gekommen. Sie haben das Ereignis gefilmt und uns gezeigt, wie man zu tschetschenischer Musik tanzt. Es war wirklich eine sehr schöne Zeit.

Die Arbeit mit den Kindern macht sehr viel Spaß und gibt mir sehr viel zurück. Die Freude mit der sie einen begrüßen oder die Standhaftigkeit mit der sie uns abends nicht gehen lassen wollen, zeigt mir immer wieder, dass das was wir machen, Früchte trägt.

Anfangs war das Ganze jedoch nicht so leicht. Ich hatte Zweifel, ob ich meine Arbeit dort gut machen kann. Ich war auch besorgt mit den älteren Kindern zu arbeiten. Was mir auch Sorgen bereitet hat, ist das wir die Sprache, die die Kinder sprechen, nicht beherrschen. Die meisten sprechen Russisch oder Tschetschenisch. Polnisch verstehen die meisten gut, aber viele Dinge können wir auf Polnisch noch nicht ausdrücken.

Aber hier bin ich mit meinen Aufgaben gewachsen. Mir ist klar geworden dass ich nicht alleine bin. Wir sind insgesamt 7 Freiwillige, da 4 andere in Bialystok arbeiten. Wir helfen uns gegenseitig, wenn jemand ein Problem hat. Unsere Mentoren sind auch immer für uns da. Das Problem mit der Sprache lösen wir mit Körpersprache und Gesten. Bis jetzt haben wir viele Phrasen und neue Wörter kennengelernt, die uns in der Arbeit mit den Kindern helfen und mit der Zeit werden es immer mehr. Mein Aufenthalt hier zeigt mir aber auch, dass ich auch selbstständig zurechtkomme und gibt mir das Vertrauen, dass ich mich auch auf mich selbst verlassen kann.

Dieses Auslandsjahr ist für mich eine Bereicherung. Wir lernen neue Kulturen und Menschen aus anderen Ländern kennen. Langeweile kommt nicht auf, da wir auch Workshops z. B. über unsere Heimatländer an Schulen halten. Hier kann ich auch mein Hobby, das Tanzen, weiterführen. Ich habe auch schon einige Tanzworkshops/-stunden für die Flüchtlingskinder in Bialystok vorbereitet. An Wochenenden haben wir außerdem die Möglichkeit zu reisen und Polen besser kennenzulernen.

Ich bin sehr froh hier zu sein und kann diese Erfahrung, ein Jahr in einem fremden Land zu leben, nur weiterempfehlen.

Melika