„Mama, das kannst Du immer noch“

Arbeiten in Irland, Studium in Schweden und Taiwan: Gisela Kaupes Kinder, ihre Tochter und ihr Sohn, bereisten nach ihrem Schulabschluss die Welt. „Ihr lebt in ganz anderen Zeiten als wir früher“, sagte Gisela Kaupe einmal zu ihrer Tochter, „Ihr habt Glück, dass Ihr so viel reisen könnt.“ „Mama, das kannst Du immer noch!“ antwortete die Tochter.

Daraufhin erkundigte sich Gisela Kaupe im Internet, welche Möglichkeiten sie hat und stieß auf den Freiwilligendienst von Experiment e.V. Die Lehrerin für Englisch und BWL entschied sich für einen Aufenthalt in China, weil es dort ein Freiwilligenprojekt an einer Schule gab, wo sie Englisch unterrichten konnte. „Das Tolle an diesem Aufenthalt war, dass es eben keine organisierte Reise war, bei der man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fährt. Ich konnte zwischen den Menschen leben und so viel mehr vom Land erfahren“, sagt Gisela Kaupe. Die Wochenenden nutzte sie, um zu reisen.

Die zwei Monate in China haben ihr so gut gefallen, dass sie im nächsten Jahr gleich nochmal gefahren ist, dann aber in eine andere Region. Seitdem macht Gisela Kaupe jedes Jahr in den Sommerferien einen Freiwilligendienst mit Experiment e.V. Nach China ging sie nach Südafrika, „um mal was anderes zu sehen“. Dort lebte sie nicht wie in China in einer Wohnung, die sie sich mit einem anderen Freiwilligen geteilt hat, sondern in einer Gastfamilie in einem Vorort von Kapstadt. „Neben mir wohnten auch noch vier Studenten bei meiner Gastfamilie. Es war toll, abends mit allen gemeinsam zu essen und sich Geschichten zu erzählen.“

Ihre nächste Station im Jahr darauf war Nepal, wo sie an der Volkshochschule in Bhaktapur Deutsch unterrichtete. „Nepal war wirklich herausragend. Eine ganz andere Welt“, sagt Gisela Kaupe. „Die Stadt Bhaktapur, die UNESCO-Weltkulturerbe ist, wirkte auf mich wie ein Museum mit ihren Tempeln und Pagoden. Die Menschen lebten sehr ursprünglich und in der Stadt liefen Ziegen, Kühe und Hühner umher.“

Im Sommer geht Gisela Kaupe in Pension. Ihren Freiwilligendienst in Peru hat sie schon gebucht. Dafür paukt sie fleißig Spanisch, denn die Sprache ist Voraussetzung für das Freiwilligenprojekt. „Ich habe meine Aufgabe für den Ruhestand gefunden“, sagt sie. „Mein Ziel ist, einmal auf jedem Kontinent gewesen zu sein.“ Außerdem möchte sie Sprachen lernen, ihre Spanisch- und Chinesisch-Kenntnisse verbessern. „So lange ich gesund und fit bin, mache ich auf jeden Fall weiter“, sagt Gisela Kaupe.