Lernen für's Leben – acht Wochen Freiwilligendienst in Costa Rica

Diana hat acht Wochen in Costa Rica als Lehrerin gearbeitet. Hier schildert sie ihre Erfahrungen als Freiwillige:

„Hola nina“ höre ich schon von Weitem rufen. Gerade bin ich auf dem Weg zur Escuela Laboratorio in San Ramón, welche etwa eine halbe Stunde zu Fuß von meinem costa-ricanischen Zuhause entfernt liegt, und sehe schon einige Kinder auf dem Pausenhof spielen. Im Schulgebäude erwartet mich bereits Mariela, die Englischlehrerin der Schule, um mit mir über das Wochenende zu plaudern und den Ablauf des Tages mit mir zu besprechen. Dann beginnt auch schon der Unterricht – cuatro grado, heute stehen die amerikanischen Feiertage auf dem Plan.

Insgesamt sechs Wochen lang von meinen acht Wochen in Costa Rica begleitete ich den Englischunterricht an der Escuela Laboratorio, eine Grundschule in San Ramón, von der ersten bis zur sechsten Klasse, und konnte einen Einblick darin gewinnen, wie Schule in Costa Rica so funktioniert. Während dieser Zeit half ich etwa schwächeren Schülern bei ihren Aufgaben, bereitete Arbeitsblätter für den Unterricht vor, spielte Spiele und half sogar bei der Bewertung von Schulaufgaben mit. Sowohl die Kinder als auch die Lehrerinnen waren total offen und herzlich. Obwohl es am Anfang schwierig war, mit meinen Schul-Spanischkenntnissen überall mitzukommen, wurde es von Tag zu Tag leichter und die ticos, wie sich die Costa-Ricaner nennen, waren immer sehr geduldig und hilfsbereit. Vor allem die Kinder fanden es lustig, mir irgendwelche Dinge auf Spanisch zu erklären.

Um wieder besser ins Spanische reinzukommen und mich an den Dialekt der ticos zu gewöhnen, besuchte ich während meiner ersten Woche in Costa Rica den Spanischunterricht, der von inlex, der Partnerorganisation von Experiment eV, angeboten wird. Mit Brigitte, meiner Spanischlehrerin, habe ich mich super verstanden und auch nach meiner einen Woche Unterricht haben wir uns zum Beispiel zum Karaoke-Abend getroffen.

Mit meinem aufgefrischten Spanisch startete ich schließlich in Woche zwei in mein erstes Projekt in einer Kindertagesstätte. Da ich jedoch ursprünglich an einer Schule arbeiten wollte, um diese Erfahrung für mein anstehendes Lehramtsstudium nutzen wollte, machte sich Tanya, die Koordinatorin in San Ramón, auf die Suche nach einer Schule, in der ich meine verbleibenden sechs Wochen verbringen konnte. Nach dem Wechsel hatte ich dann auch mein absolutes Traumprojekt gefunden und war so richtig in meinem Element. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war dazu noch, dass ich während August/September in Costa Rica war, also zu einer Zeit, in die einige der wichtigsten Feiertage in Costa Rica fallen. Einer der interessantesten war für mich der „Día de la Independencía“, welchen die ticos mit großem Nationalstolz feiern. Während der Tag der Deutschen Einheit bei uns ja eher mäßig gefeiert wird, ist der Unabhängigkeitstag dort echt ein Event. Schon am Tag davor versammelt man sich etwa zu Laternenumzügen und singt gemeinsam die Nationalhymne, am Tag selber zieht es alle Menschen auf die Straße und die Häuser werden schon Tage davor mit Flaggen geschmückt. Ganz zu Beginn meines Freiwilligendienstes bin ich zudem mit meiner Gastmutter pilgern gegangen, was für mich auch eine ganz neue Erfahrung war. Aber auch die ganz alltäglichen Aspekte von Costa Rica habe ich miterleben dürfen.

Das Typischste an der „Schweiz Lateinamerikas“ sind für mich zum einen die megaleckeren Früchte, von denen einige sogar noch neu für mich waren und welche man an jeder Straßenecke für kleines Geld bekommen kann. Es verging kein Tag, an dem ich mir keine „Bebida“ (eine Art Smoothie mit wahlweise Wasser oder Milch) oder Fruchtbecher gegönnt habe und auch in meiner Gastfamilie habe ich wirklich ganz schön gesund gelebt. Außerdem typisch ist natürlich die Landschaft, die wirklich so abwechslungsreich ist wie überall prophezeit wird. Obwohl ich insgesamt nur recht wenig Zeit zur Verfügung hatte, bin ich trotzdem an den Wochenenden mit den anderen Freiwilligen verreist und konnte so einige Highlights Costa Ricas besuchen. So war ich etwa im Nebelwald in Monteverde, beim Vulkan Arenal oder bei den Schildkröten in Tortuguero an der Karibikküste. Am meisten fiel mir die Vielfalt an Flora und Fauna während unserer Fahrt von Puerto Viejo zurück nach Hause nach San Ramón auf; war das Klima in Puerto Viejo karibisch und schwül-heiß, so änderte sich dies manchmal nach nur einer Stunde Fahrt. Noch vielfältiger als die Natur sind die Tiere, die man in Costa Rica finden kann. Von Affen über Faultiere und Papageien bis hin zu Schlangen und Krokodilen gibt es in Costa Rica fast nichts, das es nicht gibt.

Während meiner Zeit in Costa Rica habe ich aber natürlich nicht nur Natur und Fauna, sondern auch viele liebe Menschen kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind und mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Natürlich kann man die „pura vida“-Mentalität nicht verallgemeinern, aber ich habe auf jeden Fall viel lernen können. Es war interessant zu sehen, wie die Leute dort leben, da sich die Kultur der ticos doch in manchen Aspekten von unserer unterscheidet. Besonders ist mir aufgefallen, dass viele Menschen hier sehr gläubig sind und Religion auch im Alltag noch eine größere Rolle spielt. Auch auf Familie und Kinder wird großer Wert gelegt. So durfte ich etwa in der Schule den Kindertag mitfeiern, an welchem so ziemlich alles erlaubt und geboten war, was Kinder besonders toll finden.

Obwohl ich sehr viele schöne Dinge erlebt habe, war die Zeit natürlich nicht durchgehend so rosig wie man sich das wünscht. Einmal der Projektwechsel, der sich jedoch für mich sehr gelohnt hatte, zum anderen habe ich mir nach 5 Wochen eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Das war jedoch einfach nur Pech, da die anderen Freiwilligen schon über Monate hinweg keine Probleme hatten und auch ich sowohl davor als auch danach alles essen konnte, was ich wollte. Trotzdem musste ich schließlich zum Arzt, doch im Nachhinein kann ich auch stolz sein, dass ich im Grunde alle Höhen und Tiefen während meiner acht Wochen ganz gut gemeistert habe. In dieser Zeit habe ich nicht nur gelernt, zu was ich eigentlich in der Lage bin, sondern habe auch gemerkt, dass unser westlicher Lebensstil, unser Weltbild, nicht für alle Menschen gelten muss, damit sie glücklich sind. Ich habe gelernt, Dinge zu akzeptieren und mich anzupassen und schließlich zu merken, dass sie auch durchaus auf eine andere Art und Weise funktionieren können als wir das gewohnt sind.

Wenn man sich für einen Freiwilligendienst entscheidet, so kann man sich sicher sein, dass man einiges für′s Leben mitnehmen kann und die Chance erhält, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Ich bin wahnsinnig dankbar, die Möglichkeit dazu erhalten zu haben, für all die Menschen, die ich kennenlernen, und für die neuen Dinge, die ich sehen und erleben durfte. Ich kann jeden, der mit dem Gedanken spielt, als Freiwilliger ins Ausland zu gehen, dazu ermutigen, und ganz besonders möchte ich allen natürlich ans Herz legen, dies in Costa Rica zu tun!