Leben im Land des Lächelns - IJFD 2016 in Thailand

Unsere Teilnehmerin Anna macht einen sechsmonatigen Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) in Thailand. In ihrem Zwischenbericht nach drei Monaten berichtet sie von ihren bisherigen Erfahrungen.

3 Monate meines IJFD in Thailand sind um und das bedeutet Halbzeit. Glauben kann ich das nicht wirklich, die Zeit verfliegt nur so. Obwohl ich mich sehr gut eingelebt habe und mich hier wirklich zuhause fühle, habe ich immer noch das Gefühl, gerade erst angekommen zu sein.

An unsere erste Woche kann ich mich erinnern als wäre es gestern gewesen; alles war neu und aufregend und die ganzen neuen Eindrücke mussten Sophie, Nessi und ich erstmal ordnen und verarbeiten. Doch schon unsere Orientierungswoche startete vielversprechend. Zu Beginn konnten wir dank eines Kochkurses das unglaublich leckere thailändische Essen kosten und realisierten schnell, dass wir von nun an die Worte „less spicy“ öfter nutzen würden. Weiter ging es mit Elefanten füttern, waschen und baden, durch den Dschungel wandern und Bäume pflanzen.

Von Beginn an wurden wir gut an die Hand genommen und in die thailändische Kultur und Verhaltungsregeln eingeführt. P’Wad und Shellie, P‘Pepo wie auch die anderen Freiwilligen pflegen eine Willkommenskultur, wie ich sie selten erleben durfte. Und so war ich mir schon nach der ersten Woche sicher, dass ich hier eine erlebnisreiche und tolle Zeit verbringen würde.

Ich arbeite bei Art Relief International (ARI), einer kunsttherapeutischen Organisation, welche kostenlose Kunstworkshops für verschiede Minderheiten in Thailand anbietet. Pro Woche haben wir 5-9 Workshops, die Dauer der Workshops variiert von 50 Minuten bis zu zwei Stunden. Alle Workshops finden zusammen mit sehr verschiedenen Partnerorganisation von ARI statt, so arbeite ich mit Kindern, mit Menschen mit Behinderung, mit Jungs in Jugendgefängnissen oder Jungs, die Opfer von Prostitution in Thailand wurden, mit Flüchtlingskindern aus Burma oder mit zweijährigen Waisen. Es macht unglaublichen viel Spaß mit diesen verschiedenen Gruppen kreativ zu werden und etwas Bedeutungsvolles zu erschaffen. Von den Workshops, die wir in der Woche haben, leite ich ein bis drei; das heißt, ich überlege mir ein Konzept, schreibe einen Ablaufplan, bereite Beispiele vor und packe alle Sachen zusammen, die wir benötigen.

Nach unseren ersten beiden Thaistunden in der ersten Woche haben wir, denke ich, alle mehr oder weniger aufgegeben Thai zu lernen. Dass man nur mit einem kleinen Betonungsfehler aus „gute Arbeit“ „schrecklich“ machen kann, gibt einem nicht gerade mehr Zuversicht. So ist mein Thai nach drei Monaten zwar besser als zu Beginn, beschränkt sich aber immer noch auf mit Taxifahrern zu verhandeln und sich selbst vorzustellen und dem überaus wichtigen Satz: „Nein, lass das!“, wenn man mit Kindern zusammenarbeitet. Dank unserer Projektkoordinatorin Pepo, die auch als unsere Übersetzerin agiert, laufen die Workshops aber trotz der Sprachbarriere glatt ab.

Mein Job hier gefällt mir wirklich sehr gut, ich kann mich in vielen verschieden Weisen einbringen und habe meine eigenen Aufgaben und Rollen. Manchmal ist es aber auch sehr viel Arbeit und ich komme nach einem langen Arbeitstag kaputt zuhause an.

Da ich keine oder kaum Erfahrungen mit Kunsttherapie oder Asien hatte, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll aufzuzählen, was ich alles gelernt habe. Ich denke, eine Sache, die ich aus Thailand mitnehme, ist auf jeden Fall Höflichkeit, mehr Dankbarkeit und ein breites Lächeln. Thailänder regen sich ganz einfach nicht auf und bevor ein Thailänder mal etwas lauter wird, muss schon wirklich etwas Gravierendes passieren. Hier wird nahezu einfach alles weggelächelt und gerade das macht es so einfach sich in der thailändischen Kultur so wohl zu fühlen. Kulturell hat Thailand alles übertroffen, was ich erwartet hätte, egal ob es um die Liebe zum Vaterland oder zum Buddhismus geht. Gerade nach dem Tod des Königs spürt man, wie stark nahezu alle Menschen in Thailand von der Geschichte und der Kultur des Landes geprägt sind. Die Stadt, in der ich lebe, ist Chiang Mai, die zweitgrößte Stadt Thailands. Es ist eine unglaublich schöne Stadt, aber definitiv deutlich größer als ich gedacht hätte. Doch speziell durch die Altstadt, in der sich nahezu alles abspielt, ist es immer noch einfach, sich zurecht zu finden.

Ich habe auf jeden Fall, wenn schon nicht mein Thai, mein Englisch enorm verbessert. Dadurch, dass in meinem Projekt alles auf Englisch abläuft und geplant wird und ich die meiste Zeit Menschen aus der ganzen Welt um mich herum habe, spreche ich auch 24/7 Englisch, plane Workshops auf Englisch und schreibe Pläne und Abläufe. Durch dieses gemixte Arbeitsumfeld lerne ich nicht nur etwas über Thailand, sondern auch über Brasilien, Australien, Irland oder Amerika.

Die Unterkunft, in der wir leben, ist sauber, schön und man fühlt sich sehr heimisch. Momentan leben wir in unserem Volunteerhouse mit neun Frauen auf zwei Badezimmer, doch das klappt besser als es sich nun anhört. Dadurch, dass Nessi, Sophie und ich sechs Monate bleiben, sind wir die Felsen in unserer WG, da die meisten Volunteers nur für ein bis zwei Monate bleiben.

Aber allgemein ist der Hauptgrund, warum ich mich hier so wohl fühle, die Menschen, mit denen ich zusammen lebe und arbeite. Unsere Partnerorganisation hier in Thailand ist grandios und durch unser mittwochs stattfindendes Familiendinner hat man wirklich das Gefühl, Teil der kleinen CCT-Familie zu sein. Es wird sich sehr gut um uns gekümmert und es gibt immer jemanden, der ein offenes Ohr für dich hat. So habe ich hier am anderen Ende der Welt eine kleine zweite Familie und freue mich schon auf die nächsten drei Monate.

Anna